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Sozialdienst VdK schimpft: Bahn schlampt beim Aufzug-Service

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Das rot-weiße Sperrband signalisiert: Dieser Lift ist defekt. Nicht jeder Fahrgast kann auf die Treppe ausweichen.

Sie sind ein Dauerärgernis: kaputte Fahrstühle an S-Bahnhöfen. Viel zu oft stranden Behinderte, Senioren oder Mütter mit Kinderwagen vor den verschlossenen Türen defekter Lifte.

Gröbenzell/Olching/Puchheim –  Sie  wissen dann nicht, wie sie zum Bahnsteig beziehungsweise zum Zug kommen sollen. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, die Bahn zu besserem Service zu bewegen. Der Geduldsfaden bei den Vorsitzenden der Ortsverbände des VdK Gröbenzell und Olching, Josef Dittrich und Karl Wacker, den Vorsitzenden von Senioren- und Behindertenbeiräten in Gröbenzell und Puchheim, Harald Hengesbach, Karl-Heinz Türkner und Richard Ullmann, und Vertretern weiterer Vereine ist gerissen. Wochenlang waren und sind Aufzüge zu den Bahnsteigen in Gröbenzell und Olching außer Betrieb. In einem offenen Brief an die Bahn ist sogar das Wort „Saustall“ enthalten.

Die Unterzeichner des Briefs räumen ein, dass ein Aufzug defekt sein kann, durch Rabaukentum oder auch falsche Bedienung. Doch innerhalb von ein bis zwei Tagen müssten Ausfälle behoben sein, betonen sie. Die Vertreter der sozialen Organisationen sind überzeugt, es könne nur eine Lösung für dieses Aufzug-Dilemma geben: Das anscheinend unfähige Management müsse endlich abgelöst und durch neues, fähiges Fachpersonal ersetzt werden.

„Diese leidigen Zustände immer und immer wieder hinzunehmen“, dazu sind sie nicht mehr bereit. Und stellen klar: Kein Kaufhaus, keine Klinik, kein Hotel, keine Firma könne sich den wochenlangen Ausfall eines Aufzugs leisten. Der Gröbenzeller Friedhelm Stichnothe, der 47 Jahre seines Berufslebens mit Aufzügen verbracht hat, und Wacker, der ebenfalls für eine Aufzugfirma tätig war, machten gegenüber der Presse klar, was die Bahn bei der Wartung von Aufzügen etwa von Kaufhäusern oder Kliniken unterscheidet: Letztere hätten Wartungsverträge mit den Herstellerfirmen für ihre Aufzüge.

Die Firma, für die er jahrelang tätig war, habe sieben Tage in der Woche täglich 24 Stunden einen Wartungsdienst bereitgestellt, berichtete Stichnothe. Doch die Bahn warte ihre Aufzüge selber. Am Gröbenzeller Aufzug ließ er kein gutes Haar, dieser Aufzug mit Hydraulikantrieb solle schnellstens gegen einen Aufzug mit Seilaufzug ausgetauscht werden, forderte er.

Der Austausch ist aufgrund seines Alters auch bereits länger vorgesehen, berichtet ein Bahnsprecher, der Aufzug ist etwa 20 Jahre alt. Doch aufgrund der boomenden Baukonjunktur sei bisher keine Firma dafür gefunden worden. Der Aufzug sei daher noch einmal aufwändig repariert worden und ein Austausch nun für 2019 vorgesehen. Dass in Gröbenzell und Olching im Sommer die Reparatur der Aufzüge nicht wie in der Regel zwei Werktage sondern wochenlang gedauert hat, erklärt er damit, dass das bahneigene Servicepersonal die Schäden nicht beheben konnte.

In Olching, so der Bahnsprecher, sei selbst der Service des Herstellers überfordert gewesen, hier war eine Bremse defekt. Erst der Hersteller der Bremse konnte den Schaden beheben. Er betont aber auch, dass alle Aufzüge und Fahrtreppen der Bahn an ein digitales Überwachungsnetz angeschlossen sind, damit der Wartungsbedarf rechtzeitig erkannt werde. Und dass das Serviceteam der Bahn alle gängigen Ersatzteile auf Lager habe.

Auch Stichnothe räumt ein: „Einen störungsfreien Aufzug gibt es nicht.“ Was Vertreter aus Puchheim mit Interesse vernahmen. Sowohl Behinderten- als auch Seniorenbeirat der Stadt setzen sich dafür ein, dass ein stufen- und technikfreier Zugang zum Bahnsteig realisiert wird. Doch die Bahn wolle einen Zugang mit Aufzug schaffen, der sogar teurer ist, wie Ingrid Kroppen vom Behindertenbeirat kritisierte.

Auch die Bürgermeister Gröbenzells und Olchings, Martin Schäfer (UWG) und Andreas Magg (SPD), hatten sich im Sommer der defekten Aufzüge in ihren Kommunen angenommen. Ein Problem war dabei immer wieder offenbar geworden: Der bei der Bahn zuständige Mitarbeiter war nicht zu erreichen. Man komme von Pontius zu Pilatus, habe Magg ihm verraten, berichtete Karl Wacker vom VdK.

Bürgermeister Martin Schäfer aus Gröbenzell ist der zuständige Mitarbeiter inzwischen bekannt, in einem Gespräch mit Verkehrsministerin Ilse Aigner und Vertretern der Bahn war ihm dieser vorgestellt worden. Wenn er denn auf Dauer dafür zuständig bleibt. Denn wie der Vorsitzende des Puchheimer Seniorenbeirates Karl-Heinz Türkner erfahren musste: Hat man mal einen Ansprechpartner herausgefunden, dann hat der Zuständige schon wieder gewechselt. (sus)

Für Ärger gesorgt hatte unter anderem dieser konkrete Fall.

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