Bauärger in Olching

Wenn der Traum vom eigenen Haus zum Albtraum wird

Der Traum vom eigenen Haus – für Markus Mühl und seine Frau ist er zum Albtraum geworden. Unzählige Mängel haben die Olchinger an ihrem neuen Gebäude festgestellt. Auch die Nachbarn in der Neubausiedlung sind offenbar betroffen. Der Bauträger ist sich aber keiner Schuld bewusst.

Olching – Mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag Ende November 2015 sollte für die junge Familie ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Ein eigenes Haus am Stadtrand, niedrig im Energieverbrauch, mit allen Annehmlichkeiten und einem Atrium-Garten. Mehr als 700 000 Euro haben Markus Mühl und seine Frau  dafür auf den Tisch gelegt. Seit gut einem Jahr wohnt die Familie jetzt in ihrem Haus. Wirklich glücklich ist sie dort aber nicht. Denn das Haus mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche steckt laut Mühl voller Mängel. Zusammen mit dem so genannten Verzugsschaden, der durch den verspäteten Einzug entstanden sei, summieren sie sich auf über 90 000 Euro, sagt Mühl.

Rückblick: Bei der Vertragsunterzeichnung 2015 vereinbaren Mühl und seine Frau, dass sie Ende Juni 2016 einziehen können. „Der Bauträger hat immer wieder gesagt, dass er das schafft“, erinnert sich der 40-Jährige. Doch der Termin platzt. Ein großes Problem. Denn seine Wohnung in Gilching hat das Paar bereits verkauft. Also ziehen Mutter, Vater und Sohn in eine möblierte Wohnung. Doch dort schimmelt es. Also zieht die junge Familie ins Hotel. Erst im Dezember bekommen sie den Schlüssel für ihr neues Eigenheim.

Die Freude wird jedoch schnell getrübt. „Es sind immer neue Mängel aufgetreten“, sagt Mühl. Scharten in der Decke, nicht verputzte Säulen, eine Hebeanlage, wo laut Mühl keine sein sollte, fehlende Innen-Jalousien – die Liste des Familienvaters ist lang. Zudem fehlen nach Angaben der Familie zahlreiche technische Unterlagen.

Immer wieder habe er E-Mails mit den Mängeln samt einer Frist zur Behebung an den Bauträger geschickt, sagt Mühl. „Entweder gab es gar keine Antwort oder die Mängel wurden bestritten“, sagt der Techniker.

Im Juli vergangenen Jahres flatterte der Familie dann die Endrechnung des Bauträgers ins Haus. Für Markus Mühl und seine Frau ein Schock. Rund 70 000 Euro sollten sie noch zahlen. Mittlerweile sind es sogar rund 95 000 Euro. In einem Schreiben vom Anwalt des Unternehmens sei sogar angekündigt worden, womöglich vom Kaufvertrag zurückzutreten. „Für mich ist das Erpressung, man will uns die Existenzgrundlage entziehen“, sagt Mühl.

Jetzt landet der Fall vor Gericht. Der Bauträger hat Klage eingereicht. Und auch Markus Mühl hat Anzeige wegen Erpressung und Betrug erstattet. Die Staatsanwaltschaft will aber kein Ermittlungsverfahren einleiten. Auf Nachfrage wollte sich die zuständige Staatsanwältin nicht dazu äußern.

Beim Münchner Bauträger sieht man die Sachlage allerdings völlig anders. Die Familie wohne schließlich seit über einem Jahr problemlos in dem Haus, erklärt ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage unserer Zeitung. „Seitdem versuchen sie, den Kaufpreis zu drücken.“ Aus Sicht des Bauträgers sind alle Mängel beseitigt. Gegen den Vorwurf, man habe die Familie auf die Straße setzen wollen, wehrt sich die Firma vehement. „Das stimmt nicht.“

Dass es noch zu einer Einigung kommt, glaubt der Sprecher nicht. Der Ton zwischen den Parteien habe sich zu sehr verschärft. „Jetzt müssen wir die Verhandlung im März abwarten.“

Bei „Haus & Grund Bayern“, der Vereinigung der Haus- und Grundbesitzervereine, kennt man derlei Sachverhalte. „Gerade wenn ganze Siedlungen gebaut werden, kommt es immer wieder zu Problemen, sagt die Vorsitzende Ulrike Kirchhoff. Das komme daher, dass Firmen den Zeitplan einhalten wollen, und dann unsauber arbeiten. Die Haus & Grund rät Bauherren, im Zweifel einen Anwalt einzuschalten oder sich an eine Bauherren-Vereinigung zu wenden. Kirchhoff hat aber auch gute Nachrichten: „In vielen Fällen lassen sich die Probleme lösen.“ (Tobias Gehre)

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