1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Olching

Sternenkindern einen Platz auf der Welt geben

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Böhmer

Kommentare

Der Olchinger Parkfriedhof: Sternenkinder können derzeit nur in einer eigenen Grabstätte beerdigt werden. Diese haben die wenigsten jungen Eltern. 	archivfoto: weber
Der Olchinger Parkfriedhof: Sternenkinder können derzeit nur in einer eigenen Grabstätte beerdigt werden. Diese haben die wenigsten jungen Eltern. © Weber

Wenn ein Neugeborenes am gleichen Tag stirbt, an dem es auf die Welt gekommen ist, nennt man es Sternenkind. Damit Eltern eine Möglichkeit haben, sich zu verabschieden und zu trauern, soll es am Olchinger Parkfriedhof ein eigenes Grabfeld geben. Für Seelsorger ist das ein sehr wichtiger Teil der Trauerarbeit.

Olching – Es ist ein Thema, das für jeden normalen Menschen kaum erträglich ist, und doch ist es präsent. Spätestens wenn eine Todesanzeige am Olchinger Friedhof aushängt, auf der nachzulesen ist, dass ein Kind am selben Tag gestorben ist, an dem es das Licht der Welt erblicken sollte. Vielleicht war es bereits tot, vielleicht hat es wenige Stunden gelebt. Sicher ist: Für die Eltern bedeutet das einen unfassbar schmerzlichen Verlust. Und die wenigsten dürften eine Möglichkeit haben, eine Stätte der Trauer im Heimatort einzurichten. Sprich: eine letzte Ruhestätte, die man besuchen kann und kein Sammeltermin zur Beisetzung bei irgendeiner Klinik.

Das zumindest ist etwas, was CSU-Stadträtin Maria Hartl schon seit Längerem umtreibt. „Eltern, die ein Kind vor oder kurz nach der Geburt verlieren, erleben eine schwere Situation und die Trauer ist unendlich groß.“ An sie sind Betroffene herangetreten mit dem Wunsch, ein Grabfeld für so genannte Sternenkinder am Olchinger Parkfriedhof zu errichten.

So kam es zum Antrag

Die Friedhofssatzung erlaubt zwar Beerdigungen für Fehl- und Totgeburten. Auch gesetzlich ist es seit dem Jahr 2013 möglich, toten Kindern unter 500 Gramm eine Existenz zu geben und sie zu bestatten. Vorher waren sie juristisch quasi nicht existent. Hartl sieht allerdings ein Problem: „Dazu ist es natürlich notwendig, eine Grabstätte zu haben. Eltern und da reden wir in der Regel von jungen Leuten, können und möchten sich aber in diesem Alter noch keine eigene Grabstätte anschaffen.“

Sie hat deshalb stellvertretend für die CSU-Fraktion im Rathaus beantragt, ein Sternenkinderfeld zu errichten, für das Eltern wohl auch keine Grabgebühren zahlen müssen. In diesem neuen Grabfeld sollten dann sowohl Erd- wie auch Urnenbestattungen möglich gemacht werden. Die Größe der einzelnen Grabstätten der Sternenkinder könne wesentlich kleiner ausfallen. Eventuell müsste hierzu die Friedhofs- und Gebührensatzung überarbeitet werden, so Hartl weiter. „Betroffenen Eltern würde es bei der Trauerbewältigung helfen, weil sie dann wissen, dass ihr Sternenkind zusammen mit anderen Sternenkindern und unabhängig vom Geburtsgewicht an einem würdevollen Ort, in der eigenen Stadt, beerdigt werden könnte.“

Das sagt der Pfarrer

Da sieht auch Olchings katholischer Pfarrer Josef Steindlmüller so. Zur christlichen Bestattungskultur gehöre es, die Würde des Menschen zu wahren. „Und das gilt auch, wenn er nur ein paar Stunden gelebt hat.“ Steindlmüller hält ein Grabfeld für Sternenkinder durchaus für angemessen am Olchinger Parkfriedhof. „Abschied nehmen, ist eine große Hilfe, um Trauer zu bewältigen“, erklärt er. Wie häufig sich Fälle in Olching ereignen, bei denen Eltern ihre Neugeborenen zu Grabe tragen müssen, kann er nicht genau sagen. Nicht alle wenden sich an die Kirche. „Aber ich weiß von drei Fällen in Olching in den vergangenen zwei Jahren.“

Christian Richter vom Olchinger Ordnungsamt setzt nun weitere Schritte in Gang. Er klopft nun das Anliegen der CSU ab und holt erste Informationen ein. Rechtlich sei alles soweit einwandfrei. Die Sache wird dem Hauptausschuss vorgelegt, der darüber einen Grundsatzbeschluss fällen muss. Das könnte noch in diesem Jahr passieren. Die Entscheidung, ob es das Grabfeld für die Sternenkinder geben wird, wie es zum Beispiel in Fürstenfeldbruck schon vorhanden ist, wird dann auf politischer Seite getroffen.

Auch interessant

Kommentare