+
Puchheimer Asylhelfer und Bürgermeister Norbert Seidl nehmen in München an einer Demo „Ausbildung und Arbeit statt Abschiebepolitik“ teil. 

Demo in München

Arbeitserlaubnis: Asylhelfer kritisieren Landratsamt

Die Flüchtlingshelfer werfen dem Landratsamt vor, Arbeitserlaubnisse für nicht anerkannte Asylbewerber nur sehr restriktiv zu vergeben. Manche Flüchtlinge hätten ihren Job aufgeben müssen.

Puchheim – Trotz gegenteiliger Bekundungen, jeden Einzelfall objektiv zu prüfen, hätten allein in Puchheim mindestens 20 Flüchtlinge ihre bisherigen Jobs aufgeben müssen, beklagten die Asylhelfer bei einem Pressegespräch. „Die wollen einfach nicht,“ hieß es über die Genehmigungspraxis in der Kreisbehörde.

Migranten aus sicheren Herkunftsländern sollen sich wenig eingewöhnen

Arbeitserlaubnisse werden je nach Herkunftsland und vermutetem Integrationswillen und nach einer Einzelfallprüfung vergeben. Bei Flüchtlingen aus Bürgerkriegsländern wird in der Regel eine „Bleibeperspektive“ angenommen und die Genehmigung erteilt, sich selbst ein paar Euro zu verdienen. Anders bei Migranten aus sogenannten sicheren Herkunftsländern. Nach dem Willen der Staatsregierung sollen sie sich, da ihnen irgendwann ohnehin die Abschiebung droht, hier möglichst wenig eingewöhnen, auch nicht über einen Job.

Die Asylhelfer halten diese Praxis aus mehreren Gründen für widersinnig. Nicht anerkannte, aber geduldete Flüchtlinge und jene, die Hilfe bei Gericht suchen, würden monate- oder jahrelang von Steuergeldern finanziert, statt dass sie selbst mit für ihren Unterhalt aufkommen könnten. Wer nichts tue, sei anfälliger dafür, in die Kriminalität zu rutschen. Wer hier arbeiten oder einen Beruf lernen dürfe, nehme Qualifikationen mit zurück in die Heimat. Und schließlich würde auch Zuwanderungskritikern der Wind aus den Segeln genommen. „Ich hör’ oft: ’Die lungern ja nur rum’“, sagte Wolfgang Wuschig, in Puchheim Stadtratsreferent für interkulturelles Zusammenleben. Sicher könnten nicht alle Flüchtlinge bleiben. Aber solange sie da seien, brauche es eine pragmatische Lösung.

Arbeitserlaubnis hängt von „nachhaltigem Integrationspotenzial“ ab

Landrat Thomas Karmasin hatte in einem Schreiben an die Asylhelfer erklärt, die Regelungen zugunsten der Antragsteller auslegen zu wollen, wenn ein „nachhaltiges Integrationspotenzial“ erkennbar sei und keine „Nachteile für unser Sozialsystem“ zu erwarten seien. Nach den Puchheimer Erfahrungen hat sich in der Praxis aber „nicht viel bewegt“. In der Stadt leben rund 160 Flüchtlinge, zur Hälfte Syrer. Rund 50 von ihnen sind (noch) nicht als Asylbewerber anerkannt, 21 haben eine Arbeitserlaubnis. Landkreisweit wurden seit Jahresbeginn 37 Anträge genehmigt und 58 abgelehnt.

von Olf Paschen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Strohballenpresse bei Mammendorf fängt Feuer
Bis nach Mammendorf hinein zogen gestern Nachmittag Rauchwolken und Brandgeruch, als etwa 800 Meter außerhalb des Ortes eine landwirtschaftliche Strohballenpresse in …
Strohballenpresse bei Mammendorf fängt Feuer
Bunt statt weiß: Altstadtfest in neuem Licht
Das Brucker Altstadtfest geht in die 21. Runde. Neu ist unter anderem die Festbeleuchtung. Der Innenstadtbereich ist ab heute Vormittag für drei Tage gesperrt. Bruck …
Bunt statt weiß: Altstadtfest in neuem Licht
Dementer Mann (78) vermisst: Er ist mit dem Radl unterwegs
Seit Mittwoch, 19. Juli, ist der 78-jährige Erdmann Lüth aus Gröbenzell vermisst. Der Mann, der unter Demenz leidet, ist mit einem Fahrrad unterwegs. 
Dementer Mann (78) vermisst: Er ist mit dem Radl unterwegs
Im Allinger Moos: Hunde attackieren Spaziergänger
Eine Hundehalterin, deren beide Tiere wiederholt Spaziergänger und Jogger angefallen haben, wird Schwierigkeiten mit den Behörden bekommen, wenn sie ihre Vierbeiner …
Im Allinger Moos: Hunde attackieren Spaziergänger

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion