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Porträt

Die starke Frau im Olchinger Männerballett

Petra Schüler ist die Frau, die als Trainerin das Olchinger Männerballett zu einem Publikumsmagneten gemacht hat. Natürlich zusammen mit den 17 Tänzern. „Ihre Männer“ haben ihr Halt gegeben, auch in Zeiten, in denen sie wenig zu lachen hatte.

Olching – Wenn Petra Schüler an „ihre Männer“ denkt, strahlt sie über beide Ohren. „Ihre Männer“ heißen Thomas, Wolfgang, Carsten, Robert oder Günther. Sie sind Geschäftsführer, Versicherungsvertreter, Polizisten und Handwerker. „Ihre Männer“, 17 an der Zahl, sind das Olchinger Männerballett, seit über 20 Jahren ein absoluter Publikumsmagnet. Doch ohne Petra Schüler hätte es diesen Erfolg nie gegeben.

Die 45-Jährige würde das aber nie selbst sagen, dazu ist sie viel zu bescheiden. Sie hat es von ihren Eltern so vorgelebt bekommen. Anderen eine Freude bereiten, das hat bei den Schülers Familientradition. Ihre Eltern organisierten den „Wintersportball“ des Wintersportvereins. Als kleines Mädchen fieberte die Olchingerin dem Ereignis das ganze Jahr entgegen. „Das war der Faschingsball in Olching“, schwärmt sie. Als sie noch ein Kind war, half sie beim Aufbau, als Teenagerin gab es hier den ersten Schluck Sekt. Der Fasching war immer eine Herzensangelegenheit ihrer Eltern.

Sie verlor ihre Eltern sehr früh

Als Prinzessin der Faschingsgilde Olching durften Schülers Eltern sie in der Saison 1991/92 erleben. Die Begeisterung für die närrische Jahreszeit ist bis heute ungebrochen: „Ich bin da ein bisschen in die Fußstapfen meiner Eltern getreten.“ Sie selbst hat mit knapp zehn Jahren beim TSV Olching mit dem Tanzen begonnen. Auftritte vor Publikum waren damals ein Wechselbad aus Vorfreude und Lampenfieber. Auch ihre Begeisterung für tanzende Männer stammt aus dieser Zeit: Schülers Mutter studierte mit den Skilehrern des WSV für die Bälle jedes Jahr eine neue Choreografie ein. Mit im elterlichen Wohnzimmer: die kleine Petra.

40 Jahre später, dasselbe Wohnzimmer. Petra Schüler nimmt einen Schluck aus der Kaffeetasse. „Was für eine Stütze der Verein und die Gruppe sein können, gerade, wenn es einem mal nicht so gut geht, weiß ich wirklich zu schätzen“, sagt sie. Die Olchingerin hat ihre Eltern früh verloren: Als sie 24 Jahre alt war, starb ihre Mutter, zwei Jahre später der Vater. „Da war das Vereinsleben wie eine zweite Familie für mich. Man kann gemeinsam lachen und weinen.“ Wer ihr Halt gab: „ihre Männer“. Von denen kam übrigens auch der Anstoß zu der Tanzgruppe.

Jede Show trägtihre Handschrift

Schüler war eigentlich Trainerin beim Tanznachwuchs der Olchinger Tanzfreunde – mit sieben Kindern und einem Kassettenrekorder. Eines Abends, nach einer Probe, kamen die Väter der jungen Tänzer mit einem besonderen Anliegen zu ihr. Sie wollten ihre Frauen überraschen, das lernen, was die Kleinen machen. Oder zumindest so etwas Ähnliches. Schüler zögerte nicht lange. Sie dachte sich eine Choreografie aus, wählte eine Musik. Zunächst sollte es tatsächlich ganz klassisches Ballett sein. Das klappte nur mit mäßigem Erfolg. Schüler schwenkte auf etwas Modernes um – das war die Geburtsstunde des Männerballetts.

Die Gruppe um Trainerin Schüler sorgt seit mittlerweile über 20 Jahren auf Sommerfesten, Geburtstagen, Hochzeiten und Faschingsfeiern mit teils skurrilen Tanzeinlagen für Stimmung. Bei den Ballettmännern steht nicht Perfektion im Vordergrund, sondern der Spaß. Sie tanzen, wie ihnen die Füße gewachsen sind. Das ist auch das Erfolgsgeheimnis der bunten Truppe, bei der es längst einen Aufnahmestopp gibt. Schüler hört immer wieder von „ihren Männern“: „Einfach mal ein bisschen über sich selbst lachen können. Das tut gut.“ Ein Ausgleich zum Alltag.

Für die Trainerin ist es manchmal eine Herausforderung. Ihre Schützlinge attestierten ihr eine Engelsgeduld. Seit Mitte der 1990er-Jahre tingelt Schüler mit ihrem „buntgemischten Haufen“ von Familienvätern – Durchschnittsalter 50 – nun schon jahraus jahrein durch die Lande. Sie legt sich für sie ins Zeug. Musik, Kostüme, Choreografie – ohne ihre Chefin wären die Tanzmänner aufgeschmissen. Jede Show trägt ihre Handschrift.

Nervös sind sie schon vor den Aufritten

Nervös ist die „Vollblutfaschingslady“, wie sie genannt wird, auch heute noch, die Männer genauso. Etwa vor einem Auftritt im Zirkus Krone, vor 3000 Leuten. Ohne Händchenhalten geht da nichts. Und es hat geholfen: „Ihre Männer“ legten sich mächtig ins Zeug, da saß plötzlich jeder Schritt.

Petra Schülers Mühen wurden vor kurzem ganz offiziell gewürdigt. Für ihr 25-jähriges ehrenamtliches Engagement im Verein und rund um den Fasching hat Schüler den goldenen Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval (BDK) überreicht bekommen. „Ich bin nicht oft sprachlos, aber da war ich’s“, erinnert sich Schüler an den Abend, an dem sie nichtsahnend auf die Bühne gerufen wurde. Allein der Gedanke daran, dass man sie für die Auszeichnung ausgewählt hat, zaubert ihr ein Funkeln in die Augen. „Da merkt man aber auch, wie alt man ist“, fügt sie mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

Doch daran, irgendwann nicht mehr mit ihrem Männerballett durch die Nächte zu ziehen, denkt sie noch lange nicht: „Ich habe jetzt schon Ideen für das nächste Jahr. Zum Beispiel würde ich auch gerne mal eine Faschingsparty im Sommer feiern. Wenn es nicht so kalt ist. Da wäre vieles einfacher, alleine schon mit den Kostümen.“ Sie ist nicht nur die Chefin, sondern auch die gute Seele der Truppe, die Sorgen und Wünsche der Tänzer berücksichtigt. Sie ist eine starke Frau mit goldenem Herzen für „ihre Männer“. (Katja Brenner)

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