Erster verkehrsarmer Samstag in Olching: Kunden vor dem Schreibwarengeschäft
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Stöbern unter freiem Himmel: Das Schreibwarengeschäft Wagner hat sich an der Aktion beteiligt und seine Parkplätze zum Verkaufsareal umfunktioniert. 

Parkplätze gesperrt, Tempo 30

Weniger Autos in Olchings Zentrum: So lief der erste Test

Die Stadt Olching hat am Samstag zum ersten Mal einen Testlauf durchgeführt: Tempo 30 im Zentrum, Parkplätze wurden gesperrt. Die Reaktionen fielen durchwachsen aus.

  • Zum ersten Mal gab es in Olching einen Testlauf für einen Samstag mit weniger Verkehr
  • Im Zentrum war Tempo 30 angeordnet, Parkplätze wurden gesperrt
  • Die Idee: Mehr Aufenthaltsqualiät für Kunden und Gäste im Außenbereich

Olching - Wo normalerweise Autos parken, sitzt der kleine Ingmar auf einer Bierbank und schleckt ein Eis. Seine Mutter Karin Borrmann gefällt die Aktion ganz gut. Sie freut sich über die Sitzmöglichkeit im Schatten: „Das haben wir bisher vermisst, denn an der Eisdiele sitzt man in der prallen Sonne.

Gegenüber präsentiert das Schreibwarengeschäfts Wagner einen Teil des Sortiments auf der Parkbucht vor dem Laden. Christa Trost und ihr Enkel Maximilian sind fündig geworden. Trotzdem ist Trost nicht überzeugt von der Aktion: „Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich hätte mir eine komplett autofreie Hauptstraße gewünscht.“

Das war auch der ursprüngliche Vorschlag der Grünen. „Mein Anliegen ist es, einen Prozess in Gang zu bringen, damit die Hauptstraße von einer reinen Auto-Park-Einkaufsstraße hin zu einem sozialen Begegnungsort und Mittelpunkt werden kann“, sagt Initiator Michael Kircher. Die Verwaltung verwies aber darauf, dass die Hauptverkehrsader Olchings auch die einzig mögliche Verbindung für landwirtschaftliche Fahrzeuge sei. Zudem protestierten Anwohner gegen die Umleitung des Verkehrs über ihre Straße.

Also entschied sich der Stadtrat für eine Light-Version: An zwei Samstagen in diesem Jahr gilt von 9 bis 16 Uhr nur Tempo 30 und einige Parkbuchten sind gesperrt. Maria Weidemann vom „Treffpunkt Wagner“ hält die Aktion für gut: „So haben viele unseren Schulranzenausverkauf mitbekommen. Und bei den Kunden, die heute da waren, ist es gut angekommen.“ Allerdings: Es sei nicht ausreichend bekannt gemacht worden. Auch Irene Melidis ist nur zufällig heute da. „Ich wusste nicht, dass es stattfindet, aber es ist eine schöne Idee.“

Der Rikscha-Service kam gut: Allerdings hätten die Fahrer sich noch mehr Gäste gewünscht. 

Tatsächlich ist trotz des Wochenmarktes am Nöscherplatz kaum etwas auf der Hauptstraße los. Allerdings haben die Temperaturen inzwischen auch die 30-Grad-Marke erreicht – und es sind Sommerferien. Mit Urlaubsfeeling lockt die Bäckerei Rackl. Die zwei Strandkörbe auf dem Gehweg sowie Tische und Bänke in der prallen Sonne bleiben allerdings leer – ebenso wie die Liegestühle der Stadt. „Ich weiß nicht, ob sich jemand dort hinsetzt, wenn direkt daneben die Autos mit 30 Stundenkilometern oder schneller durchfahren“, sagt eine Passantin.

Ausgebremst wird der Verkehr regelmäßig von den fünf Rikschas, die die Stadt kostenlos bereitstellt. Carmen Treiff lässt sich beispielsweise zur Eisdiele chauffieren. „Ich fahre zum ersten Mal im Leben Rikscha und bin total begeistert“, sagt die Germeringerin. Fahrer Thomas Schiedeck ist zufrieden: „Es könnte etwas mehr los sein, aber wir werden als Mobilitätsmöglichkeit wahrgenommen.“

Schatten spendet hier nur der Strandkorb: Stühle und Tische auf der Parkbucht vor der Bäckerei Rackl.

Die Beteiligung der Einzelhändler ist insgesamt eher gering. Vor mehreren Geschäften sind Parkplätze gesperrt. Allerdings nutzt niemand die leeren Flächen. „Wir haben es uns überlegt, aber ich bin heute alleine im Laden und schaffe das nicht noch zusätzlich“, sagt Dominik Montag von „Jech Herrenatelier“. Er hält jedoch sowieso nicht viel von dem ganzen Konzept.

Mit Enkel unterwegs: Christa Trost und Maximilian.

„Es nimmt den Leuten die Parkplätze weg und macht für uns Gewerbetreibende keinen Sinn.“ Auch die Vorsitzenden vom Stadtmarketing, Sandra Pfend-Strobel und Rainer Saalfeld, sind skeptisch. „Der erste Samstag im August ist ein schwieriger Termin, weil viele Leute im Urlaub sind. Und bei der Hitze gehen die meisten lieber an den See“, meint Pfend-Strobel. Saalfeld kritisiert, dass die Einzelhändler nicht genügend eingebunden wurden. „Es hätte mehr Miteinander geben müssen, dann wäre auch mehr herausgekommen.“ Außerdem sei der Vorlauf von nur zwei Wochen für die Planung zu kurz gewesen. Ein wenig mehr Zeit bleibt nun für den zweiten Termin.

Der zweite Testlauf für die Aktion „StadTraum statt Parkraum“ findet am Samstag, 5. September, statt.

Von Andreas Schwarzbauer

Ist es Diebstahl, weggeworfene Lebensmittel aus Supermarkt-Containern mitzunehmen? Nein, finden zwei Studentinnen aus Olching, die dabei erwischt wurden. Nun gibt es ein Urteil.

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