In Althegnenberg aus Zug geworfen

Plötzlich steht ein Somalier vor der Tür

Althegnenberg - Die Flüchtlingskrise betrifft (noch) nicht alle Landkreis-Bürger in ihrer unmittelbaren Lebenswirklichkeit. Wie schnell sich das ändern kann, erfuhr eine Gruppe junger Althegnenberger am Dienstagabend.

Die jungen Männer spielten in einer Garage in Bahnhofnähe Tischtennis, als es plötzlich ganz zaghaft an der Tür klopfte. Als die Tischtennis-Spieler öffneten, stand ein junger Somalier in leichter Bekleidung vor ihnen. Es dürfte so knapp über Null Grad gehabt haben.

 Der Mann konnte ein paar Brocken Englisch, ein paar Brocken Deutsch. Er berichtete, auf dem Weg von Stuttgart nach Passau über München in Althegnenberg aus dem Zug geworfen worden zu sein. Er habe kein gültiges Ticket gehabt. Er hätte 90 Euro bezahlen müssen – die er nicht hatte.

Wie einer der Althegnenberger (29) dem Tagblatt schilderte, waren weder der Bürgermeister noch sein Vize erreichbar. Die Polizei habe sich nicht zuständig gefühlt. Was nun also tun? An wen sich wenden? Es war niemand da. Und der Somalier stand vor ihnen wie ein Häuflein Elend. Der 29-Jährige: „Man kann doch nicht einfach jemanden aus dem Zug werfen. So geht das nicht.“

Also beschlossen die jungen Leute, selbst tätig zu werden. Sie gaben dem Flüchtling zu essen, versorgten ihn mit wärmeren Klamotten und brachten ihn zum nächstgrößeren Bahnhof im lechrainischen Mering. Hier bezahlten sie dem Somalier ein Zugticket nach München – in der Hoffnung, dass hier Hilfe möglich sein wird. In Mering seien die Reaktionen auf den Flüchtling grenzwertig gewesen, ergänzt der 29-Jährige. „Wenn man das erlebt, weiß man: Wir haben ein Problem.“ Insgesamt sei es das Eine, von der Flüchtlingskrise in der Zeitung zu lesen. Wenn plötzlich so ein armer Kerl vor einem stehe, sehe aber alles ganz anders aus."

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