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Die aktuelle Asylproblematik wollen die Olchinger Wagenbauer lieber nciht aufgreifen. Im vergangenen Jahr war man noch mutiger: Die Haberfeldtreiber kommentierten die Politik der Kanzlerin vor dem Hintergrund der Syrien-Krise, der Asylpolitik und Pegida.

Faschingszug-Teilnehmer lassen lieber die Finger davon

Beim Thema Asyl hört die Gaudi auf

Olching - Bei Faschingsumzügen sind die Teilnehmer das Salz in der Suppe, die sich auf lustige Art und Weise mit politischen Themen auseinandersetzen. Doch taugt jede Angelegenheit zum Faschingsscherz? Beim Thema Asyl sind sich die Narren in Olching einig: „Da lassen wir die Finger davon.“

„Wir machen, was Themen betrifft, keinerlei Vorgaben“, stellt Johann Krämer klar: „Bei uns darf grundsätzlich jeder machen, was er will.“ Der langjährige Vorsitzende des örtlichen Faschingszug-Komitees will seinen Zugteilnehmern nicht vorschreiben, über was sie sich lustig machen dürfen und über was nicht. Schließlich gebe es hierzulande ein kostbares Gut: die Meinungsfreiheit. Auch beim Thema Asylpolitik sieht Krämer keinen Handlungsbedarf für ein Verbot: „Solange etwas lustig und friedvoll dargestellt wird, sehe ich keine Probleme.“

Natürlich gebe es Grenzen des guten Geschmacks, betont der Komitee-Chef. Aber in seiner Zeit als Vorsitzender sei noch nie ein Teilnehmer wegen des Themas, mit dem er sich auseinandergesetzt hat, abgewiesen worden. Sollte tatsächlich einmal jemand etwas so Geschmackloses darbieten, dass man das nicht tolerieren könne, werde derjenige mithilfe der Polizei vom Platz verwiesen. Man nehme ja auch wegen der diversen technischen Vorgaben, zum Beispiel vom Landratsamt, vor dem Start des Gaudiwurms alle Wagen und Gruppen unter die Lupe.

Genau unter die Lupe genommen haben die Faschingsfreunde Spechtranch vom TSV Geiselbullach die Inhalte und Motive, die man für den Faschingszug aufbereiten kann. „An allen Stammtischen wird derzeit über die Asylpolitik diskutiert. Natürlich haben wir uns darüber Gedanken gemacht, ob wir dieses Thema aufgreifen wollen“, erzählt Mitorganisator Thomas Seehaus.

Man habe sich letztendlich von dieser Sache distanziert, weil man befürchten müsse, dass so etwas in manchen Teilen der Bevölkerung nicht so gut ankommt. „Der Fasching ist ein deutsches Kulturgut, und jeder soll seinen Spaß haben“, betont Seehaus. Aber bei manchen Dingen höre eben der Spaß auf. Und bei diesem sensiblen Thema brauche man ein besonderes Fingerspitzengefühl. „Schließlich ist die Stimmung im Land schon angespannt.“

Ähnlich sieht es auch Florian Waltl, der beim Schützenverein Frisch auf Graßlfing für den Faschingswagen zuständig ist. „Natürlich haben wir uns auch überlegt, ob wir die Themen Asylpolitik, Flüchtlinge, Einwanderung oder sogar die Terroranschläge aufgreifen sollen“, erzählt er. Aber weil das so heikle Themen sind, habe man sich letztlich entschlossen, die Finger davon zu lassen.

Es sei kein Problem, einmal einen Politiker durch den Kakao zu ziehen oder sich über kommunalpolitische Dinge lustig zu machen. Aber das Thema Asyl sei für so etwas zu ernst. „Die Menschen wollen im Fasching ein paar Halbe trinken und Spaß haben“, sagt Waltl.

Auch die Mitglieder der Faschingsgruppe der Motorsportfreunde Olching halten das Thema Asylpolitik für fehl am Platz beim Faschingsumzug. „Hier geht es um ein politisches und gesellschaftliches Problem, das alles andere als lustig ist“, betont der Leiter der Faschingsgruppe, Heinz Soir. Er verweist darauf, dass in der Bevölkerung oft zwischen den echten Hilfesuchenden, zum Beispiel aus Syrien, und anderen Asylbewerbern unterschieden wird. Nehme man nun die Asylpolitik der Bundesregierung aufs Korn, werde man der Not der echten Flüchtlinge nicht gerecht.

Beim Burschenverein Esting hat man sich auch die Frage gestellt, wie man ein solch sensibles und polarisierendes Thema beim Faschingszug so rüberbringt, dass es wirklich jeder lustig findet – und keine Antwort darauf gefunden. „Wir haben dann relativ schnell ausgeschlossen, dass wir über Asyl etwas machen“, sagt der Vorsitzende der Burschen, Thomas Pfaffenzeller.

Wenn man sich die vielen verschiedenen Kommentare zu Berichten über die Asyl- und Einwanderungspolitik anschaue, merke man, wie gespalten die Gesellschaft ist. Pfaffenzellers Fazit: „Das war uns einfach zu heiß.“

Stefan Weinzierl

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