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Ob Urlaub oder Dienstreise: Immer öfter packen Menschen ihre Koffer, um als Kurzzeitmieter in fremde Wohnungen zu ziehen.  

Immer mehr so genannte Ferienwohnungen

Piraten-Vermieter ärgern Pensionsbetreiber

Landkreis - Auch in der Brucker Region werden immer mehr private Wohnungen als Ferienwohnungen für Kurzzeit-Gäste angeboten. Sie fallen damit aus dem ordentlichen Mietmarkt heraus – und sorgen für Ärger bei Betreibern von offiziell angemeldeten Pensionen. Die haben das Nachsehen im Konkurrenzkampf.

Sie tragen phantasievolle Namen wie Haus Jenny oder Appartement Angela. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um ganz normale Wohnungen in ganz normalen Mehr-Familienmietshäusern. Der Unterschied: Sie werden nicht mehr dauerhaft vermietet, sondern nur noch zeitweise an wechselnde Gäste.

Darunter können Durchreisende sein, Touristen oder Arbeiter, die auf bestimmte Zeit in der Region zu tun haben. Der Vermieter spart sich dabei die Verpflichtungen, die er bei regulären Vermietungen eingehen müsste – und macht den Betreibern von offiziell als Gewerbe angemeldeten Pensionen (die auch entsprechende Steuern zahlen) ernsthafte Konkurrenz.

Eine Insiderin, die selbst eine Pension betreibt, schätzt, dass sich die Zahl der privat im Internet angebotenen Ferienwohnungen im Landkreis Fürstenfeldbruck allein vom Jahr 2015 auf 2016 verdoppelt hat. „Die bezahlen keine Steuern und müssen keine Auflagen einhalten. Sie sind damit billiger als die Pensionsbetreiber. Diese ziehen den Kürzeren.“

Sie verweist auf Berlin, wo die Stadt vor kurzem Ferienwohnungen im allgemeinen Wohngebiet verboten hat. Das Gericht entschied dabei, dass bei den zahlreichen Ferienwohnungen in Mietshäusern eine gewerbliche Nutzungen vorliegt. Argumente waren die Phantasienamen auf den Klingelschildern, der regelmäßige Wechsel der Wäsche und Infoblätter in Fremdsprachen. Außerdem gab es keine Anmeldungen beim Bürgeramt.

Die Betreiberin der Pension im Kreis Bruck glaubt, dass die geltende Rechtslage (Planungsrecht, Gewerbeaufsicht) den Behörden genügend Möglichkeiten geben müsste, um dem Phänomen entgegenzutreten. „Es wäre an der Zeit, hier etwas zu unternehmen. Schließlich entgehen dem Staat Steuern aus gewerblicher Vermietung. Außerdem fehlen die Wohnungen auf dem ordentlichen Markt.“

Anmeldung ist nicht nötig

Eine Sprecherin des Brucker Landratsamts indes betont, dass der Betrieb von bis zu drei Ferienwohnungen nicht als Gewerbe gelte, sondern als „Verwaltung eigenen Vermögens“. Eine Anmeldung sei dann nicht notwendig. Im „reinen Wohngebiet“ könnten außerdem ausnahmsweise kleine Betriebe des Beherbergungsgewerbes zulässig sein, also auch eine einzelne Ferienwohnung. Was als klein gelte, sei nicht abstrakt festgelegt, sondern hänge von der Umgebung ab. Im „allgemeinen Wohngebiet“ seien Betriebe des Beherbergungsgewerbes – also nicht nur kleine – ausnahmsweise zulässig.

Kurz gesprochen: Die angeprangerte Praxis sei letztlich rechtlich nicht angreifbar, zumal es seit 2004 ja kein Wohnungsaufsichtsgesetz mehr gebe. Wenn eine Pension mehrere Zimmer aufweise, dann fielen natürlich auch Steuern an. Das sei aber Sache des Finanzamts. Von Seiten des Landratsamts gebe es keine Kontrollen. „Hinweisen gehen wir aber natürlich nach.“

Den Mieterverein München dagegen beschäftigt das Phänomen durchaus. Hier spricht man von Zweckentfremdung von Wohnungen. In München allerdings tritt derzeit eher das Phänomen des Ärztetourismus auf. Reiche aus dem Ausland kommen in die Landeshauptstadt, lassen sich behandeln und halten sich in dieser Zeit in Ferienwohnungen nicht unbedingt an Gepflogenheiten, die Nachbarn Recht sein können – ein Argument, das übrigens auch bei dem Berliner Urteil Gewicht hatte. Denn Nachbarn werden durch ständig wechselnde Ferienwohnungs-Gäste in der Regel stärker belastet als bei einem ordentlichen Mietverhältnis.

Eine Sprecherin des Mietervereins betont allerdings auch, dass es sehr schwer sei, etwas dagegen zu unternehmen. In den einschlägigen Internet-Anzeigen seien meist nur Kontaktpersonen (oft selbst nur Mieter, die eben weitervermieten) genannt und keine genauen Adressen. Die Stadt müsste also schon verdeckte Ermittler auf die Suche nach nicht gemeldetem Gewerbe schicken, was sie wiederum aus eigener Sicht nicht dürfe.

Trotzdem ist die Pensionsbetreiberin aus dem Landkreis überzeugt: Irgendetwas läuft hier schief. Die Behörden sollten doch bitte bei den Ferienwohnungen genau so streng sein wie bei angemeldeten Pensionen.

Thomas Steinhardt

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