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Mitten im Regenwald, jenseits der Zivilisation: Pfarrer Josef Aicher (Mitte) setzt sich seit 40 Jahren für die Menschen in Yaloya ein – mit Helfern aus Olching. 

40 Jahre Partnerschaft mit Yaloya

Wie ein Hilfsprojekt von weltweiter Bedeutung in Olching entstand

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Seit fast einem halben Jahrhundert besteht die Partnerschaft zwischen Olching und Yaloya im Kongo, Zentralafrika. Daraus ist ein Hilfsprojekt entstanden, das global Beachtung findet.  

Olching – Es war ein banales Problem, das den Beginn einer Mission erschwerte, die die Welt verändern sollte. „Ich hatte furchtbare Rückenschmerzen“, erzählt Pfarrer Josef Aicher. Offenbar hatte er sich beim Heben eines schweren Koffers das Kreuz verrissen. Auf jeden Fall fiel er vier Monate aus. Seine Reise in den Kongo musste der Kaplan der Pfarrei St. Peter und Paul verschieben. Kurz zumindest.

Danach startete der Missionar durch: Er rief in Yaloya – mitten im Regenwald – in einer der ärmsten Regionen der Welt, ein Hilfsprojekt ins Leben, das heute, 40 Jahre später, als Leuchtturmprojekt gehandelt wird. Und in das gefühlt die ganze Stadt einbezogen ist – trotz über 6000 Kilometer Distanz.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt: Pfarrer Aicher mit (v.l.) Kolpingsvorsitzendem Maximilan Gigl, Simon Koppes und Bürgermeister Magg.

Das wurde beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Partnerschaft in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach deutlich, zu dem der 86-Jährige angereist war. „Die Olchinger haben mich nie vergessen“, betonte der Bundesverdienstkreuzträger und letzte lebende Ehrenbürger der Stadt. Trotz Bürgerkrieg und mangelnder Transportwege: Die Unterstützung kam immer an. Die Kolpingsfamilie, der Pfarrer-Aicher-Kreis, in dem sich auch der mittlerweile verstorbene Charlie Schwojer engagierte, baute Brücken zwischen den Kontinenten.

Bei einer Malaria-Epidemie starben hunderte Kinder

Auch das Rathaus beteiligte sich. 2014 erreichte Bürgermeister Andreas Magg (SPD) ein Hilferuf aus dem Kongo. Hunderte Kinder starben bei einer Malaria-Epidemie. Moskitonetze wurden dringend benötigt. „Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagte Magg. Als Vater zweier Töchter sei ihm das Schicksal sehr nah gegangen.

Mit der Kolpingfamilie wurde ein Benefizkonzert veranstaltet. Es kamen um die 12 000 Euro zusammen. „Eine überwältigende Welle der Solidarität.“ Auch die Olchinger können laut Magg stolz auf das Erreichte sein – aktuell den Bau einer Krankenstation oder das Retten eines Regenwald-Areals vor dem Abholzen, das so groß ist wie der Landkreis. Pfarrer Aicher hat mit Recof die weltweit größte Regenwaldschutzorganisation ihrer Art ins Leben gerufen.

Pfarrer Aicher als Vorbild für eine ganze Generation

An Lob wurde nicht gespart. „Wie man die Herausforderungen in dieser Welt meistert? Man schaut nach Olching.“ So lautete der Tenor einer Videobotschaft, die Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) schickte, der kurzfristig absagen musste. Er begleite diese „herausragende Partnerschaft“ schon lange. Stellvertretend für das Ministerium sprach Simon Koppers, Referatsleiter für Zentralafrika.

Lesen Sie auch: Weltgrößter Algenteppich reicht von Afrika bis Mexiko

Olchinger Flagge weht jetzt an der Krankenstation in Yaloya.

 Er glich die Errungenschaften des Projektes mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen ab. Zum Beispiel der Punkt Bildung: Schulen wurden eingerichtet, die Lehrer bezahlte Pfarrer Aicher mit seinem eigenen Gehalt. Oder Infrastruktur: Eine Frischwasser-Versorgung wurde aufgebaut und auch eine Abwasser-Beseitigung. Die Partnerschaft sei ein beispielhaftes Vorbild, wenn es um die gelebte Hilfe zur Selbsthilfe geht. Bürgermeister Magg hatte die Initiative als kleines, aber bedeutendes Puzzleteil im globalen Ganzen bezeichnet. Koppers setzte noch einen drauf: „Es ist ein großes Puzzleteil.“

Der Motor ist Pfarrer Aicher. Ein „Vorbild für eine ganze Generation“, nannte ihn Kolpingsvorsitzender Maximilian Gigl, der den Rede-Reigen schloss. Er richtete einen Appell an alle: Auch in Zukunft braucht es engagierte Olchinger, damit der Leuchtturm weiter strahlt.

Infoveranstaltung

Eine Infoveranstaltung findet heute um 19 Uhr im Kolpingheim, Wolfstraße 9, statt. Es berichten Pfarrer Josef Aicher und Entwicklungshelfer Peter Kiefer.

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