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Frühjahr statt Erlkönig: Die ursprüngliche Bezeinchung auf dem Etikett oben links ist überklebt. Harald Schöffler, Chef des Olchinger Hotels Schiller, findet das verschmerzbar: Wichtig sei, dass das Bier aus der Region kommt. 

Etiketten werden überklebt

Olchinger müssen ihr Bier umtaufen

Olching - Erst seit kurzem ist das Olchinger Bier auf dem Markt, und schon gibt’s Ärger. Denn die erste Edition des naturtrüben Hellen sollte „Erlkönig“ heißen – und dieser Name ist geschützt.

Nanu, was klebt denn da drauf? Das mögen sich wohl viele gedacht haben, als sie das Olchinger Bier probiert haben. Denn auf dem Etikett auf der braunen 0,33-Liter-Flasche prangt links ein weißer Aufkleber mit der Aufschrift „Frühjahr“. Kratzt man ihn ab, dann kommt das Wort Erlkönig zum Vorschein – und das dürfte gar nicht draufstehen.

Eigentlich wird der Begriff „Erlkönig“ in der Autoindustrie für den Prototypen eines neuen Wagens verwendet. Da schien es nur passend zu sein, dass auch die erste Edition des neuen Olchinger Bieres so heißt.

Doch bei dieser Idee haben Guido Amendt und Julius Langosch, Inhaber der Braumanufaktur Olching, die Rechnung ohne die Landbrauerei Ludwig Erl gemacht. Das Traditonsunternehmen aus dem niederbayerischen Geiselhöring hat sich den Begriff Erlkönig schon vor Jahren für seine Biere gesichert.

Die Folge: Den Olchinger Brau-Neulingen flatterte eine Abmahnung ins Haus. „Der Fall ist eindeutig“, muss auch Pascal Böhner, Anwalt der Olchinger Brauerei, eingestehen. Wer ein neues Produkt auf den Markt bringe, der müsse erst einmal prüfen, ob ältere Rechte vorhanden seien, erklärt der Markenrechtsexperte von der Münchner Kanzlei Bardehle Pangenberg. Dies sei versäumt worden. „Das ist schlicht Pech“, sagt er.

Erlkönig wird zu "Frühjahr"

Dass der Name Erlkönig lediglich für die erste Edition des Olchinger Biers verwendet wurde und dieser bei der tatsächlichen Markteinführung in den Getränkemärkten und Gastronomien bereits mit der Bezeichnung „Frühjahr“ überklebt war, ist laut dem Anwalt rechtlich unerheblich. „Die Markenrechtsverletzung entsteht, sobald mit dem Namen geworben wird.“ Allerdings hätten seine Mandanten den Verstoß gleich eingesehen. Das könnte für eine außergerichtliche Einigung hilfreich sein, die die Anwälte der beiden Parteien derzeit verhandeln.

„Die Gegenseite ist uns schon ein Stück weit entgegen gekommen“, sagt Böhner, ohne jedoch konkreter zu werden. „Wir versuchen jetzt, die Kuh gemeinsam und freundschaftlich vom Eis zu bekommen.“

Dabei hilft bestimmt auch, dass nur die erste Edition „Erlkönig“ hieß. „Die Marke selbst ist Olchinger Natur Hell“, erklärt Guido Amendt. Derzeit werde gerade die zweite Charge des naturtrüben Biers gebraut.

Harald Schöffler, Chef des Hotels Schiller in Olching, wird seine nächste Lieferung dann ohne Editionsnamen bekommen. Über den Frühjahrs-Aufkleber hatte er sich nicht allzuviele Gedanken gemacht. „Ich dachte, das sei die erste Edition, und die heißt halt Frühjahr“, sagt er.

Auf das Olchinger Bier ist der Hotel-Chef über Medienberichte gestoßen. „Das ist ein regionales Produkt, das regional produziert wird. Das hat mich sofort interessiert.“

Eva Dobler und Andreas Daschner

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