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Die Angst geht um: Gibt die Stadt Puchheim zu viel Geld aus?

 Lebt die Stadt dauerhaft über ihre Verhältnisse? Diese Sorge wurde jetzt erneut bei der Haushaltsverabschiedung im Stadtrat laut. Zwar wurde der Etatplan für 2017 einstimmig angenommen, mehrere Redner warnten allerdings davor, sich mit den geplanten Investitionen zu übernehmen. 

Puchheim –Demnächst soll in einer Klausur beraten werden, was sich Puchheim wann und in welchem Umfang wirklich leisten kann und soll.

Mit am kritischsten klang Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Er habe keine wirkliche Sorge, könne aber angesichts eines erneuten Defizits (für heuer sind 4,7 Millionen Euro kalkuliert) auch nicht zufrieden sein. Der gesamte Haushalt sei überdies auch keine wirklich belastbare Planung, sondern ein Sammelsurium von Vorhaben nach dem Motto „anything goes“ (alles ist möglich).

Sein Finanzreferent Jean-Marie Leone (SPD) forderte, im laufenden Geschäft „wieder die Kurve zu schwarzen Zahlen zu kriegen“, sprach aber auch von einem „enormen Berg an Projekten“, den Puchheim vor sich herschiebe: Zentrumsplanung, Umbau oder Neubau des Pflegeheims, Schwimmbadsanierung, Wohnraumbeschaffung und Geothermie – „wir müssen darauf achten, dass wir uns nicht zeitlich und finanziell überheben“.

Thomas Hofschuster (CSU) hielt die Investitionen zwar für finanziell vertretbar. Allerdings dürfe man dafür vielleicht „das Sparschwein schlachten, nicht aber das Tafelsilber verscherbeln“. Manfred Sengl (Grüne) verlangte, Prioritäten zu setzen. Für das Hallenbad werde man sich keine Luxuslösung leisten können, die Wohnraumentwicklungsgesellschaft müsse wirklich bezahlbaren Wohnraum schaffen und nicht auch noch in Gewerbegrundstücke investieren. Um den Investitionsstau nicht noch zu verlängern, haben ihre Unabhängigen Bürger Puchheim (UBP) diesmal keine Anträge zum Haushalt gestellt, sagte Theresa Unglert. Laut Michaela von Hagen (FW) sieht der Haushalt schlimmer aus, als er ist. Freilich gelte es, den Überblick zu behalten.

Für eine Missstimmung sorgte noch Alt-Bürgermeister Erich Pürkner (CSU), der für die Haushaltsreste von 27 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr, also alle Mittel, die (noch) nicht gebraucht wurden, eine überlastete Rathaus-Verwaltung verantwortlich machte. Deren Effizienz zu steigern, sei auch Aufgabe des Bürgermeisters. Der dagegen sprach von hoher Motivation seiner Mitarbeiter, die auf hohem Niveau tätig seien: „Ich lass mir meine Verwaltung nicht schlecht reden.“

Schon Kämmerer Harald Heitmeir hatte allerdings von einer Investitionswunschliste gesprochen, die – im Vorjahr wie heuer – zu einem „nicht ganz realistischen Haushalt“ führe. Aufgabe von Verwaltung und Stadtrat müsse sein, sich wieder „gemeinsam der Realität anzunähern“.

Der Etat 2017 hat ein Volumen von knapp 50 Millionen Euro. Die höchsten Ausgaben fließen in das neue Kinderhaus samt Wohnungen am Wohnpark Roggenstein (über vier Millionen) und in die Sanierung der Schule am Gerner Platz, für die viele Rechnungen erst heuer fällig werden. Das Rücklagenpolster liegt aber noch bei über 32 Millionen. (op)

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