Radfahrer der ÖDP bei ihrer Tour.
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Sie starteten von Eichenau: Die ÖDP um Max Keil (r.) und Carmen Greiff (l.) hatte zu einer Tour entlang des Radschnellwegs an der S3 eingeladen

Entlang der Gleise in die Landeshauptstadt

Träumen vom Radschnellweg nach München

Wenn es um die Klimawende geht, dann kommt immer wieder diese Idee zur Sprache: ein Radschnellweg nach München entlang der S-Bahn. Der Gröbenzeller Fahrradaktivist Stefan Plate hat eine Route erarbeitet – inklusive Stelzenbau, Brücken und Tunnel. Bei einer Tour stellte er diese vor.

Olching/Gröbenzell – Stefan Plate wünscht sich einen Radschnellweg entlang der S-Bahnlinie 3 bis nach München. Bereits 2015 hatte es dazu erste Überlegungen gegeben. Allerdings hatte der Landkreis das Projekt – anders als eine Radtrasse entlang der S4 – zurückgestellt. Und so sind Pendler mit dem Fahrrad derzeit auf schmalen Trampelpfaden statt auf einer Radlautobahn unterwegs. Plate, der sich beim ADFC und dem Umweltverband Green City engagiert, ärgert das. „Wenn es einen gut ausgebauten Radschnellweg nach München gäbe, würden viele Leute, die vom täglichen Stau genervt sind, vom Auto auf das Fahrrad umsteigen. Auch der ÖPNV wird entlastet.“ Deshalb hat er selbst eine mögliche Route ausgearbeitet.

Start am Bahnhof in Esting

Der ÖDP-Kreisverband hatte dazu eingeladen, die Strecke bei einer Radtour zu erkunden. Denn: „Im Alltag gewinnt das Radfahren immer mehr an Bedeutung. Jetzt ist es wichtig, auch die Fahrradwege in Richtung Arbeitsstelle, Bahnhof oder zum nächsten Einkaufsmarkt entsprechend auszubauen“, so die ÖDP. Die Tour startet am Estinger Bahnhof. Von dort führt südlich der Bahnlinie ein gemeinsamer Fuß- und Radweg in Richtung Olching.

Um Fußgänger und Radler voneinander zu trennen, schlägt Plate einen Radweg auf Stelzen vor. Eine Alternative wäre ein Weg auf der Nordseite. Allerdings steht dort ein Haus auf der möglichen Trasse. Im weiteren Verlauf seien zwei Fahrradbrücken über die Amper und die Neu-Estinger-Straße sowie den Mühlbach nötig, so Plate. Am Olchinger Bahnhof müsste der Radschnellweg zwischen den Gleisen und dem geplanten Neubaugebiet Paulusgrube in der Bahnhofsmitte verlaufen.

Weil das wegen der Verfügbarkeit der Grundstücke schwierig ist, schlägt die Stadt Olching vor, die Route durch die neue Bebauung zu führen. Doch: „Das ist wegen des regen Fußgängerverkehrs zu gefährlich“, warnt Plate.

Am Ortsrand geht es auf einem immer schmaler werdenden Schotterweg mit zahlreichen Pfützen zum Kleinen Olchinger See. Am Ende fahren die Radler auf einem schlammigen Trampelpfad. „Man müsste mit den Landwirten reden, dass man zwei bis drei Meter für einen vernünftigen Radweg bekommt“, sagt Plate. Die Route führt südlich am Gewässer vorbei direkt an die Bahntrasse. Dort geht erneut ein enger Trampelpfad entlang.

Am Ascherbach will Plate die Bahngleise queren, um auf die Nordseite zu gelangen. Es gibt zwar bereits eine Unterführung, die allerdings nur rund einen Meter hoch ist. Der Fahrradaktivist würde sie gerne ausbauen. „Auf der Nordseite besteht eine gute Möglichkeit, durch Gröbenzell fast bis zum Ortsende zu radeln.“

Teurer Umbau derUnterführung

Im Süden dagegen erwartet die Radler am Bahnhof ein Nadelöhr. ÖDP-Kreisrat Max Keil weiß von einer ähnlichen Unterführung im benachbarten Puchheim. „Der Umbau hätte 5,4 Millionen Euro gekostet. Wir brauchen aber realistische Lösungen“, meint er. Ab dem Gröbenzeller Bahnhof führt die Route auf dem Sonnenweg entlang der Bahnlinie bis hinter das Freizeitheim. „Es ist ein schöner Radweg, auf dem allerdings viel Schülerverkehr unterwegs ist. Das ist ein echtes Problem. Denn mit Schülern zu radeln, macht keinen Spaß“, meint Plate. Er plädiert dafür, den Schnellweg baulich abzutrennen.

Verhandeln über Weg nach Lochhausen

Auf Höhe des Freizeitheims versperrt derzeit ein Zaun vor einem Privatgrundstück die Weiterfahrt. Die Gemeinde verhandle aber gerade mit dem Eigentümer, um eine direkte Verbindung entlang der Bahngleise nach Lochhausen zu erhalten, weiß Plate. Keil begrüßt den Vorstoß von Plate, um dieses große Projekt voranzutreiben.

Weil Plate aber davon ausgeht, dass die Realisierung des Radschnellwegs entlang der S-Bahn mindestens zehn Jahre dauert, meint Keil: „Wir dürfen auch die kleinen Lösungen nicht liegenlassen und müssen erst einmal unkomplizierte Teilstücke umsetzen. Denn wir brauchen schon dieses Jahrzehnt schnelle Radwege.“

Von Andreas Schwarzbauer

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