Das Ticket für bedürftige Bürger sollte bereits seit 2017 in Olching angeboten werden.

Olching

Ticket für Arme auf dem Abstellgleis

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In anderen Städten wie Germering sind Sozialtickets längst etabliert, in Olching gestaltet sich die Sache schwierig. Nach einem Testlauf sind die Abos der Isarcard 9 Uhr nicht verlängert worden. Somit ist der Vorstoß der Grünen gescheitert – erneut.

Olching – In der Ferienzeit ist es für viele Familien, die ihren Urlaub zuhause verbringen, selbstverständlich: mal einen Ausflug in den Tierpark Hellabrunn unternehmen oder bei schlechtem Wetter das Museum „Mensch und Natur“ in Nymphenburg besuchen. Schließlich kommt daheim schnell Langeweile auf. Allerdings: Nicht jeder kann sich diese Freizeitgestaltung im teuren München leisten.

Idee kam von den Grünen

Damit zumindest die Kosten für die Fahrt mit der S-Bahn niemandem mit geringen finanziellen Mitteln Sorgenfalten ins Gesicht treiben, haben sich die Olchinger Grünen bereits vor drei Jahren überlegt, ein Sozialticket anzubieten. Im Herbst 2016 stellten sie einen Antrag. Im Haushalt 2017 stand Geld dafür zur Verfügung, wurde aber nicht verwendet, und ein erneuter Antrag 2018 wurde abgelehnt. Es folgte die Initiative des Grünen-Mitglieds Manfred Fratton, der zu Beginn des vergangenen Jahres aus dem Stadtrat ausschied und eine zweckgebundene Spende hinterließ. Mit dieser sollten zwei Jahresabos der Isarcard 9 Uhr (Gesamtnetz) angeschafft werden. Kosten: 1536 Euro. Praktisch für Familien: Hier kann ein Erwachsener bis zu drei Kinder mitnehmen.

Bürokratische Hürden

Doch offensichtlich hatte die Stadtverwaltung einige bürokratische Hindernisse zu überwinden. Erst ein halbes Jahr später lagen die Tickets gegen Vorlage eines Bedürftigkeitsnachweises zur Ausgabe bereit – in der Kanzlei von Rechtsanwalt Fratton. Grünen-Fraktionsvorsitzende Ingrid Jaschke äußerte an dem zähen Prozess immer wieder Kritik, sprach sogar von „unwürdigem Herumlavieren“ von Bürgermeister Andreas Magg (SPD).

Auch in der jüngsten Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses (BSA) blieb sie dabei: „Es war eine ziemlich leidliche Angelegenheit, bis die Spende ihrem Zweck zugeführt wurde.“ Und: Es sei ein sehr „unfeiner Umgang mit Spendengeldern“ gewesen. Jaschke monierte außerdem, dass die Fahrkarte für Bedürftige nicht umfangreich beworben wurde.

Diese Vorwürfe wollte Peter Söllinger, Leiter des städtischen Amtes für soziale Angelegenheiten, nicht auf sich sitzen lassen. „Sobald das Geld eingestellt war, haben wir die Tickets gekauft.“ Und in mehreren Einrichtungen wie Büchereien, Sozialzentrum und auch in Flüchtlingsunterkünften sei auf das Angebot per Aushang hingewiesen worden. Außerdem hätten diverse Medien darüber berichtet.

Kreis von zehn Nutzern

Fratton legte die Bilanz nach einem Jahr Sozialticket kürzlich dem BSA vor. Auch er sprach von Anfangsschwierigkeiten und „unzureichender Bekanntgabe“. Dann sei der Zuspruch aber sehr hoch gewesen. Beide Karten seien in der Regel unter der Woche mindestens an zwei Tagen vergeben, am Wochenende immer. Allerdings sei der Personenkreis, der die Tickets ausleiht, sehr begrenzt. Es handle sich um zehn regelmäßige Nutzer. Der Verwaltungsaufwand für die Kanzlei sei gering und die Rückgabe funktioniere problemlos. Laut Verwaltung entspricht das nicht den Tatsachen: Es sei sehr wohl vorgekommen, dass ein Sozialticket nicht zurückgegeben wurde – allerdings nachdem Fratton seine Bilanz verschickt hatte.

Freiwilliger Versuchsballon

Das Abonnement wurde nicht verlängert, für das Haushaltsjahr 2019 wurden keine entsprechenden Mittel – also 1536 Euro – eingestellt. Michaela Andersch-Steer (SPD) erklärte: „Ich finde es sehr schade, dass das beendet werden soll.“ CSU-Bürgermeisterkandidat Maximilian Gigl warf in den Raum: „Sie hätten Ihre Hausaufgaben machen sollen.“ Sprich: In den Haushaltdebatten die Mittel beantragen. Olchings Geschäftsführer Jürgen Koller nannte den Sozialticket-Test einen „freiwilligen Versuchsballon“. Ob dieser nun erfolgreich gewesen sei, könne man so oder so sehen, wie er anmerkte.

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