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Bereit für die Feier am Wochenende: Vize-Geschäftsführerin Melanie Höft (l.) und die Vorsitzende, Bettina Schulz.

Jubiläum

Sozialdienst Olching: Seit 50 Jahren für die Bürger da

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Der Sozialdienst Olching feiert sein 50-jähriges Bestehen im KOM. Grund genug, um einmal auf die Anfänge des gemeinnützigen Vereins zu blicken. Nur die Zukunft bereitet den Verantwortlichen ein wenig Bauchschmerzen.

Olching – Es gab eine Zeit, da stapelten sich auf Gerlinde Zachmanns Schreibtisch die Bewerbungen von Menschen, die ehrenamtlich im Sozialdienst Olching mitarbeiten wollten. „Man musste die Leute regelrecht überreden, sich sozialversicherungspflichtig anstellen zu lassen“, erinnert sich die ehemalige Geschäftsführerin des Vereins. Heute ist sie Aufsichtsrätin und Ehrenmitglied.

Für die ersten Mittagsbetreuungen wurden Vorhänge selbst genäht, Möbel und Geschirr aus privaten Beständen zusammengetragen. Vieles, was damals möglich war, wäre heute undenkbar. Doch funktioniert hat der Sozialdienst Olching immer. Und meist war er auch seiner Zeit voraus.

Aus privater Nachbarschaftshilfe heraus entstanden

Der Verein entstand 1969 aus einer privaten Nachbarschaftshilfe heraus. Ursprünglich sollte es nur darum gehen, dass Mütter im Krankheitsfall gegenseitig ihre Kinder betreuen, doch schon während der Gründungsphase kamen die Themen Kranken- und Altenpflege hinzu. Dank der zahlreichen freiwilligen Helfer konnte der Sozialdienst den Bürgern von Anfang an ein breites Angebot machen. Ehrenamtliche Krankenschwestern und Helferinnen kümmerten sich um Kinder, Kranke, Schwangere und Schwerbeschädigte, leisteten Haushaltshilfe und führten Mütterberatung durch.

Bald kamen die Kinderparks in Olching und Esting hinzu, die eine stundenweise Betreuung anboten. 1977 startete Essen auf Rädern, ein Jahr später die Kontaktgruppe Demenz, ein nachmittägliches Angebot für pflegebedürftige Senioren inklusive Hol- und Bringdienst. Auch damals ging es schon um die Entlastung pflegender Angehöriger.

Rasante Entwicklung

„Die Entwicklung war unglaublich rasant“, erzählt Gerlinde Zachmann. Sie kam 1973 als ehrenamtliche Mitarbeiterin zum Sozialdienst und wurde 1991 dessen erste festangestellte Krankenschwester und Pflegedienstleiterin. Zunächst hatte sie zehn Mitarbeiterinnen und einen einzigen kleinen Computer, der wie eine Kostbarkeit jeden Abend in einem eigens angefertigten Schrank verschlossen wurde.

Sitz der Geschäftsstelle war zunächst die ehemalige alte Knabenschule an der Hauptstraße. Dort wurde auch für Essen auf Rädern gekocht –unter Bedingungen, die aus heutiger Sicht „unter alle Kanone“ waren, wie Zachmann schmunzelnd feststellt. „Aber es hat funktioniert.“

Die erste altersübergreifende Einrichtung zur Kinderbetreuung

„Als ich die Öffnungszeiten verlängern wollte, hat man mich für verrückt erklärt“, erzählt Gerlinde Zachmann.

Mit dem Kinderhaus in Esting – dessen Trägerschaft der Gemeinderat dem Sozialdienst mit einer einzigen Stimme Mehrheit gegenüber dem Mitbewerber AWO übertrug – entstand die erste altersübergreifende Kinderbetreuungseinrichtung in der Region. Sie vereinte Krippe, Kindergarten und Hort unter einem Dach. Im Interesse berufstätiger Mütter kämpfte Zachmann für längere als seinerzeit übliche Öffnungszeiten und für eine Verkürzung der Schließzeiten in den Ferien. „Man hat mich für verrückt erklärt.“ Heute hat der Sozialdienst 185 Mitarbeiter, Festangestellte und Minijobber. Ehrenamtliche Helfer ohne Bezahlung gibt es nicht mehr. „Wir sind immer noch ein Verein, aber eigentlich ein mittelständisches Unternehmen“, sagt Bettina Schulz. Die 46-Jährige ist seit drei Jahren geschäftsführender Vorstand des Sozialdienstes. Zum Angebot gehört inzwischen auch die Hausaufgabenhilfe sowie die Mittagsbetreuung an allen Olchinger Grundschulen, die allein in diesem Schuljahr fast 450 Kinder in Anspruch nehmen. Auch der Bereich der ambulanten Pflege ist stetig gewachsen. Derzeit werden 120 Patienten betreut.

Die Mitgliederzahl schrumpft

Rückläufig ist dagegen die Zahl der Mitglieder. Aktuell sind es 620, zu Spitzenzeiten waren es fast 1000. Das ist durchaus ein Problem, weil dem Sozialdienst die Einnahmen fehlen. „Die Mitgliedsbeiträge würden uns helfen“, sagt Schulz. Sie würde sich wünschen, dass beispielsweise die Eltern der vielen vom Sozialdienst betreuten Kinder oder die Angehörigen von Pflegebedürftigen Vereinsmitglieder werden. „Aber es ist schwierig, das zu vermitteln, weil die Leute für die Leistungen ja eh schon bezahlen.“

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