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Mühselig und aufwendig: Zur Zeit müssen die Klärschlammcontainer noch einzeln transportiert und auch abgeladen werden. Thomas Kraut, Kesselwärter und Betriebselektriker, überwacht den Vorgang.

Amperverband

Weniger Verkehr durch Schlammbunker

Gereinigtes Abwasser ist wichtig für den Wasserkreislauf, hinterlässt aber Schlamm. Den muss der Amperverband verarbeiten. Nun soll eine Schlammbunkeranlage gebaut werden. Dadurch könnte der Lkw-Verkehr reduziert werden.

Geiselbullach – Zehn Mitgliedskommunen in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Starnberg bedient der Amperverband (AV) als Dienstleister für die Abwasserentsorgung. Da kommt eine ganze Menge zusammen: Bei konventioneller Entwässerung entstehen jährlich 11 000 Tonnen Klärschlamm auf der Kläranlage in Geiselbullach.

Doch die Fördertechnik nach der Entwässerung und die auch benötigten Transport-Fahrzeuge sind schwer in die Jahre gekommen, sie sind störanfällig. Zudem wird der Schlamm derzeit in offene Container gefüllt, die sehr schnell an ihre Kapazitätsgrenze stoßen. „Bei langen Wochenenden muss ein Mitarbeiter kommen, um die Container zu entleeren“, erklärt Adam Feigl, als Abwassermeister beim AV für die Schlammentwässerung zuständig.

2018 soll die Schlammbunkeranlage des Amperverbands stehen

Gelagert wird der Klärschlamm in alten Containern. Das stinkt ganz schön. Künftig soll der Schlamm in den zwei neuen Bunkern gelagert werden. Diese fassen eine größere Menge und sind erst nach einer Woche voll.

Nun soll eine Schlammbunkeranlage Abhilfe schaffen. Dafür will der Amperverband rund 650 000 Euro in die Hand nehmen. „Viel Geld, doch die Investition wird sich lohnen“, betont Thomas Mösl, der Geschäftsleiter des Zweckverbandes. Damit überzeugte er auch die Mitgliedskommunen, deren Bürgermeister bei der jüngsten AV-Ausschusssitzung dem Vorhaben einmütig zugestimmt haben.

Durch Bunkeranlage werde die Verarbeitung des Klärschlamms weniger arbeits- und personalintensiv, erklärt Mösl. Bisher müssen die Mitarbeiter – Tomas Kraut, Betriebselektriker und Kesselwärter, sowie Johann Fischer, Facharbeiter und Kesselwärter – die zehn Container mit so genannten Containerabsetzkippern aufnehmen und rund 100 Meter auf dem Gelände zu einer Halle fahren. Hier lagert der entwässerte Klärschlamm, bis er zu einem Kraft- oder Zementwerk transportiert und dort als Brennstoff verwendet wird. Der Geruch erinnert zeitweise an Odel oder einen schlecht durchlüfteten Stall.

Im Sommer nächsten Jahres soll die Schlammbunkeranlage stehen. Dann können auch Feigl, Fischer und Kraut ein wenig durchatmen – und zwar im doppelten Sinn. Mit den zwei neuen Schlammbunkern wird es dann über eine Woche dauern, bis ihre Aufnahmekapazität erreicht ist.

Zudem arbeiten die Schlammbunker in einem geschlossenen System, das außerdem eine direkte Befüllung der Liefer-Lkw möglich macht. „Da fallen zwei Arbeitsschritte weg“, erklärt Feigl einen betriebswirtschaftlichen und arbeitstechnisch gleich wichtigen Aspekt. Zudem sei eine direkte Beförderung des entwässerten Schlamms in einen geschlossenen Lagerbehälter mittlerweile Standard bei der Schlammentwässerung.

Die zu entsorgende Klärschlammmenge kann etwa halbiert werden

Davon merken die Bürger in Bergkirchen (Kreis Dachau) und Geiselbullach noch wenig. Weil aber der Trocknungsgrad des Schlamms ebenfalls gesteigert wird, kann dieser besser komprimiert und die Lkw effektiver beladen werden. Den für die Umgebung spürbaren Effekt, packt Mösl in vier Worte: „Der Lieferverkehr nimmt ab.“ Bis zu 440 Fahrzeuge rollten bisher jährlich mit dem entwässerten Klärschlamm vom Gelände. Nach Fertigstellung der neuen Bunkeranlage im Sommer 2018 sowie in Verbindung einem neuen Verarbeitungsverfahren werden es nach einer Schätzung des AV-Leiters nur noch die Hälfte an LKW-Fahrten und somit auch Entsorgungskosten im Jahr sein. Über den Lieferverkehr, vor allem durch die Schulstraße in Graßfling, wird immer wieder bei Bürgerversammlungen diskutiert.

Bei der Verarbeitung des Klärschlamms setzt der AV auf thermische Hydrolyse, das so genannte SolidStream-Verfahren. Damit kann die zu entsorgende Klärschlammmenge um rund 50 Prozent verringert werden. Dabei kommt der nasse Schlamm nach der Faulung zunächst zur ersten Zentrifuge, die ihn auf 15 Prozent eindickt. Anschließend folgt der Hydrolyse-Prozess, bei dem nach einer Vorerhitzung auf 80 Grad Celsius eine Aufspaltung der Bestandteile im Reaktor mit anschließender Entspannung stattfindet. „Dazu ist bei 160 Grad ein Druck von 6,3 bar notwendig“, erklärt Feigl. Zum Schluss wird der hydrolysierte Schlamm auf etwa 100 Grad Celsius abgekühlt und mit einer speziellen Zentrifuge auf bis zu 40 Prozent Trockenrückstand entwässert.

Diese Art der Klärschlammentwässerung beschert dem Amperverband auch viele Besichtigungsanfragen aus aller Welt – Nordamerika, Europa und Asien. „Das zeigt, wie wichtig das für Betriebe und die Umwelt ist.“ Feigl, seit 26 Jahren beim AmperVerband tätig, ist der Stolz durchaus anzumerken, an der Entwicklung mitgewirkt zu haben. „Auch wenn es für den Bürger draußen nicht so spektakulär ist.

von Hans Kürzl

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