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125 Jahre Gasthaus Haderecker: Die Wirtshaus-Schwestern laden zum Ball

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Von: Peter Loder

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Leere Krüge gibt es nur auf dem Foto: Die fünf Haderecker-Schwestern (v.l.) Franziska, Sophia, Johanna, Yvonne und Magdalena.	foto: PRIVAT
Leere Krüge gibt es nur auf dem Foto: Die fünf Haderecker-Schwestern (v.l.) Franziska, Sophia, Johanna, Yvonne und Magdalena. © Privat

Das Original ist weltberühmt: der Kocherlball im Englischen Garten. Die Familie Sirtl lädt nun zu einem Kiacherlball im Graßlfinger Moos ein. Auch hier wird getanzt und geschmaust, ganz standesgemäß zum 125-jährigen Bestehen des Gasthauses Haderecker.

Graßlfing – 125 Jahre Wirtshaustradition kann gepflegt an einem Tag gefeiert werden. Die Wirtsfamilie Sirtl mit Vater Ernst (69), Mutter Monika (67) und fünf Töchtern hat ein standesgemäßes Jubiläum geplant. Angelehnt an den Münchner Kocherlball gestalten sie das Gründungsfest am Sonntag, 3. Juli, als Kiacherlball.

Zum Haderecker und die Holunder-Schmankerl

Hinter den Kiacherln stecken die Holunder-Schmankerl, die eine Spezialität von Tochter Johanna Eulenlehner sind. Während diese serviert werden, leitet auf der Bühne Katharina Mayer die Tanzeinlagen. Für die 45-Jährige ist es die Generalprobe für die zwei Wochen später stattfindende Veranstaltung im Englischen Garten. In der Landeshauptstadt heißt es, sehr früh aufstehen: um 6 Uhr. Beim Haderecker im Graßlfinger Moos ist es gemütlicher. Um 10 Uhr geht es los, bis in die Abendstunden hinein, mit Büfffet, niederbayerischem Musikantenstammtisch, Goaßlschnalzern und der Trachtenjugend. Alle Gäste sind eingeladen, die lange Geschichte der beliebten Wirtschaft zu feiern.

Erstmals erwähnt wurde die „Gast- und Tafernwirtschaft zum Haderecker“ mit einem Grundbucheintrag am 11. März 1897. Namensgeber war der 1929 verstorbene Andreas Haderecker, dessen erste Frau Theres mit dem berühmten Räuber Kneissl verwandt war. Seine zweite Frau Magdalena führte das Geschäft weiter. 1935 verkaufte sie das Anwesen an ihre Schwester Rosa und deren Mann Andreas Sirtl.

Kult-Wirte: Ernst Sirtl mit Ehefrau Monika.
Kult-Wirte: Ernst Sirtl mit Ehefrau Monika. © Privat

Allerdings war das Haus in einem desolaten Zustand und musste abgerissen werden. Die Kasse war klamm, fast wäre ein Neubau daran gescheitert. Als Retter in der Not erwies sich der Besitzer der Dachauer Brauerei, Kurt Ziegler, der 1000 Mark investierte und im Gegenzug sein Bier ausschenken durfte.

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Noch immer ist das dort gebraute, aber immer rarer werdende Ludwig-Thoma-Bier der Renner. Heinrich Raster (66) gilt am Stammtisch als der Experte für das halbdunkle Märzen. Seit 35 Jahren ist der selbstständige Tiefbau-Unternehmer Stammgast. „Es is einfach guad und gmiatlich.“ Alternativ gibt’s Spaten, Franziskaner, Löwenbräu und Traunsteiner Hofbräuhaus-Bier.

Zum Haderecker: Der Große Umbau

Raster und die meisten seiner Stammtisch-Spezln waren noch nicht auf der Welt, als die Familie Sirtl 1950 die Wirtshauskonzession erwarb. Nach dem Tod der Mutter 1982 übernahm das jüngste der sieben Kinder, Ernst Sirtl, mit seiner Frau Monika die Wirtschaft. Im Laufe der Zeit wurde viel gewerkelt. Nach dem großen Umbau im Jahr 2000, bei dem zwei neue Nebenräume entstanden, ist das Lokal wieder ein kleines Schmuckstück geworden.

Das Paar hat fünf Töchter, die von Kindesbeinen an mithalfen. Tochter Franziska, die mit dem frischgebackenen Box-Europameister Michael Manzau (53) verheiratet ist, hatte 2009 für Schlagzeilen gesorgt, als sie zu Bayerns erster Bierkönigin gekürt wurde. Darauf wird die 40-Jährige noch immer angesprochen.

In der Küche arbeiten beide Generationen Hand in Hand: Seniorchef Ernst Sirtl und Tochter Johanna Eulenlehner (35) stehen am Herd. Yvonne (45) und Franziska kümmern sich ums Geschäftliche. Sofia (25) und Magdalena (27), sind in anderen Branchen beschäftigt, packen aber mit an. Vor allem wenn so eine besondere Veranstaltung ansteht wie der Kiacherlball zum Jubiläum am Sonntag.

Zum Haderecker eine Tafernwirtschaft – was bedeutet das eigentlich?

Tafernwirtschaften durften früher große Familienfeiern ausrichten und warm aufkochen – ein Privileg, das nicht jedes Gasthaus zu dieser Zeit hatte. Ihnen war es außerdem erlaubt, für den eigenen Betrieb zu schlachten und Würste sowie gekochtes Fleisch anzubieten. „Bei uns werden nach wie vor Leber- und Blutwürste und der Presssack wie früher hergestellt“, sagt Ernst Sirtl. Zuständig ist Cousin Günter Sirtl, der neuerdings das Olchinger Kolpinghaus bewirtschaftet. Als Spezialitäten beim Haderecker gelten unter anderem der Schweinsbraten und das Saure Lüngerl. lo

Karten

gibt es beim Gasthaus Haderecker. Weitere Infos online auf www.zumhaderecker.de.

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