Tierliebhaber wollen Strafanzeige stellen

Streit um Vogelpark eskaliert: Verein sieht sich verleumdet

Olching – Der Streit zwischen Vogelpark und Landratsamt eskaliert. Dieter Ernst, Vorsitzender des Vogelliebhabervereins, kündigte nun an, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen im Landratsamt stellen zu wollen – wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung.

Anlass ist eine Pressemitteilung, die die Behörde am Montagabend veröffentlicht hatte. „Das ist Polemik“, sagt Ernst. „Die Mitteilung ist faktisch falsch und dient dazu, uns in der Öffentlichkeit zu diskreditieren.“

In dem Schreiben teilt das Landratsamt mit, der Verein würde seine Klage um den Besatz der Greifvogelanlage nicht zurücknehmen und damit eine außergerichtliche Einigung ablehnen. Außerdem würde der Verein die Zustimmung des Landratsamtes verlangen, zukünftig alle Vogelarten im Vogelpark aufnehmen zu dürfen. Er würde weitreichende Ergänzungen zu den Thüringer Richtlinien fordern.

Auf diese Richtlinien zur artgerechten Haltung hatte man sich Anfang Mai geeinigt. Von Bedingungen sei damals nicht die Rede gewesen, so Ernst. Einen Tag später hätte das Amt sie aber formuliert. Sie lauten: Der Verein nimmt seine Klage zurück und stellt einen neuen Antrag auf Besatz der Greifvogelanlage. Diesen werde das Landratsamt dann erneut prüfen – auf Grundlage der Thüringer Richtlinien. „Man macht Bedingungen, von denen man ganz genau weiß, dass wir sie nicht einhalten können“, empört sich Ernst. Er geht davon aus, dass der erneute Antrag abgelehnt worden wäre – und zwar wieder mit dem Argument der Zuverlässigkeit von Fachwart Sascha Kuchenbaur. Gerichte hätten diese Vorwürfe bezüglich dessen fachlicher Eignung aber bereits widerlegt. Den Vorsitzenden ärgert vor allem, dass in der Pressemitteilung verschwiegen wurde, dass der Kompromiss rückwirkend an Bedingungen geknüpft wurde. „Wir werden jetzt dargestellt, als ob wir keinen Kompromiss wollten.“

„Das war kein Kompromiss“, betont deshalb auch Fee Huber, die Rechtsanwältin des Vogelliebhabervereins. Denn wenn der Verein die Klage zurückgenommen hätte, dann wäre der Ablehnungsbescheid des Landratsamtes rechtskräftig geworden. Sprich: Der Verein könnte keine Tiere in die Greifvogelanlage setzen und müsste warten, bis der neue Antrag geprüft worden ist. „Der Vogelpark wäre erneut dem Prozedere der Prüfung ausgeliefert und das kann dauern“, so die Anwältin. Ein Kompromiss wäre es aus ihrer Sicht gewesen, wenn das Landratsamt die beantragten Tiere erlaubt hätte.

Hinzu käme, dass die Thüringer Richtlinien nur für den neuen Antrag gelten sollten, sagt Huber. Es sei damit nichts für die Zukunft geregelt. Deshalb hätte der Verein gerne ein Kompendium, in dem Richtlinien für die Haltung von Vögeln festgelegt sind. Huber hat einen Vergleichsvorschlag gemacht, in dem sämtliche Vogelgruppen, die es gibt, enthalten sind. „Wir haben das aber nicht gefordert, nur vorgeschlagen“, sagt Ernst. „Das heißt auch nicht, dass wir alle Arten im Vogelpark halten wollen“, betont er. Und Rechtsanwältin Huber ergänzt: „Wir möchten nur ein für alle mal wissen, was der Verein darf.“ Es solle lediglich eine umfassende Regelung bestehen, auf die sich beide Parteien stets beziehen können, damit weitere Unstimmigkeiten vermieden werden.

Der Vogelpark war auch Thema im jüngsten Hauptausschuss des Olchinger Stadtrats. Denn die Stadt unterstützt die Klage des Vogelliebhabervereins finanziell. Andreas Hörl (CSU) wollte wissen, wie der Stand sei. Es wurde kritisiert, dass die Stadt über die neuen Vorschläge des Vereins nicht informiert wurde. „Das Vorgehen beider Seiten ist nicht gut“, so Tomas Bauer (CSU), der bei den Gesprächen zwischen Landratsamt und Vogelpark als Vertreter der Stadt dabei war. Einerseits müsse sich die Stadt nach den Plänen des Vereins erkundigen. Doch auch der Verein müsse die Stadt davon in Kenntnis setzen. In drei Wochen wollen sich Stadt und Verein treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.  

ed/rm

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