Gruppenfoto vor der Abreise: Abtpräses Jeremias Schröder, Abt Christian Temu und Erzabt Wolfgang Öxler (v.l.). Temu kehrt in sein Heimatland Tansania zurück. Er wurde von den Mönchen des Klosters Ndanda zum Abt gewählt, nachdem der Amtsinhaber an Corona gestorben ist.
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Gruppenfoto vor der Abreise: Abtpräses Jeremias Schröder, Abt Christian Temu und Erzabt Wolfgang Öxler (v.l.). Temu kehrt in sein Heimatland Tansania zurück. Er wurde von den Mönchen des Klosters Ndanda zum Abt gewählt, nachdem der Amtsinhaber an Corona gestorben ist.

Im Kloster St. Ottilien

Personalwechsel im Kloster: Ottilianer Mönch wird Abt in Tansania

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Im Kloster St. Ottilien steht ein Personalwechsel an. Missionsprokurator Christian Temu kehrt in sein Heimatland Tansania zurück. Er wurde von den Mönchen des Klosters Ndanda zum Abt gewählt, nachdem der dortige Amtsinhaber an Corona gestorben ist.

St. Ottilien - Erst im vergangenen September hatte Christian Temu den Posten des Missionsprokurators in St. Ottilien angetreten. Für den Orden der Missionsbenediktiner war das ein Meilenstein, denn Temu war der erste Afrikaner in dieser wichtigen Funktion. Seine Aufgabe bestand darin, „eine Brücke zu sein zwischen dem Mutterkloster und den Missionsklöstern, von denen sich viele in armen Ländern befinden“, erklärt der 51-Jährige.

Konkret kümmerte sich Temu darum, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Bildung sowie soziale Projekte der Klöster in Afrika und Asien von Europa aus mit Spenden zu unterstützen und ihre Realisierung zu überwachen. „Ich verstehe beide Welten, konnte hier meine Fähigkeiten einbringen und nützlich sein“, sagt der Mönch, der bereits früher als Kongregationssekretär vier Jahre in St. Ottilien verbracht hat. „Aber nun muss ich zurück. Ich muss das Vertrauen meiner Mitbrüder annehmen.“ Er macht kein Hehl daraus, dass er darüber traurig ist, das Mutterhaus so schnell wieder verlassen zu müssen. Gerne hätte er das Netzwerk zwischen Nord und Süd weiter gestärkt, noch mehr Brücken zwischen den Kulturen gebaut und die Ausbildung seiner Mitbrüder modernisiert. „Die Fragen heute sind anders als früher und brauchen neue Antworten.“ Auch Abtpräses Jeremias Schröder spricht von einem „großen Verlust für die Kongregationsleitung in St. Ottilien“.

Ende Mai wird Christian Temu den Flieger nach Hause besteigen. In seinem Heimatkloster Ndanda hat der Tod von Abt Placidus Mtunguja im Alter von 57 Jahren eine große Lücke gerissen. Er starb in dem zum Kloster gehörenden St. Benedict Hospital, das vom Ottilianer Mönch und Mediziner Jesaja Sienz geleitet wird.

Auch der pensionierte Landsberger Oberarzt Soeren Gatz ist mit einem Team immer wieder dort, um Fortbildungen durchzuführen. Als Vorsitzender des Vereins Humanitäre Hilfe Landsberg sammelt er zudem Spenden für das Krankenhaus, momentan für eine Sauerstoffabfüllanlage, die angesichts von Corona nötiger ist denn je. Gatz’ jüngster Einsatz in Tansania war im Februar. Der Internist und Kardiologe hat auf der Intensivstation von St. Benedict viele Corona-Todesfälle miterlebt, auch den von Abt Placidus.

„Statt der üblichen ein bis zwei Todesfälle pro Woche stieg die Rate auf ein Vielfaches“, so Gatz. „Es gab Tage, an denen bis zu drei Patienten bereits in der Aufnahmestation verstarben.“ Nachdem die Pandemie in Tansania im Juni vergangenen Jahres überstanden schien, waren sämtliche Schutzmaßnahmen aufgehoben worden. Als im Herbst die zweite Welle über das Land hereinbrach, wurde sie von den Behörden ignoriert. „Offiziell gab es keine Coronakranken und keine diesbezüglichen Hygienemaßnahmen. Schutzanzüge hat bis zum heutigen Tag niemand, und FFP2-Masken gibt es erst seit wenigen Wochen“, beschreibt Gatz die Situation, die er vor Ort erlebte.

Wer von Corona sprach, musste mit Konsequenzen rechnen. Gatz: „Man riskierte eine Gefängnisstrafe, wenn man den Begriff Covid in den Mund nahm.“ Die zahlreichen Patienten, die die Intensivstationen des Landes zunehmend füllten, starben offiziell an einer „mysterious desease“, einer „geheimnisvollen Krankheit“. Erst, seit auch der tansanische Präsident John Magufuli möglicherweise Opfer der Pandemie wurde, wird Corona nicht mehr geleugnet.

Pater Christian Temu glaubt, dass sich die Lage inzwischen verbessert hat. „Aber es gibt kaum Testmöglichkeiten und keine genauen Zahlen. Für uns heißt das, vorsichtig sein und Maske tragen.“ Temu macht sich Sorgen: „Es ist eine gefährliche Situation. Ich hoffe, die Politik findet einen vernünftigen Weg.“

Er werde sein Team in der Prokura vermissen, sagt er, und die tollen Freunde, die er hier gefunden hat. Aber er empfindet auch Vorfreude auf Zuhause. „Ndanda ist mein Kloster. Ich liebe meine Gemeinschaft dort.“ Vor seiner Abreise wird er seinen Nachfolger einarbeiten, der aus einem spanischen Kloster nach St. Ottilien wechselt – und Europäer ist.

Spendenkonto: Der Verein „Humanitäre Hilfe Landsberg“ hat ein Spendenkonto bei der VR-Bank Landsberg-Ammersee. Es wird unter anderem Geld gesammelt für eine Sauerstoffabfüllanlage in Ndanda. Infos dazu auf www.humanitaere-hilfe-ev.de.

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