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Häuser am Alois-Harbeck-Platz in Puchheim. 

Puchheim

Drei Wohn- und Geschäftshäuser vor dem Aus: Alois-Harbeck-Platz droht Abrissbirne

Drei Wohn- und Geschäftshäuser an der Allinger Straße und am Alois-Harbeck-Platz in Puchheim sollen abgerissen werden. Mehrere Geschäftsleute erhielten die Kündigung. 

Puchheim– Viele fürchten um ihre Existenz. Pikant: Die Eigentümerin wurde erst kürzlich für soziales Engagement ausgezeichnet. 

„Der Hass geht um,“ formuliert ein gekündigter Ladenbesitzer. Von „tabula rasa“ ohne Rücksicht auf Existenzen spricht eine Kollegin: Am Alois-Harbeck-Platz und an der Allinger Straße droht die Abrissbirne, lediglich das große rückwärtige Gebäude soll offenbar saniert werden. Mehrere Geschäftsleute erhielten bereits ihre Kündigung, die privaten Wohnungsmieter wurden auf einer Versammlung im Hotel Seidl informiert.

Zehn Gewerbetreibende sind betroffen

Betroffen sind rund zehn Gewerbetreibende, die teils seit Jahrzehnten dort ihre Geschäfte haben, auch der Landesbund für Vogelschutz wird seine Landkreis-Zentrale wohl räumen müssen. Die Eigentümerin, die Dr. Harbeck & Stieber GmbH und Co KG, hält sich mit Aussagen gegenüber dem Tagblatt zurück. Man habe noch nicht mit allen Betroffenen sprechen können, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Laura Stieber.

Die Wohnungsnot

Die Erbitterung ist zwar überall zu spüren, namentlich will sich aber nur ein Geschäftsmann zitieren lassen: David Bönisch vom gleichnamigen Sanitätshaus und seit 20 Jahren Mieter im Puchheimer Süden, nimmt kein Blatt vor den Mund. Den Eigentümern sei offenbar gleichgültig, ob sie die akute Wohnungsnot noch verstärkten, denn nicht jedem Mieter könne eine Ersatzwohnung garantiert werden. Und für seine Firma, die auf barrierefreien Zugang und behindertengerechte Ausstattung angewiesen ist, sieht er in Puchheim ganz schwarz. Acht Mitarbeitern drohe die Arbeitslosigkeit, 200 Kunden wären ohne ihren Nahversorger an Gehhilfen oder Rollstühlen.

Geschäfte gehen verloren

Aber auch andere Ladenbesitzer schütteln den Kopf. Die Südseite der Bahnlinie, ohnehin nicht mit Einzelhandel verwöhnt, würde auf einen Schlag einen Großteil ihrer Geschäfte verlieren: Friseur, Reinigung, Schreibwarengeschäft, die zum Teil von Beginn an, in den frühen 70ern, dort ansässig sind. Auch Massagesalon, Rechtsanwälte und Second-Hand-Laden müssen sich neue Adressen suchen oder aufgeben. Nur „der Italiener“ soll angeblich bleiben dürfen. Die Pizzeria wolle man weiter am Platz sehen, soll Stieber auf der Versammlung geäußert haben, auf der Bild- oder Tonaufnahmen verboten waren.

Maßvolle Sanierung

Dass die Altbauten optisch und energetisch aus der Zeit gefallen sind, bestreiten die Geschäftsleute nicht. Allerdings ließen sich beispielsweise hohe Heizkosten bisher durch durchaus soziale Mietpreise kompensieren – und maßvolle Sanierungen würden wohl die meisten mittragen. Mit „funktionalen und städtebaulichen Problemen“ begründete auch Stieber die Um- und Neubaupläne.

Ersatzwohnungen

Was genau die Eigentümer vorhaben, ist unklar und wurde auf der Versammlung nicht näher erläutert. Gerüchte wollen von einem Einkaufszentrum mit Wohnungen in den Obergeschossen wissen. Stieber nannte auf Tagblatt-Nachfrage „mehr Wohnraum und sinnvolles Gewerbe“. Für die Wohnungsmieter gebe es einen „Ersatzpool“ von Alternativ-Unterkünften, der beständig ausgebaut werde. Nicht allerdings für die Gewerbetreibenden. „Dass wir sie unterstützen, steht aber außer Frage,“ sagte die Eigentümerin.

Der Alois-Harbeck-Platz wurde von der Stadt nachträglich in das Sanierungsgebiet rund um die künftige Stadtmitte aufgenommen. Nach mancher Meinung ist das Ensemble, das nach Schließung des schienengleichen Bahnübergangs eine Art kleines Geschäftszentrum für den Süden von Puchheim bilden sollte, diesen Ansprüchen nie gerecht geworden. „Es dodelt vor sich hin,“ heißt es inoffiziell aus dem Rathaus.

Offiziell gibt es von der Stadt, die bei allen Neubauplänen mitreden kann, keine Stellungnahme. Eigentümerin Stieber erhielt heuer von der Stadt in der Kategorie „Beruf und Betrieb“ den Preis „Puchheims Puls“. Gewürdigt wurde dabei nicht zuletzt auch die „soziale Verantwortung“, die ein großes Immobilienunternehmen zeige.  (op)

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