Olchings verbaute Seiten

Olching – Hässlich, eine Aneinanderreihung von Häusern, nicht einladend: Über Olchings Hauptstraße wurde schon vieles gesagt. Nun hat die Verkehrsader einer heimischen Künstlerin als Inspiration gedient. Die Ergebnisse sind ab heute in der Ausstellung „Verbaut“ im KOM zu sehen.

Verbaut, das ist für Claudia Hippe-Krafczyks ein wichtiges Wort in vielerlei Hinsicht: „Durch Architektur entsteht oft nicht nur ein repräsentatives Gebäude oder eine Herberge – Architektur verbaut auch viele Blicke und Aussichten“, erklärt sie. Die Vorsilbe „ver“ weise bereits auf Anlehnungen zu Wörtern wie „verlaufen“ und „verfahren“ hin – auf Irrwege der Architektur, die viel schaffen, aber auch viel verstellen.

Claudia Hippe-Krafczyk beobachtet dieses Phänomen in vielen Gemeinden und Städten. Für ihre Ölgemälde, die in den vergangenen sieben Jahren entstanden sind, hat sie sich aber von Olching inspirieren lassen. Die ganze Nordseite der Hauptstraße hat sie fotografiert und skizziert, dann zuhause in Öl auf die Leinwand gebracht. In Pastellfarben und stumpfen Tönen zeigen sich die älteren Gebäude, die viele Olchinger kennen, aber oft gar nicht wahrnehmen.

Der Ortskern ist für Claudia Hippe-Krafczyk verschwunden und einem Shopping-Ort gewichen. „Man sieht immer nur die Läden, schaut aber nie nach oben“, sagt die 1971 in München geborene Malerin. Die Bilder sollen die Besucher dazu inspirieren, beim nächsten Gang durch die Hauptstraße einmal ihre Blicke nach oben schweifen zu lassen und ihr Umfeld bewusst wahrzunehmen. „Auch wenn das, was man da sieht, nicht schön ist.“

Eine ganz eigene Faszination üben auch Tankstellen auf die Künstlerin aus, ein paar stellt sie im KOM aus. Bunt und doch kalt leuchten die Farben der modernen Tankstellen vor dem nächtlichen Hintergrund. Einige stehen unter dem Motto „Welche Marke?“ – denn obwohl die Schriftzüge verschwunden sind, weiß der Betrachter doch gleich, welches Logo die Zapfsäulen ziert.

Doch auch im dreidimensionalen Raum ist Claudia Hippe-Krafczyk aktiv. Aus Verpackungen hat sie kleine Gipsquader und weiße Formen gegossen, die sie auf einen groben Stadtplan von Olching setzt. Viele Gebäude sind mit einer Kugel markiert. Eine Stadt mit einem dominanten Bauherrn, der viele Grundstücke aufkauft, solle das darstellen, so die Künstlerin. Den Namen will sie nicht nennen, zum Gesellschaftskritischen bekennt sich Claudia Hippe-Krafczyk aber gerne. Die Ausstellung soll auch hier die Augen für das eigene Lebensumfeld und dessen Entwicklungen liefern.

Die Ausstellung „Verbaut“

wird am heutigen Freitag um 19 Uhr im KOM eröffnet. Am Samstag und Sonntag sind die Werke jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

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