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Wohnungen sind kn app in Olching. Eine Genossenschaft will 54 Wohnungen und eine Kita errichten. Doch die Stadt könnte das Vorhaben auch selber realisieren. Eine Entscheidung darüber soll am 28. September fallen.

Grundstück am Grossen Berg

Stadt oder Genossenschaft: Wer soll am Großen Berg in Olching bauen?

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Das Vorhaben der Wohngut Olching, Wohnungen im Genossenschaftsmodell zu errichten, wird zum Politikum. Es geht darum, ob die Stadt bauen sollte und nicht die Genossenschaft.

Olching – Es wäre das erste Projekt dieser Art in der Stadt: Die Wohnbaugenossenschaft Olching plant, an der Münchner Straße Wohnungen zu errichten. Auf dem etwas über 7000 Quadratmeter großen Areal am sogenannten Großen Berg sollen 54 Wohnungen und eine Kindertagesstätte entstehen. Die Hälfte der Wohnungen sollen Sozialwohnungen sein. Das Grundstück würde die Stadt der Genossenschaft in Erbpacht überlassen. Doch nun wird diskutiert, ob die Stadt nicht alles oder zumindest teilweise selber bauen soll. Eine Entscheidung darüber soll im Hauptausschuss am 28. September fallen – in nicht-öffentlicher Sitzung.

Bereits 2013 hat die Wohngut ihr Vorhaben im Stadtrat vorgestellt. Ursprünglich interessierte sie sich für ein Grundstück im Schwaigfeld an der Ludwigstraße. Die Stadt kaufte dieses vom Wittelsbacher Ausgleichsfond, eine provisorische Kita wurde errichtet. Für das Vorhaben der Wohngut kam das Areal an der Münchner Straße ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Müllkippe, die vom Bauhof zu Lagerzwecken genutzt wird.

Würde die Stadt Olching selber bauen, dann hätte sie das Belegungsrecht

Für dieses Grundstück entwickelte die Genossenschaft ein Konzept mit einem Mix aus öffentlich-geförderten und privat finanzierten Wohnungen inklusive einer Kita. Denn diese soll von der Ludwigstraße dorthin umziehen. Was dann mit dem Areal an der Ludwigstraße passieren soll, ist noch unklar. „Wir haben jetzt vier Jahre hineingesteckt und relativ viel Geld und auch Zeit investiert“, sagt Harald Kucharcik vom Vorstand der Wohngut. Verträge mit der Stadt gebe es bis dato aber keine. „Es waren alles nur Gespräche.“

Das sagt auch Rathaus-Geschäftsstellenleiter Jürgen Koller. „Im Kern geht es um die Frage, ob die Stadt das Grundstück in Erbpacht an die Genossenschaft vergeben oder selber bauen soll“, so Koller. Würde die Stadt selber bauen, dann läge zum Einen das Belegungsrecht bei ihr, zum Anderen könnte sie die geförderten Wohnungen günstiger anbieten. Denn der Staat würde den Bau im Rahmen des kommunalen Wohnbau-Förderprogramms stark bezuschussen. „An die 35 Prozent der Kosten würde es als Zuschuss geben“, erklärt Koller. „Das bekommt Wohngut nicht.“

Doch bei dem Programm, das zum Januar 2016 aufgelegt worden ist, gibt es eine Bedingung: Die Kommune muss selbst bauen, darf also nicht Dritte bauen lassen. Auch ein Vorhaben im Rahmen einer interkommunalen Wohnbaugesellschaft wird nicht bezuschusst.

