Stein des Anstoßes: Die Gründungsversammlung der Blaskapelle des TSV 1860 im Daxerhof mit Dirigent Anton Hörger (stehend. 2.v.r.) und Wirt Peter Helfer (ganz rechts).
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Stein des Anstoßes: Die Gründungsversammlung der Blaskapelle des TSV 1860 im Daxerhof mit Dirigent Anton Hörger (stehend. 2.v.r.) und Wirt Peter Helfer (ganz rechts).

Olching

War Gründung der Löwen-Band Ruhestörung?

  • VonHans Kürzl
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Es war ein denkwürdiges Ereignis: Im Olchinger Daxerhof wurde eine Blaskapelle für den TSV 1860 gegründet. Nun folgte ein denkwürdiges Nachspiel: Weil dabei auch Musik gemacht wurde, soll Wirt Peter Helfer ein Bußgeld zahlen. Doch der Gastronom wehrt sich.

Olching – Für Daxerhof-Wirt Peter Helfer geht es um Brauchtum und Wirtshauskultur. „Dass mal aufg’spuit wird, gehört dazu“, sagt er und hat Mühe ruhig zu bleiben. Denn ihm drohen bis zu 5000 Euro Bußgeld wegen Ruhestörung. Jedenfalls stufen Stadt Olching und Landratsamt die Band-Gründung als solche ein. Helfers Anwalt Ewald Zachmann spricht dagegen von einem Verfolgungseifer der Stadtverwaltung

Für die Blaskapelle, die künftig bei Veranstaltungen der Fußballmannschaft des TSV 1860 spielen soll, konnten sich Interessenten melden. Dirigent ist Anton Hörger aus Schöngeising. Wirt Peter Helfer war früher Vizepräsident der Münchner Löwen. Also trafen sich die Musiker an einem Juliabend im Daxerhof.

Der Dirigent freute sich über die Unterstützung des Wirts. Auch 1860-Vizepräsident Hans Sitzberger kam zur Bandgründung. Zwei Lieder und der Löwenmarsch haben die etwa 20 anwesenden Musiker Hörger ungefähr ab 20.15 Uhr zum Besten gegeben, sagt Hörger. „Wir haben alle darauf geachtet, dass es nicht zu laut wird.“ Die Gäste hätten geklatscht. „Unglaublich peinlich, da von Ruhestörung zu sprechen.“ Anwalt Zachmann stuft die Musik als erlaubtes Spontanständchen ein. „Es kommt häufig vor, dass bei Geburtstagen vor den Häusern der Jubilare solche Ständchen dargebracht werden“, schrieb er ans Landratsamt.

Mehrere Beschwerden

Die Stadt spricht von lauter Musik im Biergarten von 20 bis nach 21 Uhr . „Uns liegen verlässliche Informationen vor“, so Sprecherin Martina Sohn. Das habe man nach mehreren Beschwerden an die zuständige Gaststättenbehörde im Landratsamt weitergegeben. In der Kreisbehörde hat man das zur Kenntnis genommen. Sprecherin Ines Roellecke, teilt aber auch mit: „Ein Ständchen auf öffentlichen Grund wäre unter Umständen für die Nachbarschaft hinzunehmen gewesen. Das kommt auf den Einzelfall an.“ Die Sache werde derzeit geprüft.

Im Biergarten des Daxerhofes hat es in den vergangenen Jahren öfter Musik gegeben: „Ich hatte ein paar Country-Festivals, ein Straßenfest, alles von der Stadt genehmigt“, meint Wirt Peter Helfer. Korrekt, erklärt das Ordnungsamt. Besagte Veranstaltungen habe sich der Wirt auch vorher genehmigen lassen. Die Behörde habe zu der Zeit jedoch nicht gewusst, dass Helfer nie eine grundsätzliche Erlaubnis für Musikveranstaltungen im Daxerhof-Biergarten eingeholt hatte. Zudem habe es mit der Freifläche des Lokal zuletzt auch immer mal wieder anderen Ärger gegeben. So sei die erlaubte Besucherzahl überschritten worden. Weil Corona die Gastronomie aber so gebeutelt habe, habe man bisher ein Auge zugedrückt, sagt Rathaussprecherin Martina Sohn.

Genehmigung beantragt

Mittlerweile haben Wirt und Eigentümer des Daxerhofs eine Genehmigung beantragt, die Musikveranstaltungen abdecken würde. Helfer hofft, zehn pro Jahr erlaubt zu bekommen. Ingeborg Vordermaier, Tochter des Gasthaus-Besitzers begrüßt das. „Der Daxerhof ohne Brauchtum, ohne Kultur, ohne Live-Musik, das geht gar nicht.“ Das mit der Anzeige sei mehr als unfair.

Helfers Laune ist im Keller. Neben Antrag und Rechtsmitteln gegen den Ruhestörungsbescheid will er eine anderen Maßnahme ergreifen. Die Stadt wollte den Daxerhof als Wahllokal für die Bundestagswahl nutzen. „Das kann sie vergessen, i mog nimmer “, sagt der Wirt. Zumal die Rathausverwaltung in der Heinrich-Nicolaus-Straße, der Zufahrt zum Daxerhof, auch noch ein absolutes Halteverbot erlassen hat. „Alles zusammen nur noch Schikane“, schimpft Peter Helfer. Andere Gastronomen würden von den Behörden viel gnädiger behandelt.

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