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Beispielfoto: Erste Fahrradstraße Münchens

Olching

Der Verkehrsreferent warnt: Fahrradstraße bringt neuen Schilderwald

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Radler sollen eine eigene Route quer durch Olching bekommen: Auf der Fahrradstraße haben sie Vorrang und dürfen offiziell nebeneinander fahren. Die Umsetzung birgt aber Probleme: In der jetzigen 30er-Zone bräuchte es 23 neue Schilder. Der Verkehrsreferent sieht darin sogar eine Gefahr.

Olching – Die alternative Route für Fahrradfahrer soll parallel zur Hauptstraße vom Gewerbegebiet im Süden bis hin zum Schwaigfeld-Anger im Norden führen. Die Stadtverwaltung hat nach einem Antrag der Grünen im Juli 2018 mit einer Spezialfirma geprüft, wo Fahrradstraßen möglich sind. Dafür wurde auch die Polizei mit ins Boot geholt.

Das Ergebnis: Der Bypass für Radler ist machbar – wenn auch mit Unterbrechungen. Konkret können Schwojerstraße, Blaumeisenstraße, Goethestraße, Ludwig-Thoma-Straße, Riedlstraße, Cronenbergstraße, Neufeldstraße und Mitterweg zu Fahrradstraßen werden. Allerdings ist das mit Komplikationen verbunden, sobald die Route die jetzige 30er-Zone passiert. Hier müsste man 23 neue Schilder aufstellen. Kosten: knapp 33 000 Euro. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) sagte in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses: „Wir bieten eine echt gute Alternative für Radler an. Aber wir wollen keinen Schilderwald.“

Zum Hintergrund

Das steckt dahinter: Laut Straßenverkehrsordnung kann entweder das Schild „Fahrradstraße“ oder das „30er-Zonen-Schild“ aufgestellt werden – in beiden Fällen ist dieselbe Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern erlaubt. Die Rechts-Vor-Links-Regelung in einer 30er-Zone steht zudem dem Zweck der Fahrradstraße entgegen, wo Radler möglichst flüssig (und auch bevorzugt) durchbrausen sollen. Da in Olchings jetzigen 30er-Zonen aber noch andere Straßen liegen, müsste man hier an den entsprechenden Einmündungen zusätzliche Schilder (Anfang/Ende Tempo-30-Zone) montieren.

„Ein Wahnsinn“

Olchings Verkehrsreferent Hans Bieniek (CSU) nennt das einen Wahnsinn. Man habe eigentlich versucht, den Schilderwald zu lichten. „Jetzt bauen wir das Doppelte oder gar Dreifache in so einem kurzen Bereich wieder auf.“ Er hat noch ein anderes Argument: „Ich befürchte, dass die Beschilderung so undurchsichtig ist, dass es gefährlich wird.“ Bieniek ist dennoch der Einzige in der CSU-Fraktion, der die Fahrradstraße grundsätzlich begrüßt, um mehr Leute auf den Drahtesel zu bringen – nur eben unter anderen Bedingungen.

Ablehnung

Tomas Bauer lehnt das Vorhaben ab: „Es ändert sich nichts, außer die Erlaubnis, nebeneinander herzufahren.“ Maria Hartl bezweifelt die Sinnhaftigkeit ebenso: „Dort, wo die Fahrradstraße wirklich wichtig wäre, an den Staatsstraßen und Kreisstraßen, können wir nichts tun.“ Auf den anderen Straßen habe es laut Polizei bislang gerade einmal einen Unfall gegeben. „Und da war der Schüler selber schuld.“ Hartl überzeugte auch Maggs Ansatz nicht, die Menschen von der Hauptstraße wegzulocken. „Wer dort einkaufen geht, wird trotzdem weiter dorthin radeln.“ Josef Neumaier kritisierte die Scheinsicherheit. „Am gescheit’sten wäre es, alles so zu lassen, wie es ist.“

Mehrheit aber dafür

Die Mehrheit im Ausschuss (es folgt noch der Stadtratsbeschluss) sprach sich jedoch für das Projekt aus – wenngleich der anstehende Schilderwald kritisch beäugt wurde. Ingrid Jaschke (Grüne) bedankte sich, dass aus dem Antrag ihrer Fraktion, nach und nach Fahrradstraßen einzuführen, gleich ein „so großer Wurf“ gemacht wurde. In den Nachbarkommunen mache man laut Jaschke seit Jahren positive Erfahrungen mit Fahrradstraßen.

Ewald Zachmann (Freie Wähler) mahnte die Ausschuss-Mitglieder, altes Denken abzulegen und das Vorhaben im Sinne der Energiewende, auch der lokalen, zu betrachten. „Wir sollten Radler nicht nur unterstützen, sondern bevorzugen.“ In Olching würde es außerdem keine so großen Entfernungen geben, dass man das Auto unbedingt braucht. Der Ausschuss sollte die Einführung der Fahrradstraßen empfehlen. Später könne man immer noch Druck aufbauen, dass sich an der widersinnigen Verordnung etwas ändert.

Mehr Radfahrer als Autos gezählt

Eine Kommune kann eine Fahrradstraße einrichten, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist. Bislang hat die Stadt aufgrund von Witterung und Baustelle nur in der Goethestraße eine repräsentative Verkehrszählung vornehmen können. Gezählt wurden 486 Radler und 152 Kraftfahrzeuge über einen Zeitraum von insgesamt zwölf Stunden an verschiedenen Tagen. Hier wäre die Vorgabe bereits erfüllt. 

Für Verkehrsteilnehmer bedeutet die Fahrradstraße: Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftverkehr (insofern zugelassen) die Geschwindigkeit drosseln. Nebeneinanderfahren von Radlern ist erlaubt. Ansonsten gelten die üblichen Regeln, zum Beispiel bei der Vorfahrt (etwa Rechts-vor-Links), wenn nicht ausdrücklich durch Beschilderung geändert. Wichtig: Radler haben also nicht zwangsläufig Vorfahrt. Die Stadtverwaltung möchte sie den Radlern jedoch an möglichst vielen Knotenpunkten einräumen.

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