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Das ist ein erster, städtebaulicher Entwurf: So könnten die Gebäude angeordnet sein. Lediglich das rückliegende Hauptgebäude (ganz in Weiß) bleibt laut dieser Planung erhalten.

Puchheim

Alois-Harbeck-Platz: Das erwartet die Mieter

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Es ist das Stadtgespräch in Puchheim: Drei Häuser am Alois-Harbeck-Platz werden abgerissen, Geschäftsleute bangen um ihre Existenz und Mieter um ihr Zuhause. Ein mieser Start für das Mega-Bau-Projekt der angesehenen Familie Harbeck, der das Areal gehört. Dabei soll zumindest allen Mietern geholfen werden. Und Puchheim ein schöneres Zentrum erhalten.

Puchheim – Laura Stieber ist braun gebrannt und trägt ein geblümtes Sommerkleid bei der Pressekonferenz im PUC. Da könnten pünktlich zu den Sommerferien glatt Urlaubsgefühle aufkommen. Allerdings: Erholsam waren die vergangenen Wochen eher nicht. Es hagelte öffentlich Kritik an den Abrissplänen und den damit einhergehenden Kündigungen alteingesessener Geschäftsleute und Mieter. „Die letzten Tage waren sehr aufreibend“, erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin des Familienunternehmens Harbeck & Stieber, dem das Areal am Bahnhof gehört. Nun sollte einiges richtiggestellt werden.

Puchheim soll durch neuen Alois-Harbeck-Platz attraktiver werden

Stieber ist auch die Tochter des bekannten Gutsbesitzers Alois Harbeck und wurde stellvertretend für die Immobilienfirma von der Stadt erst kürzlich für vorbildliches Vermieten ausgezeichnet. Das legt die Latte an Verantwortung sehr hoch. Stieber beteuert ausdrücklich, dass es für sie vor allem einen Antrieb gibt: Puchheim attraktiver zu machen. Die Flachdachbauten am Alois-Harbeck-Platz sind aus den 1970er-Jahren und das sieht man. Aufstocken und Nachverdichtung ist kaum möglich. Stieber sagt aber auch: „Es ist ein Stück Familiengeschichte.“ Heißt wohl: Wir werden möglichst pfleglich damit umgehen. Noch läuft es aber nicht ganz so rund.

Keine Heimlichtuerei in Sachen  Alois-Harbeck-Platz

Stieber meinte es gut, wie sie sagt, und wollte den Mietern bei einem Info-Treffen persönlich darlegen, was für den Alois-Harbeck-Platz geplant ist – und was das für sie bedeutet. Mit mangelnder Transparenz oder Heimlichtuerei, die ihr vorgeworfen wird, hätte das nichts zu tun. „Sie sollten das nur nicht aus der Zeitung erfahren“, erklärt die Firmenchefin.

17 Wohnungen seien es insgesamt, die durch den Abriss erst einmal wegfallen. Den Mietern sollen Ersatzwohnungen aus dem Pool der Hausverwaltung in Puchheim und Umgebung zur Verfügung gestellt werden. „Ich habe jede frei gewordene Wohnung für diese Zwecke reserviert“, berichtet die Geschäftsfrau. Sie hätte außerdem mit den einzelnen Betroffenen Gespräche geführt. Ihr Versprechen: „Jeder wird unterkommen.“ Möglichst nah. Die Miete wird die gleiche bleiben. Allerdings könne sie natürlich nicht garantieren, dass wirklich alle individuellen Wünsche erfüllt werden könnten. Das sei quasi unmöglich.

Mietminderung versprochen 

Die gute Nachricht: Die etwa 50 Mieter, die direkt in dem großen Hauptgebäude am Harbeck-Platz leben, können die Umzugskisten im Keller lassen. Sie werden während der Bauzeit dort wohnen bleiben. Dreck und Lärm werden sie in Kauf nehmen müssen. „Dafür wird es aber eine Mietminderung geben“, versicherte Stieber. Sprich: Die Menschen müssen weniger bezahlen.

Raus müssen hingegen alle Gewerbetreibenden, unter anderem das Sanitätshaus Bönisch. Dessen Geschäftsführer David Bönisch sieht man den Ärger der vergangenen Tage schon an. Er ist extra zu der Pressekonferenz gekommen – die eigentlich eben der Presse vorbehalten war. „Zum 20-jährigen Firmenjubiläum habe ich die Kündigung auf den Tisch geknallt bekommen,“ erzählt er.

Italiener soll bleiben am Alois-Harbeck-Platz

Der junge Mann ist stinksauer. Er hat den Eindruck, dass die schmucken neuen Pläne keinen Platz für Geschäfte wie das Sanitätshaus lassen, das unter anderem Rollatoren für alte Menschen verkauft. „Wir können aber auch nicht in irgendein Gewerbegebiet“, sagt er. Seine Kunden könnten nur kurze Wege zurücklegen.

Bönisch ist nicht der einzige, der sich Sorgen um seine Existenz macht – auch wenn er die Pläne grundsätzlich für gut heißt. Allerdings wollen andere lieber nicht mit ihrem Namen in der Zeitung stehen. Auch eine Allianz sei nicht sinnvoll, weil man individuelle Interessen verfolge. Zu den Betroffenen gehören neben den Geschäftsleuten eine Kindertagesstätte und eine Arztpraxis. Einer kann allerdings durchatmen: Der Italiener. Er soll irgendwie am Platz bleiben.

Das sind die Pläne für den Alois-Harbeck-Platz

Geplant ist, dass der Flachbau und das dahinterliegende Gebäude an der Allinger Straße sowie das Gebäude gegenüber abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden (siehe Visualisierung). Im vorderen Bereich wird wohl ein Supermarkt auf 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche einziehen. Projektentwickler Ralph Müller erhofft sich von einem Lebensmittelgeschäft mehr Publikum. Der Platz soll belebt werden, mehr Menschen sollen in die Geschäfte kommen. Zum Bahnhof hin wird es eine Art Riegel geben, in den ein Apart-Hotel einzieht und der auch als Lärmschutz dienen soll.

Hauptgebäude am Alois-Harbeck-Platz wird nur saniert

Bei der Geschäftswelt wird es wohl eine Runderneuerung geben. Das Hauptgebäude wird lediglich saniert. Es soll ökologischer und effizienter werden – ein ausdrücklicher Wunsch der Familie Harbeck. „Die Heizkosten werden dadurch halbiert“, so Müller. Insgesamt soll weitaus mehr Wohnraum geschaffen werden – auf zusätzlichen 3000 Quadratmetern. 30 Prozent der Wohnungen soll sozial Bedürftigen zur Verfügung stehen. Das ist wiederum eine Auflage der Stadt.

Die Harbeck & Stieber GmbH wird mit der Kommune einen städtebaulichen Vertrag abschließen. Das Gebiet gehört zum vom Bund geförderten Städtebauprogramm „Soziale Stadt“, das die Planie einschließt und von der Kreisstraße FFB 11 bis zur Josefstraße reicht. Die Pläne für den Harbeck-Platz wurden am Dienstagabend in der Stadtratssitzung nicht-öffentlich vorgestellt. Es folgt noch das bürokratische Prozedere, bis die Baugenehmigung erteilt wird. Der Zeitplan ist bisher: Im nächsten Sommer sollen die Arbeiten beginnen. Die Geschäftsleute dürfen laut Laura Stieber auch so lange noch in ihren Räumen bleiben, wenn sie das wünschen.

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