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Total kaputt: So sah die S-Bahn nach dem Zusammenstoß mit dem Bagger aus. 

Aus dem Gerichtssaal

Wer ist schuld am S-Bahnunfall in Olching?

Olching/Fürstenfeldbruck - 7. Mai 2014: Auf der S 3 geht nichts mehr. Am frühen Morgen ist die erste S-Bahn auf einer Baustelle in Olching mit einem Bagger kollidiert. Es gab vier Verletzte. Gestern sollte die Schuldfrage geklärt werden – doch es kam anders.

Vor dem Brucker Amtsgericht musste sich der 66-jährige Bauüberwacher verantworten, der in dieser Nacht Dienst hatte. Er war wegen fahrlässigen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen angeklagt. 

Denn bei dem Unfall waren der Lokführer, zwei Arbeiter und der Baggerführer verletzt worden. Letzterer sogar so schwer, dass er seitdem berufsunfähig ist. Der Sachschaden war immens. Der an der S-Bahn bezifferte sich auf rund drei Millionen, der an der Gleisanlage und der Lärmschutzwand auf ein weitere Million Euro.

Der 66-Jährige Angeklagte hatte einen Strafbefehl. Er sollte 7200 Euro zahlen, doch er legte Einspruch ein, deshalb wurde der Fall verhandelt. Im Prozess konnte die Schuldfrage jedoch nicht abschließend geklärt. So wurde das Verfahren gegen den Bauüberwacher eingestellt. Denn offenbar gab es Unklarheiten darüber, ob das betreffende Gleis in dieser Nacht gesperrt gewesen war oder nicht. Und auch darüber, ob es eine entsprechende Mitteilung gegeben hatte.

Anfang Mai 2014 wurden Gleisbauarbeiten zur Erneuerung eine Weichenheizung im Olchinger Bahnhof durchführt. In der Nacht vor dem verheerenden Unfall wurde bereits gearbeitet, beide S-Bahn-Gleise waren dafür zeitweise gesperrt. Doch in der Unfallnacht war nur ein Gleis gesperrt. Der Arbeitseinweiser habe ihm mitgeteilt, dass auf dem zweiten Gleis nicht gearbeitet – sprich dass dieses nicht benötigt – werde, sagte der Angeklagte. Deshalb habe er dem Arbeitseinweiser auch keine Sperrung mitgeteilt. Und ohne seinen ausdrücklichen Hinweis, dass ein Gleis gesperrt sei, dürfe darauf nicht gearbeitet werden.

Dass der Baggerführer Baumaterial über das zweite Gleis – auf dem in diesem Moment die S-Bahn kam – heben würde, um es zwischen Gleis 2 und 3 abzuladen, habe er nicht gewusst und auch nicht gesehen.

Der Arbeitseinweiser bestätigt die Aussage des 66-Jährigen nur teilweise. Er konnte sich nicht erinnern, dem Angeklagten gesagt zu haben, dass das Gleis nicht benötigt werde. Er konnte sich aber auch nicht daran erinnern, dass dieser ihm die Sperrung mitgeteilt hat. „Vermutlich gingen die Arbeiter davon aus, dass das Gleis gesperrt ist“, räumte er ein.

An diesem Punkt unterbrach der Richter die Verhandlung. Für ihn stand fest: „Es ist offensichtlich geschlampt worden.“ Das Verfahren wurde eingestellt. 23 Zeugen und ein Gutachter wurden nicht mehr gehört. Der Richter legte dem Angeklagten auf, 4000 Euro an den Baggerführer zu bezahlen. (sus)

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