Pläne liegen öffentlich aus

Zwei Varianten für Olchings neue Mitte

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Die Olchinger Bürger können nun deutlicher erahnen, wie die Bahnhofsgegend im Zentrum einmal aussehen könnte. Bei einem Informationsabend bekamen sie zwei Varianten des Jahrhundertprojekts präsentiert. Spannend wird noch die Rolle der Bahn.

Das zweite konzept.

Olching – Das ist Bürgerbeteiligung hautnah. Eine Anwohnerin des Areals an der Paulusgrube war entrüstet, als sie die Pläne beim Informationsabend der Stadt in der Aula der Grundschule zu Gesicht bekam. „Da führt ein Weg über meine Terrasse. Haben Sie das überhaupt gesehen?“, fragte sie Bürgermeister Andreas Magg (SPD), nachdem dieser die Diskussion eröffnet hatte. Magg betonte sofort: „Wir kennen uns schon ein Stück weit aus, das können Sie mir glauben.“ Es handele sich hier um ein städteplanerisches Konzept. In diesem Fall könne ein Weg über Privatgrund laufen, muss aber nicht, wenn der Eigentümer das nicht will.

Diese Szene ist ein gutes Beispiel für etwas, das der Bürgermeister gegenüber etwa hundert Besuchern immer wieder betonte: Die öffentlich zugänglichen Pläne zeigen eine mögliche Zukunft für das riesige Areal zwischen Mühlbach und Blumenstraße, zwischen kleiner und großer Unterführung, auf. Sie unterliegen aber immer noch einem laufenden Prozess, in dem eben auch die Bürger mitmischen sollen. Details auf den dreidimensionalen Visualisierungen wie die Fassaden oder auch der Schriftzug „Olching Mall“ dienen erst einmal nur der Veranschaulichung. „Mir war das wichtig, weil sich die Menschen das so besser vorstellen können“, erklärte Magg. Immerhin ist die Sache recht komplex.

Seit langer Zeit ist die Entwicklung der Paulusgrube ein Thema, einen Bebauungsplan gibt es seit 1991. Der erste Schritt ist längst getan, die Grundstücke wurden der Bahn abgekauft – nur das Bahnhofsgebäude (laut Magg ein „Schandfleck“) und ein Teilbereich gehört ihr noch. Ein Knackpunkt, auf den die Stadt mit einer Alternativplanung reagiert.

Das ist dieerste Variante

Der Augsburger Architekt und Stadtplaner Stefan Strohmayr stellte zunächst die erste Variante vor, die bereits bekannt ist, aber noch verändert wurde. Bei dieser soll das alte Bahnhofsgebäude einem Turm samt Einkaufspassage weichen. An den Turm schließen sich weitere Gebäude an, in denen Firmen, Praxen, aber etwa auch ein Kino unterkommen könnten, berichtet Strohmayr. Ein architektonischer Kniff ist ein begrünter „Deckel“, wie ihn Strohmayr nennt, auf Höhe des ersten Stocks, der die Elemente miteinander verbindet. Dahinter sollen Wohnungen entstehen für 250 Bewohner. Eine Lärmschutz-Anlage ist entlang der Bahnlinie geplant.

In diesem Modell ist die Lage der Bahnhofstraße, die zu einer Einbahnstraße werden soll, an die Rückseite von Kindergarten, Kolpingheim und Kirche verschwenkt. Das Ziel ist, und das ist der Hauptunterschied zu der anderen Variante, dass der Verkehr verstärkt unterirdisch abläuft – und damit die Aufenthaltsqualität an der Bahnhofstraße erhöht wird. Kunden der Geschäfte sollen im vorderen Bereich der Straße in eine Tiefgarage fahren. Autofahrer, die jemanden an den Bahnhof bringen (sogenanntes „Kiss and Ride“), nutzen eine Art unterirdische Schleife. Die im Untergeschoss Abgesetzten gehen dann über eine Treppe zum Bahnsteig. Ausschließlich oberirdisch sollen nur Busse und Lieferverkehr die Bahnhofstraße entlang fahren, so der Plan. Für Radlfahrer gibt es ebenfalls unterirdische Stellplätze, die von der Hauptstraße zu erreichen sind. Eine Grünbrücke soll das Areal am Mühlbach (ehemalige Bahnmeisterei), für das Parkplätze unter einer Grünfläche vorgesehen sind, mit der neuen Bahnhofsmitte verbinden. Das ist beiden Varianten gemeinsam. Laut Bürgermeister Magg war dies eines der Ziele bei dem Projekt – wie der Gedanke, die Attraktivität als Einkaufsstadt zu erhöhen und zu erhalten. Allerdings betonte Magg erneut: „Es sollen keine zweiten Pasing-Arcaden in Olching werden.“

