Olching

Silvesterfeier: Stadtrat lässt Bürger abblitzen

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Das Thema sorgt seit Monaten für politischen Zündstoff in Olching: eine gemeinsame Silvesterfeier, um die private Böllerei einzudämmen. Der Stadtrat hat jetzt nach sehr hitziger Debatte eine endgültige Absage erteilt, zumindest was das Finanzielle angeht. Deutlich wurde auch: Die Idee kam eigentlich von Bürgern, die nun recht konsterniert sind.

Olching – Volker Gaul ist am Tag nach der Stadtratssitzung, die er besucht hat, geschockt. „Wir sind enttäuscht“, sagt der 77-Jährige, der jahrelang Vize-Schulleiter des Gymnasiums war. Mit „wir“ meint er seine Ehefrau Irmgard, ebenfalls Lehrerin, und sich. Die beiden hätten nicht damit gerechnet, dass ihre Idee auf der politischen Bühne derart ausgeschlachtet wird. „Ich finde, das ist eine Katastrophe“, sagt Gaul.

Doch von vorne. Die Gauls wohnen im Lechweg. Das Wohngebiet ist dicht bebaut. „Der Gestank und Rauch an Silvester wird immer schlimmer“, erzählt Volker Gaul. Nach dem letzten Jahreswechsel war klar: So geht es nicht weiter. Das Ehepaar und andere Anwohner hatten den Einfall, eine zentrale Silvesterfeier samt Feuerwerk zu veranstalten.

Treffen sollte Anregung zum Verzicht auf private Feuerwerke sein

„Wir wollten die Olchinger dazu anregen, auf die privaten Feuerwerke an Silvester zu verzichten“, erklärt Gaul. Er ist überzeugt: Man muss nicht immer warten, dass von oben etwas kommt (zum Beispiel ein Verbot), sondern kann auch in kleinen Schritten Umweltschutz betreiben.

Irmgard Gaul fühlte in den vergangenen Monaten bei Schulen vor, schrieb Ärzte an und holte auch die Kirche mit ins Boot. Viele fanden den Vorschlag gut und hätten für die Feier geworben. Bei einer Veranstaltung über Fotovoltaik trugen sie die Idee an SPD-Stadtrat und Stadtentwicklungsreferent Alfred Münch heran, auch im Rathaus wurden sie vorstellig. Bei Bürgermeister Andreas Magg (SPD) stießen sie ebenfalls auf offene Ohren. Was die Gauls nicht ahnten: Die SPD-Fraktion brachte die Anregung im August in den Stadtrat ein, was sich als verhängnisvoll erwies. Die konkrete Entstehung der Idee war nicht ersichtlich.

„Ich habe es als meine Aufgabe als Stadtrat angesehen, das weiterzugeben“, erklärte Alfred Münch nun in der jüngsten Sitzung. Die Stadt hätte sich mit etwa 10 000 Euro beteiligen sollen. Die Debatte lief damals aber schon völlig aus dem Ruder.

Mehr Feuerwerk für mehr Umweltschutz und das auf Kosten des Steuerzahlers, war etwa eines der Gegenargumente der CSU-Fraktion. Josef Gigl (FW) äußerte sich provokant zum Einsatz der ehrenamtlichen Feuerwehrleute und ziemlich einhellig war man dagegen, daraus ein großes Event mit Gastronomie zu machen.

Stadtmarketing hat Idee der Lasershow statt dem Feuerwerk

Daran waren die Gauls aber sowieso eigentlich gar nicht interessiert. Ihnen schwebte mehr etwas Kulturelles vor, vielleicht kombiniert mit einem ökumenischen Gottesdienst. Nach der ersten Absage des Stadtrates wollten die Initiatoren nicht aufgeben. Aus den Reihen des Stadtmarketings kam der Einfall, eine Lasershow statt des Feuerwerks zu veranstalten. Für die Gauls eine sehr gute Alternative.

