Sie wollen für ihr Anliegen einstehen: Anwohner der freiliegenden Fläche an der Alpenstraße.
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Sie wollen für ihr Anliegen einstehen: Anwohner der freiliegenden Fläche an der Alpenstraße.

Puchheim

Anwohner protestieren gegen Bau-Pläne der Stadt

Die Anwohner des Areals zwischen Alpenstraße und Kleinem Ascherbach in Puchheim haben sich in einer Bürgerinitiative zusammengetan. Mit einem Offenen Brief an Bürgermeister und Stadtrat protestieren sie gegen das geplante Wohnbau-Projekt.

Puchheim – Die Anwohner befürchten unter anderem ein massives, zusätzliches Verkehrsaufkommen und drohende Verschattung durch mehrgeschossige Wohnbauten. Außerdem fordern sie ein „sofortiges Ende der Geheimhaltungspolitik“ um die künftige Siedlung. Rathaus-Chef Norbert Seidl will zwar das Gespräch mit den Anwohnern suchen, verweist aber auch darauf, dass es bis auf wenige Essentials noch keinerlei konkrete Festlegungen gibt.

Rund um das geplante Baugebiet haben sich rund 40 alteingesessene Bewohner in einer Whats-App-Gruppe kurzgeschlossen. Sie diskutieren dort schon seit einiger Zeit über das Projekt. Zusätzliche Mitstreiter sollen über eine Flugblatt-Aktion gewonnen werden. Zunächst verständigte man sich aber auf das Schreiben an die Stadtpolitiker, das auch der örtlichen Presse zugestellt wurde.

„Hohe Wohnblöcke“

Darin wird beispielsweise kritisiert, dass „hohe Wohnblöcke“ keinesfalls zu der bestehenden Siedlungsstruktur in der Umgebung passten. Eine „weitere, wichtige Grünfläche“ mit einem „biotopähnlichen Naturraum“ entlang des Kleinen Ascherbachs drohe zu verschwinden. Von 350 bis 500 Neubürgern ist die Rede, die eine schon angespannte Verkehrssituation zusätzlich verschärfen würden. Und die ursprünglich versprochene „enge Einbindung der betroffenen Bürger“ im Frühstadium der Planung habe es zu keiner Zeit gegeben. „Im Gegenteil fehlt jede Transparenz“, schreiben die Verfasser.

Seidl hält diesen Vorwurf für ungerechtfertigt: „Was hätte man ihnen sagen können, außer dass wir was vorhaben mit dem großen Grundstück? Viel mehr wäre nicht zu berichten gewesen.“ Eine ins Auge gefasste Anwohnerversammlung habe Corona verhindert. Vor der jüngsten Kommunal-Wahl hatten bereits alle sechs Bürgermeister-Kandidaten auf einen entsprechenden Fragebogen zum Baugebiet reagiert und dabei teilweise schon die bis dahin verabredeten Grundzüge der Planung vorgestellt.

Öffentlich behandelt wurde das Thema nach mehreren Sitzungen des Stadtrats hinter verschlossenen Türen aber erstmals in diesem Juni im Stadt-Entwicklungsausschuss. Bezahlbarer Wohnraum in Geschossbauten, Platz für eine neue Kindertagesstätte und ein „durchgrüntes Quartier“ wurden damals als Hauptziele genannt. Wesentliche Einzelheiten wie die Lage der Mehrfamilienhäuser und deren Höhe, Parkplätze und/oder Tiefgarage, die Begrünung mit einer möglichen Umgestaltung des Bachs sind noch offen.

Bei Details mitreden

Unverhandelbar ist für Seidl allerdings das Angebot an alle Puchheimer, bei den Details der Planung mitzureden. Die Anwohner glauben, dass aus „fernen Stadtteilen“ nicht beurteilt werden könne, wie massiv in ihre „Wohn- und Verkehrswelt“ eingegriffen werde. Der Bürgermeister hält dagegen, dass die Schaffung von Wohnraum, besonders von bezahlbarem, für die gesamte Stadt von Bedeutung sei. Dass es sich also an der Alpenstraße um eine Gemeinschaftsaufgabe „für ganz Puchheim“ handele.

Über die Frage, in welcher Weise die Bürger bei solchen Groß-Vorhaben mit entscheiden können, hat sich in den vergangenen Monaten übrigens ein eigener Arbeitskreis unterhalten. Ein Ergebnis: Die Stadt darf sich durchaus schon Gedanken über ein solches Projekt machen, bevor sie mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit geht.

Das 23 500 Quadratmeter große Grundstück war im Flächennutzungsplan seit Langem als Wohnbaufläche reserviert. Seit dem Wohnpark Roggenstein hat es keine Bebauung in ähnlichem Ausmaß mehr gegeben. Bei den Anwohnern gab es seit Bekanntwerden der Pläne viele Vorbehalte und teils auch Ängste vor einem sozialen Brennpunkt oder einer Art Ghetto. Teilweise akzeptieren die Nachbarn aber eine Bebauung auf der Wiese vor ihrer Tür, nur nicht in den befürchteten Dimensionen.

Der Stadtrat steht geschlossen hinter dem Projekt. Die Freien Wähler und die FDP hatten zuletzt lediglich gefordert, wenigstens für die vorerst abschließende Diskussion zu dem Thema im Stadtrat auch die Öffentlichkeit zuzulassen. Eine große Mehrheit war dagegen.

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