Die Planung wurde so ähnlich bereits bei dem ersten Informationsabend der Bürger im Juni im KOM vorgestellt. Nach den Anregungen der Bürger habe sich aber noch etwas geändert. Ein bestehender Fußweg sowie eine 200 Jahre alte Kastanie bleiben so erhalten, dafür wurde die Tiefgarageneinfahrt versetzt. Auf deren abgeschirmter Rückseite soll ein Spielhügel für den Kindergarten gestaltet werden. Damit wird die Kindertagesstätte ins neue Viertel integriert. Außerdem hat sich die Stadt den Befürchtungen der Anlieger an der Jahnstraße und der Schillerstraße angenommen, dass sich der Verkehr deutlich erhöhen könnte. Durch bauliche Maßnahmen soll die Durchfahrt unattraktiver gestaltet werden beziehungsweise sollen die Häuser besser abgeschirmt werden. Zudem laufe derzeit laut Bürgermeister Magg ein Verkehrsgutachten. Die Zahlen würden vorliegen, bevor man eine Entscheidung treffe.

Das ist diealternative Planung

Die Zusammenarbeit mit der Bahn gestaltet sich laut Bürgermeister Andreas Magg als „nicht einfach“. Immer wieder stünden bürokratische Hürden im Weg. Die Stadt hat sich eine Alternativplanung ausgedacht. Hierbei bleibt das alte Bahnhofsgebäude bestehen. Ebenso wird die Bahnhofstraße so belassen, wie sie jetzt ist, der Verkehr läuft oberirdisch. Statt Tiefgarage gibt es ein Parkhaus, Busse müssen wenden. Gegenüber des Bahnhofes würde ein „Zick-Zack-Gebäude“ gebaut werden, das mit Innenhöfen zum Verweilen einladen soll. Die Höfe sollen durch Durchgänge verbunden sein. Dahinter sollen Wohnungen entstehen.

Das ist der weiterePlan für das Projekt

Die Pläne liegen noch bis zum 30. April im Foyer des Rathauses, Rebhuhnstraße 18, öffentlich aus. Geöffnet ist am Montag, Mittwoch, Freitag, 8 bis 12.30 Uhr, Dienstag, 14 bis 16.30 Uhr sowie Donnerstag, 14 bis 18.30 Uhr. Verfügbar sind die Entwürfe auch im Internet auf der Seite www.olching.de unter dem Punkt Bauleitplanung. Während der Auslegungsfrist kann jedermann eine Stellungnahme zur Planung abgeben. Bürgermeister Andreas Magg ist, was den Zeitplan des Bauvorhabens angeht, zuversichtlich, dass in den kommenden zwei Jahren bereits die Bagger anrollen. Dann wird die Paulusgrube zur Baugrube.

Erste Reaktionen

Noch bevor der Informationsabend stattfand, schickten die Freien Wähler in Olching eine Pressemitteilung heraus. Von der Absicht, einen Mix öffentlicher und privater Dienstleistungen für Jung und Alt zu realisieren, sei bei den aktuellen Entwürfen nicht viel übrig geblieben, heißt es. Kein Rathaus, keine Bibliothek. Dafür viel Gewerbeflächen, Einkaufsmarkt und nicht definierter Wohnungsbau. Auch bei der Diskussion in der Grundschule sagte Bürgermeister Andreas Magg, dass Rathaus und Bücherei nicht an diesem Standort geplant seien. Bei den Bürgern, die sich zu Wort meldeten, fielen die Reaktionen weitaus weniger negativ aus. „Ein Lob an den Städteplaner“, äußerte jemand. Bei der Alternativplanung sei ein Fortschritt zu bemerken, hier sei man auf die Wünsche der Bürger eingegangen. Von „pfiffigen Ideen“ bei der ersten Variante sprach eine Zuhörerin, bevorzugte allerdings auch eher die zweite Variante. Diese schien doch ein wenig mehr Befürworter an diesem Abend zu haben als die erste, erntete sogar einmal Beifall. Laut Bürgermeister Andreas Magg seien beide Alternativen völlig gleichberechtigt zu betrachten. Magg nahm den Anwesenden auch die Sorge vor einem allmächtigen Investor im Hintergrund: Den würde es bei dem Projekt nicht geben. Er müsse sich daran halten, was die Stadt festlegt. Ein Schwaigfeld-Anwohner wies darauf hin, dass man die kleine Unterführung („Das ist ein Nadelöhr“) auch zu einem richtigen Zugang zum Gleis umbauen sollte – mit Abstellflächen für Fahrräder. So sei der Bahnsteig für Pendler aus dieser Richtung schneller zu erreichen. Die Pendler bräuchten auch keine Fahrkarten kaufen, weil sie ohnehin Monatskarten hätten.

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