Der Bach soll wieder rundum sauber sein: Kinder aus der vierten Klasse (Jahrgang 1993/94) unterwegs als Bachpaten.

Puchheim

Als der Gröbenbach in Kinderhand war

Wer dachte, Greta Thunberg wäre die Erste, die Kinder für Umweltschutz begeistert, täuscht sich: In Puchheim gab es schon in den Neunzigerjahren eine Gruppe, die sich um den Gröbenbach kümmerte: die Bachpaten. Und die stießen auf etliche bürokratische Hürden – hinterließen aber auch Spuren.

Puchheim – Heute plätschert er klar und idyllisch durch den Ort, aber so ein sauberes Gewässer war der Gröbenbach nicht immer. Gut ein Vierteljahrhundert ist es her, dass eine schlammige, braune Brühe mehr stand als floss und es am Grund vereinzelt aussah, als hätte die Müllabfuhr gestreikt. Eine Religionslehrerin an der Grundschule, selber Ortlerin, wollte das irgendwann nicht mehr mit ansehen. In einem frühen Projekt der Umwelterziehung sammelte sie 1993 Erst- bis Viertklässler um sich und begann mit der Entrümpelung des Gröbenbachs. Die Bachpaten waren geboren.

Obwohl es sie heute längst nicht mehr gibt, denn die Kinder sind groß geworden, ist Edeltraud Ulbrich, die frühere Religionslehrerin, immer noch stolz auf den Einsatz von damals. Denn anders als bei der gewöhnlichen Sisyphos-Arbeit im Naturschutz sei hier mal eine Aufgabe erledigt worden. Es sei ein gutes Gefühl, wenn ein Kapitel abgeschlossen wurde.

Der Gröbengeist

Die spektakulärste Aktion war die Präsentation der aus dem Bach geborgenen Hinterlassenschaften: Der gesammelte Sperrmüll wurde auf ein Gestell geschichtet und als übermannsgroßer „Gröbengeist“ den Besuchern des Wochenmarktes in Puchheim-Bahnhof vorgeführt. Viele Ältere sollen richtiggehend betroffen gewesen sein, als sie das Ungetüm aus Fahrradreifen, Gummimatten, Maßkrügen und anderem Gerümpel sahen. Mit dieser Art von Umweltpädagogik seien auch die Größeren erzogen worden, meint Ulbrich: „Wenn Kinder so begeistert sind, geht den Erwachsenen das Herz auf.“

Es blieb nicht bei der Müll-Ausstellung. Lehrerin und Schüler machten sich kundig, was einem kleinen Fließgewässer guttut, dass etwa durch ein wenig Beschattung die Wasserqualität profitiert (und sich auch die Fische wohler fühlen). Man habe nie ökologische Luftschlösser gebaut, sondern sich um praktische Lösungen vor allem für die Uferbepflanzung bemüht, sagt Ulbrich. Die Paten kümmerten sich dabei immer nur um einige hundert Meter Gröbenbach: Das „Problemstück“ vor dem Wehr, auf dem der Bach kaum Fahrt aufnehmen kann.

Ein Teil der Vorschläge ließ sich allerdings nicht verwirklichen. Die Kolksteine (Kolk ist eine Art Strudelloch), die den Fischen Unterschlupf bieten sollten, passten nach Ansicht des gemeindlichen Umweltamtes nicht in ein Moorgebiet. Und gegen die Weidengeflechte, die den Bach verengen und die Fließgeschwindigkeit erhöhen sollten, legte das Wasserwirtschaftsamt sein Veto ein. Wegen des Hochwasserschutzes lässt sich nicht so mal eben der Querschnitt eines Baches verändern.

Dennoch wurde das Engagement auch amtlicherseits anerkannt. Bürgermeister Herbert Kränzlein schloss mit den Ortler Kindern einen Vertrag zur Übernahme einer Bachpatenschaft, die zwar Rechte und Pflichten der Gemeinde und nur Pflichten für die Schüler vorsah, aber der freiwilligen Tätigkeit erstmals einen offiziellen Anstrich gab. Die Schüler durften sich fortan eigenverantwortlich, wenn auch unter Leitung der Gemeinde, um eine standorttypische Bepflanzung kümmern und die Uferrandstreifen pflegen. Der Gröbenbach sollte regelmäßig beobachtet und das Rathaus über besondere Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt werden. Ausdrücklich gehörte auch die Information und Aufklärung der Bevölkerung zu den Aufgaben der Kinder. 24 kleine Gröbenbach-Betreuer unterschrieben mit einem geraden, senkrechten oder auch schrägen Namenszug die Vereinbarung auf einem Extra-Blatt.

Achtsamkeit bleibt

Die Bachpaten organisierten kleine Ausstellungen zum Thema Wasser, bastelten Papierkörbe in Fischform (leider in einer Freinacht abgefackelt), stellten Gröbenbach-Fotokarten mit eigenen Kuverts und selbstgestaltete Lesezeichen her. Nur die Entschlammung ließ die Gemeinde von einer Fachfirma durchführen – und zuletzt 2011 wiederholen, weil ein Starkregen Dreck von der B-2-Baustelle hineingeschwemmt hatte.

2008 übergab Ulbrich die Bachpaten-Leitung an sieben ihrer Ehemaligen, die wiederum einige Kinder an die Hand nahmen. Aber auch die zweite Generation zog irgendwann weg oder hatte keine Zeit mehr. Vor einigen Jahren kündigte die heute 72-Jährige den Vertrag mit der Stadt. So habe die Bachpatenschaft zwar ihr Ende gefunden, meint sie, eines aber nicht: „Die Achtsamkeit gegenüber der Natur“. Der Gröbenbach hat jedenfalls in Puchheim-Ort kein Problemstück mehr. (op)

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