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Puchheim-Ort

Auf einen Ratsch im Dorfladen

Einkaufen im Dorfladen – in vielen Ortschaften erinnern sich daran nur noch die Alten. Nicht so in Puchheim-Ort. Dort betreibt die Familie Grüner einen der letzten Tante-Emma-Läden im Landkreis – und das seit 25 Jahren. Ans Aufhören denken die Grüners noch lange nicht.

Puchheim-Ort – Am Samstagvormittag kann es schon mal eng werden auf den 52 Quadratmetern. Die Türglocke bimmelt ohne Unterlass, immer mehr Kunden drängen herein. In jedem Supermarkt wäre die Stimmung längst gekippt. Zweite Kasse aufmachen! Sofort! Zeit ist kostbar! Bei den Grüners aber bleibt die Kundschaft entspannt. Hier vertreibt man sich die Wartezeit mit einem Ratsch. Wie geht’s dem Enkel? Was macht dem Opa seine Arthritis? Man kennt sich. Einkaufen in der Dorfstraße 26 hat auch eine soziale Komponente. Facebook analog sozusagen.

An soziale Medien denkt freilich noch niemand, als die Grüners am 21. Januar 1993 ihren kleinen Laden aufsperren. Der bisherige Inhaber Paul Kirsinger hatte aufgehört, die junge Familie sieht ihre Chance. „Am Anfang war es ein zweites Standbein für uns“, sagt Chefin Beate Grüner. Zu diesem Zeitpunkt betreiben die Grüners noch eine Metzgerei am Rosenheimer Platz in München. Die geben sie – nicht zuletzt wegen der astronomischen Miete – aber bald auf und konzentrieren sich ganz auf den Dorfladen in Puchheim.

Heute sagt Beate Grüner: „Wir haben es uns einfacher vorgestellt.“ Denn als im Jahr 2000 am Rand von Puchheim-Ort ein Supermarkt eröffnet, brechen schwere Zeiten an. Viele Ortler nutzen die neue Einkaufsmöglichkeit. Doch offenbar nicht genug. Eineinhalb Jahre später schließt der Spar am Ortsrand wieder. „Da haben wir schon aufgeatmet“, sagt Grüner.

Trotzdem: Allein von ihrem Tante-Emma-Laden könnte die Familie nicht leben. Deshalb bieten die Grüners auch Catering und einen Partyservice an. So freuen sich etwa Puchheims Stadträte bei ihren Sitzungen über kleine Snacks aus der Dorfstraße. Auch beim Neubürger-Empfang, der Sportler-Ehrung, anderen offiziellen Anlässen in der Stadt oder bei Festen im Ort sorgen die Grüners für die kulinarische Versorgung. Dann packen auch die anderen Familienmitglieder mit an, die sonst ihren eigenen Jobs nachgehen.

Die meiste Arbeit macht aber noch immer der 52 Quadratmeter große Laden. Zwischen 60 und 70 Stunden pro Woche sind Beate Grüner und ihre Tochter Steffi dort beschäftigt. Was andere längst in den Burnout getrieben hätte, perlt an dem Duo einfach ab.

Das liegt sowohl am engen Zusammenhalt in der Familie als auch am kurzen Arbeitsweg. Vor einigen Jahren haben die Grüners das Anwesen mit dem Laden gekauft. Vorbesitzer Paul Kirsinger hatte es seinerzeit der Gemeinde vermacht. Insgesamt drei Familien leben in drei Wohnungen in dem verschachtelten Gebäudekomplex an der Dorfstraße. „Das gibt einem Kraft“, sagen Mutter und Tochter.

Stolz sind die Grüners aber auch auf ihre Ortler Kundschaft. Als „Zuagroaste“ – die Familie kam erst Anfang der Neunzigerjahre in den Ort – sei es nicht selbstverständlich, dass man so herzlich in einem kleinen Dorf aufgenommen wird, sagt Beate Grüner. Und auch die Treue der Kundschaft rührt Mutter und Tochter. Niemand nehme es ihnen übel, wenn sie etwa ihren Laden im August drei Wochen zusperren. Die Grüners sind sich sicher: „Wir haben die besten Kunden weit und breit.“ (Tobias Gehre)

Zum Jubiläum

laden die Grüners ihre Kunden am Sonntag, 21. Januar, ab 10 Uhr ins Pfarrheim zu einem Weißwurst-Frühstück und einer Buchlesung ein.

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