Deutschlands beste Bogenschützin und ihr vergeblicher Kampf um eine Teilnahme bei den Paralympics

Aus der Traum: Vanessa darf nicht nach Rio

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Fürstenfeldbruck - Aus der Traum von Rio. In der Nacht auf Dienstag ist das Vorhaben von Vanessa Bui endgültig gescheitert. Um Mitternacht lief bei den Paralympics-Organisatoren in Rio die Meldefrist für die teilnehmenden Athleten ab. Deutschlands beste Bogenschützin fehlt auf der Liste.

Die 23-jährige Bui, Deutschlands nachweisbar beste Bogenschützin, ist nicht dabei, weil der Bundestrainer aus Hamburg der aus dem schwäbischen Laichingen stammenden Lucia Kupczyk (53) den Vorzug gibt. Kupczyk hatte ein von ihm als Qualifikation ausgegebenes Turnier gewonnen – es war das einzige Mal in diesem Jahr, dass sie besser war als die Bruckerin.

Für die Funktionäre des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) spielte das alles keine Rolle. Auf die Beschwerde von Bui, ihres Heimtrainers Roland Graf (Olching) und der bayerischen Verbandskollegen reagierte der Bundesverband anfangs ebenso wenig wie auf die heftiven Reaktionen im Internet. Dort wurde die Nichtnominierung vom „normalen“ Sportvolk empört kommentiert. Woraufhin Kupczyks Ehemann sein Amt als Team-Manager der Nationalmannschaft niederlegte.

Erst am Wochenende, als die Zeit schon so gut wie abgelaufen war, kam noch einmal Bewegung in die Sache. Bis tief in die Nacht wurden Mails hin- und hergeschickt. Zuvor hatte eine Rechtsanwältin ein Beschwerdeschreiben an die Nominierungskommission geschickt. Auch Margit Quell – die mehrfache Goldmedaillengewinnerin aus Mammendorf sitzt im Rechtsausschuss der nationalen paralympischen Bewegung – bemühte sich intensiv um eine Vermittlung.

Alles ohne Erfolg. Selbst der Gang vor ein ordentliches Gericht scheint aussichtslos. Grund: Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten hat der Bogensportverband keine verbindlichen Nominierungskriterien vorgegeben. „Deshalb kann ein Richter auch kein Urteil fällen.“ Denn die Entscheidung trifft allein der Bundestrainer. Zwar haben Bui und Graf mittlerweile einen Eilantrag beim Rechtsausschuss eingereicht. Doch nach Rio ist der Zug für die 23-Jährige abgefahren. Ihr Olchinger Mentor hofft nun wenigstens, dass sich die Verbandsseite hinsichtlich der nächsten Paralympics in Tokio 2020 bewegt und den Qualifikationsmodus klar definiert.

Doch noch zweimal vor Kupczks Abreise nach Rio treffen sie und Bui im sportlichen Wettkampf aufeinander: Am kommenden Wochenende bei den deutschen Behindertenmeisterschaften in Reken (Nordrhein-Westfalen) und sieben Tage später, wenn die beiden auch bei der Nichtbehinderten-DM in München gemeldet sind. Graf hat bereits angekündigt: „Dort werden wir die sportliche Antwort geben.“

Unklar ist, ob Bui weiterhin in der Nationalmannschaft schießt. Kupczyk hat zwar ihren Rückzug vom aktiven Sport angekündigt, doch vom Bundestrainer sei noch keine Reaktion gekommen, so Graf.

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