Ungewohnte Herausforderung: Kathi Furtmayr vom Gasthof Haderecker liefert ihren Gästen die Schmankerl nun teils bis ins Wohnzimmer. 	Fotos: san
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Ungewohnte Herausforderung: Kathi Furtmayr vom Gasthof Haderecker liefert ihren Gästen die Schmankerl nun teils bis ins Wohnzimmer.

Olching

Vom Tablett an die Lieferbox

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Als Corona kam, musste die Gastronomie sich blitzschnell umstellen. Einige Lokale stellten eigene Lieferdienste auf die Beine.

Olching – Statt das frisch gekochte Essen elegant auf dem Tablett zu servieren, müssen sich viele Bedienungen derzeit mit großen Boxen in kleine Aufzüge quetschen oder über Gartentore klettern. Dafür lernen sie ihre Stammgäste ganz anders kennen.

Weil sie wegen Corona niemanden vor Ort bewirten durften, haben einige Restaurants einen Lieferdienst aufgebaut und Mitarbeiter wurden zu Essenslieferanten. So ging es auch Kathi Furtmayr vom Gasthof „Zum Haderecker“ in Olching.

Seit Jahren kellnert sie dort neben Schule und Studium. Daher kennt sie viele der Stammgäste schon lange. „Es ist schon interessant, zu sehen, wo und wie sie wohnen“, sagt sie lachend. Manche ließen sie bis ins Wohnzimmer, andere ratschten zumindest kurz an der Tür. Doch für längere Gespräche fehlt sowohl den Gästen, deren Gerichte kalt werden, als auch Furtmayr, die die nächste Bestellung abliefern muss, die Zeit.

„Es ist schon eine Umstellung. Mir fehlen die Leute und die Atmosphäre, denn meistens übergebe ich nur kurz das Essen“, sagt sie. Teilweise muss sich Furtmayr mit den großen Essensboxen in viel zu schmale Aufzüge quetschen. Einmal brachte sie die Bestellungen bis an die Türe eines Hauses mit großem Garten. Als sie zum Gartentor zurückkam, war das zugefallen. „Dann bin ich drübergeklettert.“

Auch für Thomas Farkas, Oberkellner in der Villa Romantica am Olchinger See, war der Lieferdienst ungewohnt. „Für mich war es tatsächlich viel anstrengender, so lange Zeit im Auto zu sitzen, als im Restaurant herumzulaufen. Sitzen ist wirklich eine ganz andere Körperbelastung.“ Auch ihm fehlt der Kontakt zu den Gästen. „Es ist viel schwieriger eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen, wenn man nur kurz wie ein Postbote eine Packung abgibt.“

Dennoch ist er froh, dass er etwas zu tun hatte. „Es war super, dass wir nicht einfach abwarten mussten, ob und wann wir wieder öffnen dürfen.“ Auch Farkas hatte einige schöne Erlebnisse. Es passiert immer wieder, dass unsere Stammgäste mir etwas an der Tür anbieten, beispielsweise ein Glas Prosecco.“

Für Xiao Zhan vom King’s Garden in Neu-Esting ist der Lieferdienst schwierig gewesen. „Viele Leute verstehen nicht, dass die Ente nicht so knusprig ist, wenn wir sie liefern.“ Zudem gebe es Stoßzeiten, in denen die meisten Leute bestellten. „Der eine ist in Eichenau, der andere in Gröbenzell und der nächste in Esting. Und alle wollen gleichzeitig, ihr Essen haben.“ Der Lieferdienst sei eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sagt Zhan. „Aber unsere Kernkompetenz ist das Restaurant.“

Alle sind froh, dass sie nun langsam wieder aufmachen dürfen. Der Haderecker (freitags bis sonntags) und die Vila Romantica (dienstags bis sonntags) haben in Coronazeiten zumindest wieder ihre Biergärten geöffnet.

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