„Der Kompromiss wäre auch nicht schlecht.“ (Harald Kucharcik)

Würde die Stadt selbst bauen, dann wären es ihre Wohnungen und ihre Kita, sie müsste aber auch das ganze Vorhaben alleine stemmen, was einen erheblichen Aufwand für die Verwaltung bedeuten würde. „Die Frage ist, was wirtschaftlich sinnvoller ist, und ob die Stadt auf das Förderprogramm verzichten soll“, so Koller. Eine Entscheidung, wie es weitergehen soll, müsse bald getroffen werden. „Denn das Förderprogramm ist befristet, man müsste jetzt dann allmählich beginnen.“

Vielleicht ist es aber auch möglich, dass sowohl die Genossenschaft als auch die Stadt auf Teilflächen tätig werden. Diese Option wurde im Hauptausschuss Ende Juni ins Spiel gebracht. Die Verwaltung prüfe, ob die Stadt im vorderen Teil des Grundstücks Kita und Sozialwohnungen errichten könne und ob die Wohngut im hinteren Bereich ihr Vorhaben realisieren könne, so Kucharcik. Die Ergebnisse sollen am 28. September vorgestellt werden.

„Der Kompromiss wäre auch nicht schlecht“, sagt Kucharcik. Zwar wären nur noch rund 30 Wohnungen möglich – rund 20 Prozent davon gefördert –, aber das würde den ursprünglichen Vorstellungen der Genossenschaft entsprechen. Würde sich der Stadtrat dafür entscheiden, dass die Wohngut aus dem Projekt raus ist, dann wäre das ein herber Rückschlag für die Genossenschaft. „Wir müssten uns nach einem neuen Grundstück umsehen“, so Kucharcik. „Eventuell auch außerhalb der Stadtgrenzen“. Denn in Olching gebe es kaum noch ein geeignetes Areal.

Das ist die Olchinger Wohnbaugesellschaft Wohngut

Die Wohngut haben Olchinger Bürger 2013 gegründet. Eine Wohnungsgenossenschaft hat das Ziel, ihre Mitglieder – rund 60 sind es derzeit laut Harald Kurchacik vom Vorstand der Wohngut – mit preisgünstigem Wohnraum zu versorgen. Wohnungseigentümer sind dabei nicht die einzelnen Mitglieder, sondern ist immer die Genossenschaft. Das Miteigentum der einzelnen Mitglieder bezieht sich damit nicht auf die genutzte Wohnung, sondern auf das Wohnungsunternehmen. Eine Genossenschaft arbeitet nur mit den Einlagen ihrer Mitglieder. Sie arbeitet nicht gewinnorientiert. Wer Anteile erwirbt, kann also keine Rendite erwarten.

Würde sich der Stadtrat dafür entscheiden, dass die Genossenschaft alleine bauen soll, dann müsse das Grundstück, das eine ehemalige Müllkippe sei, erst saniert, sprich komplett ausgebaggert werden, so Kucharcik. Zudem sei das Areal total überwuchert. Die Bäume und Sträucher müssten entfernt werden. Das könne man aber nur in der brutfreien Zeit machen, also im Herbst und Winter. Dann könnte im Sommer nächsten Jahres mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden.

Das sagen die Fraktionen im Stadtrat zum Vorhaben der Wohngut

  • Bis auf die CSU stehen die Fraktionen nach wie vor vom Grundsatz her hinter dem Vorhaben der Wohngut. „Es gibt generell eine große Zustimmung“, sagt Rathaus-Geschäftsstellenleiter Jürgen Koller. Es herrsche die Meinung, dass eine genossenschaftliche Struktur Olching gut täte. Die Christsozialen kritisieren grob gesagt eine Verschwendung von Steuergeldern. Sie sind der Meinung, dass es wirtschaftlich sinnvoller wäre, wenn die Stadt selbst bauen würde.
  • Die SPD ist für die Wohngut. Allerdings hat sie den Antrag gestellt, dass geprüft werden soll, ob die Stadt die Kita und Sozialwohnungen auf einer Teilfläche nicht in Eigenregie errichten kann.
  • Die Grünen begrüßen das Vorhaben der Wohngut. Sie appellieren an den Stadtrat, das Angebot der Genossenschaft objektiv zu prüfen und gegebenenfalls nachzuverhandeln.
  • Die Freien Wähler sind der Meinung, „dass die aktuellen Auseinandersetzungen ein Lehrbeispiel sind, wie ein gutes zivilbürgerschaftliches Engagement wegen einer fehlenden Strategie der Stadt in den parteipolitisches Mühlen zerrieben wird“.

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