Genau dieser Vorstoß landete nun am Donnerstag wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates. Die Vorzeichen waren nicht gut: Der Hauptausschuss hatte bereits empfohlen, die Lasershow abzulehnen. Diesmal trat aber zum ersten Mal die eigentliche Initiatorin in Erscheinung: Irmgard Gaul. Dies führte zum beißenden Kommentar aus CSU-Richtung: „Nun ist wenigstens klar, dass die Idee nicht aus der SPD-Fraktion kommt.“

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Flammender Appell gegen private Feuerwerke

Irmgard Gaul richtete in der Aktuellen Viertelstunde noch einmal einen flammenden Appell an die Stadträte: „Nie wurden Steuergelder besser ausgegeben“, sagte sie. Und: „Olching könnte eine Vorreiter-Rolle in Sachen Klimaschutz übernehmen.“ Sowie: „Als Stadtrat haben Sie eine besondere Verantwortung.“ Ausdrücklich bat sie darum, das Thema nicht parteipolitisch zu zerreißen.

Es sollte aber bei einem frommen Wunsch bleiben. CSU-Fraktion und Freie Wähler blieben bei ihren alten Argumenten (etwa auch, dass so eine Veranstaltung nicht Aufgabe der Stadt sei). Die Debatte war erneut sehr hitzig. Am Ende wurde die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung durch die Stadt mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Die Gauls wollen das allerdings nicht hinnehmen. Sie wollen versuchen, auf anderen Wegen dafür zu sorgen, dass nicht mehr so viel geböllert wird.

Beim Thema privates Feuerwerk kracht es immer wieder

Am Ende war es FW-Stadträtin und Kulturreferentin Ruth Busl (die sich gegen ihre Fraktion für die Lasershow aussprach), der der Kragen platzte. „Ich werde meinen Redebeitrag diesmal nicht mit ,liebe Kollegen’ beginnen“, sagte sie. Sie äußerte sehr deutlich ihr Unverständnis über die Art und Weise, wie die Diskussion geführt wurde. „Lassen Sie den Wahlkampf bitte doch einmal außen vor.“ 

Sie appellierte an die Stadträte, eine hoheitliche Aufgabe wie die Kultur zu unterstützen. CSU-Bürgermeisterkandidat Maximilian Gigl kritisierte sie deutlich: „Mir fehlen die Worte, dass sie sich hier über jeden lustig machen.“ Zuvor hatte bereits Alfred Münch (SPD) vom Leder gezogen. Er griff Ewald Zachmann (FW) unter anderem für dessen „Schelte“ der Bürger an. Zachmann hatte erklärt, dass das bürgerschaftliche Engagement zwar zu würdigen sei, dass man die Sache aber auch bis zum Ende hätte durchziehen sollen. „Man kann nicht an die Stadt herantreten und sagen, macht dies und das.“ 

Zachmann (selbst Feuerwerksgegner) sprach sich dafür aus, dass das Problem durch ein Verbot der Bundesregierung gelöst werden müsste. Er zweifelte auch den Sinn der Veranstaltung an. „Um 23.45 Uhr fahren dann alle los und dann heißt es plötzlich, gemeinsam Stadt sein oder wie?“ Jenseits der „Hahnenkämpfe“ blieben die Fraktionen bei ihren Argumenten. Marina Freudenstein (SPD) sprach sich für die Lasershow aus. Gemeinsam ins Neue Jahr zu rutschen sei ebenso zu unterstützen wie die Initiative aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Maximilian Gigl (CSU) begrüßte auch das Engagement der Bürger. Die Lasershow sollte aber nicht zu finanziellen und organisatorische Lasten der Stadt gehen. Die personellen Kapazitäten seien eh schon ausgereizt. Ingrid Jaschke (Grüne) sagte als Argument für die Feier noch, dass die Stadt auch andere Dinge mache, die sicher keine Pflicht seien: „Zum Beispiel den Faschingszug.“

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