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Jubiläum

Zum Haderecker – ein Wirtshaus wie gemalt

Die Gast- und Tafernwirtschaft Zum Haderecker ist ein bayerisches Wirtshaus wie aus dem Bilderbuch. Seit Jahrzehnten kommen die Gäste deshalb ins Graßlfinger Moos. Wirt Ernst Sirtl freut sich: „Wir haben zu 80 Prozent Stammkunden, die uns seit vielen Jahren die Treue halten.“ Seit 120 Jahren geht das nun schon so.

Olching – Haderecker-Wirt Ernst Sirtl baut nicht nur auf seine Gäste, sondern auch auf den Rückhalt in seiner Familie: Seine Ehefrau Monika packt genauso tatkräftig mit an, wie die fünf Töchter Yvonne, Franziska, Johanna, Magdalena und Sophia. Und auch Neffe und Koch Armin Sirtl weiß, worauf es im täglichen Wirtshausbetrieb ankommt. Eine der Töchter, Franziska Sirtl, hat die Wirtschaft „Zum Haderecker“ eh längst weit über die Landkreisgrenzen berühmt – fast schon prominent – gemacht. Sie wurde 2009 zur ersten Bayerischen Bierkönigin gewählt.

Dieser Ruhm ist den Wirtsleuten nicht zu Kopfe gestiegen: „Unsere Gäste schätzen nicht nur unser gutes Essen, sondern auch die Herzlichkeit und das Persönliche“, sagt Ernst Sirtl. Zwar steht er meistens vor dampfenden Kochtöpfen, dreht Knödel, rührt und würzt das Blaukraut oder schaut im Bratrohr nach dem Rechten und ob’s Krusterl auch schön kross wird. „Aber sobald die Stoßzeit rum ist, geh’ ich gern zu den Gästen an die Tische und frag nach, ob alles passt“, sagt der Wirt. Dabei ist er offen für Kritik: „Eine Reklamation wird bei uns ernst genommen.“ Neben ihm und seiner Familie sorgen elf Mitarbeiter und 35 Aushilfen dafür, dass möglichst keine Wünsche offen bleiben.

Die Stammtischler Heinz Mederer, Franz Marienfeld, Johann Maur, Reinhard Anzenberger und Helmut Rauch treffen sich jeden Donnerstag beim Haderecker im Graßlfinger Moos. Dabei sind sie gar keine aktuellen Bewohner dieses doch recht speziellen Landstrichs – da wo früher noch Torf gestochen wurde und sich eher bloß Hase und Fuchs Gute Nacht sagten.

Ex-Mösler Franz Marienfeld aus Neu-Esting erzählt: „Dem Sirtl Ernst seine Mutter, die Rosa, die hat sich seinerzeit dafür eingesetzt, dass ich eine Baugenehmigung im Moos bekommen hab. Dafür ist sie extra ins Brucker Bauamt reinmarschiert und dann durfte ich mein Häusl bauen.“ Aber er komme ja beileibe nicht nur deswegen auch heute noch gerne zum Haderecker, sondern: „Weil das hier einfach ein bodenständiges und ehrliches Wirtshaus ist und über die Jahre hin ist der Haderecker eh zu meinem zweiten Zuhause geworden“, sagt der 80-Jährige.

Der Jüngste der Runde, Reinhard Anzenberger (62), sagt: „Ich bin hier seit 40 Jahren Gast und mit dem Armin Sirtl war ich sogar schon im Urlaub.“ Darüber hinaus freut er sich über die gute Bayerische Küche und „dass das Preis-Leistungsverhältnis hier einfach stimmt“.

Stammtischbruder Helmut Rauch kommt nicht nur als Gast, sondern regelmäßig auch beruflich zur Wirtschaft ins Graßlfinger Moos: „Wir beliefern den Sirtl schon seit 1965 mit Obst und Gemüse.“

Derweil ist Reinhard Anzenberger dafür zuständig, dass es im Außenbereich immer einen trockenen Unterschlupf gibt: „Bei Feierlichkeiten oder größeren Veranstaltungen sorge ich mit meinem Zeltverleih dafür, dass es keinem der Gäste nass nei geht.“

Deswegen ist auch die 120-Jahrfeier, welche die Sirtls demnächst für geladene Gäste ausrichten, längst in trockenen Tüchern. „Dass es unsere Wirtschaft seit 120 Jahren gibt, ist schon ein guter Grund zum Feiern“, sagt Ernst Sirtl.

In der Gaststube, im Nebenraum und draußen im Biergarten will er für seine Lieferanten und Gäste ein großes Fest ausrichten. Mit kulturellen Höhepunkten, einer recht persönlichen Ansprache zur Geschichte des Hadereckers im Moos und mit einem Drei-Gänge-Menü. Weil eines liegt Ernst Sirtl als Wirt des Hadereckers halt einfach am Herzen: „Dass sich unsere Gäste bei uns wohlfühlen.“

Zur Geschichte der Wirtschaft

Der erste Grundbucheintrag als „Wirtshaus im Graßlfinger Moos, Gastwirt Andreas Haderecker“ datiert auf den 11. März 1897 und gilt als das Entstehungsdatum der heutigen „Gast- und Tafernwirtschaft zum Haderecker“. 

Tafernwirtschaften durften große Familienfeiern ausrichten und dabei warm aufkochen – ein Privileg, das nicht jedes Gasthaus zu dieser Zeit hatte. Tafernwirten war erlaubt, für den eigenen Betrieb zu schlachten und Würste und gekochtes Fleisch anzubieten. „Bei uns werden nach wie vor Leber- und Blutwürste und der Presssack wie früher hergestellt“, sagt Wirt Ernst Sirtl. 

Nach dem Tod von Andreas Haderecker (1929) führte dessen zweite Ehefrau Magdalena die Gast- und Tafernwirtschaft weiter. Wegen reger Bautätigkeit in den Nachbargemeinden und der dadurch verursachten Grundwasserabsenkung kam Luft an die rund 100 Eichenstämme, auf denen das Anwesen errichtet war. 

Es musste schließlich abgerissen werden. Die neuen Wirtsleute Andreas und Rosa Sirtl (geborene Haderecker) konnten im Jahr 1950 die Wirtschaftskonzession erwerben und mit sechs Kindern den Gastbetrieb im neuen Anwesen wieder aufnehmen. Nach dem Tod der Mutter übernahm deren jüngster Sohn Ernst Sirtl mit seiner Frau Monika die Tafernwirtschaft im Graßlfinger Moos. Längst packen auch deren fünf Töchter fleißig mit an – die Zukunft des Hadereckers ist in trockenen Tüchern. (akk)

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