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Immer über Kopf: Roman Ossner packt seit 18 Jahren bei der Sammelaktion mit an. Da ist der Muskelkater am Tag danach vorprogrammiert.

Aktion der Puchheimer Pfadfinder

900 Kubikmeter Christbaum müssen raus

Puchheim – Man ist froh, wenn man den Christbaum rechtzeitig zum Heiligen Abend bekommen hat. Doch zwei Wochen später muss er in der Regel wieder aus der Wohnung. Puchheims Pfadfinder helfen beim Einsammeln.

„Der Sonntag ist schon von Muskelkater geprägt.“ Roman Ossner weiß was er angepackt hat, wenn er mit den Puchheimer Pfadfindern unterwegs war, um die Christbäume der Stadt einzusammeln. Die Sammelaktion führt der „Stamm Bison Puchheim“ seit knapp drei Jahrzehnten am ersten Samstag nach Dreikönig durch. Gut 30 Helfer von acht bis 30 Jahren waren heuer dabei.

Sich so einen Baum zu schnappen und einfach auf einen Hänger zu werfen, damit ist es nicht getan. „Immer über Kopf heben“, das ist nicht für Ossner angesagt. Aber nur so kann der Baum die zwei bis drei Meter Höhenunterschied zwischen dem Helfer auf der Straße und dem auf dem Hänger einigernmaßen kraftsparend überwunden werden. Oben angekommen, muss der Baum zudem sicher abgestellt werden. „Deshalb dürfen wir auch nicht zu hoch stapeln.“

Doch bevor Ossner und seine Gruppe dazu kommen, müssen sie ein technisches Problem lösen. Bei einem der Traktoren, die von einem Landwirt in Puchheim-Ort zur Verfügung gestellt werden, läuft der Motor nicht rund. Gott sei Dank sind ein paar Maschinenbaustudenten im Team, die feststellen, dass noch Sommerdiesel im Tank ist. Man schafft es bis zur nächsten Tankstelle.

Das Aufsammeln ist gut organisiert. Mirko Gschwindt und Sebastian Pröll als Verantwortliche für Sammelaktionen haben die Stadt in sieben Bezirke aufgeteilt, auch einige Fußgruppen sind unterwegs. Die sammeln unter anderem die oft einzeln an den Straßenrändern abgestellten Bäume auf und sammeln sie für einen Straßenzug zusammen. „Dann müssen die Traktorfahrer nicht wegen jedem Baum anhalten“, erklärt Corinna Schmidtmaier, eine der Stammesvorstände.

Außerdem klappern die Fußgruppen, die in erster Linie von Jugendlichen gebildet und von mindestens einem Erwachsenen begleitet werden, noch die Häuserreihen ab, klingeln. „Die meisten sind freundlich, freuen sich, dass wir ihnen die Arbeit mit dem Christbaum entsorgen abnehmen“, berichtet Schmidtmaier. Manche würden den Helfern sogar einen kleinen Betrag in die Hand drücken, selbst wenn sie keinen Baum haben. „Grantige Menschen, die uns für Bettler halten, gibt es schon. Doch die sind in der Minderzahl“, erzählt Schmidtmaier. In Hochhaussiedlungen klingle man aber nicht, das sei zu zeitaufwändig. in diesen Gebieten gebe es Sammelstellen.

Sie ist froh, dass skeptischen Bürger in der Minderzahl sind. Denn die Christbaumaktion ist, neben der Altkleider- und Altpapiersammlung im Sommer, ein wichtiger Beitrag für den Etat der Pfadfinder. mit der Hälfte des Erlöses finanzieren die Pfadfinder ihre eigene Arbeit, die anderen 50 Prozent gehen heuer an den Verein „Ghana-Freunde Takoradi“, der den Aufbau eines Gesundheitszentrums organisiert. „Wir achten darauf, dass wir Gruppen aus der Region unterstützen“!, so Schmidtmaier. Da könne man den Fluss des Geldes besser nachvollziehen. In diesem Fall kommt hinzu, dass sich ein Mitglied der Pfadfínder für die Ghana-Freunde engagiert.

Auch dafür packt Ossner an, stapelt bis abends Christbäume und fährt mehrmals am Tag mit vollem Hänger die Partywiese hinter dem Haus St. Elisabeth an. Dort lagern am Ende des Tages rund 900 Kubikmeter Christbaum. Die werden dann in der Woche darauf von Mitarbeitern des Landratsamtes abgeholt und zur endgültigen Entsorgung transportiert.

Zum dem Zeitpunkt hat sich Ossner von seinem Muskelkater erholt. „Man muss es einfach im Kreuzu haben“, sagt der 28-jährige . Nächstes Jahr wird er wieder dabei sein. Wie auch der drei Jahre ältere Matthias Uhl. Der packt nicht mehr bei den Bäumen an, schiebt aber Küchendienst. „Was warmes ist immer angenehm“, sagt er Blick auf das Thermeter, das minus zehn Grad anzeigt. Organisator Gschwindt weiß das zu schätzen. „Jeder ist wichtig.“ Alle würden beitragen, dass die gute Tat gelingt.

Von Hans Kürzl

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