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Was kommt auf den Teller? Die Stadt hat dabei als Sachaufwandsträger wenig Spielraum. 

Puchheim

90 000 Mahlzeiten im Jahr: Europaweite Ausschreibung für Schulessen

Essenslieferanten aus ganz Europa sind nun gefragt, damit die Puchheimer Schulkinder künftig etwas zu Essen bekommen. Die hohe Auftragssumme von drei Millionen Euro für die Verpflegung von vier Schulen macht eine Ausschreibung über den ganzen Kontinent erforderlich.

Puchheim– Essenslieferanten aus ganz Europa können sich demnächst darum bewerben, Puchheimer Schulkinder sattzubekommen. Der vorberatende Sozialausschuss des Stadtrats genehmigte jetzt eine europaweite Ausschreibung für die Mittagsverpflegung an den vier Schulen, die wegen der hohen Auftragssumme verpflichtend ist. Bei rund 90 000 Schulessen, die jährlich ausgegeben werden, kommen bei der geplanten fünfjährigen Laufzeit fast drei Millionen Euro zusammen.

Ausschluss von Tiefkühlkost erfolgreich angefochten

Die Vorgaben für eine derartige Ausschreibung lassen der Stadt als Schulaufwandsträger wenig Spielraum, wie ein Olchinger Unternehmensberater – selbst früher Koch in der Sternegastronomie – dem Ausschuss erläuterte. So wurde der von einer Münchner Schule vorgesehene Ausschluss von Tiefkühlkost von einem großen Unternehmen erfolgreich vor der Vergabekammer angefochten. Ebenso wenig ist es möglich, nur regionale Anbieter zuzulassen, wie es besonders Max Keil forderte. Schließlich sei Schule eine pädagogische Einrichtung und die Kinder sollten lernen, dass es nicht in ganz Deutschland denselben Pampf gebe, meinte der ubp-Stadtrat. Mit der Forderung nach „saisonalen“ Produkten in der Ausschreibung hofft man aber, diesem Anliegen doch entgegenkommen zu können.

Ausgeschlossen wird von der Stadt dagegen schon mal fertig gekochtes und dann wieder aufgewärmtes Essen. Nur Produkte, die kurz vor dem Garpunkt heruntergekühlt oder schockgefrostet wurden, dürfen in den Schulküchen fertig zubereitet werden. Vor letzteren Methode – auf Englisch „cook and freeze“ – warnte zwar Ex-Schulleiterin Rosmarie Ehm (SPD), denn mit aufgewärmter Tiefkühl-Mansche würden die Kinder „geschädigt fürs Leben“. Aber auch das von Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) mit „Guck und friss“ übersetzte Verfahren ist zulässig.

Täglich Gemüse oder Salat

Daneben gibt es eine Fülle von Anforderungen an den künftigen Caterer, der die Speisen beispielsweise „appetitanregend präsentieren“ und „abwechslungsreich würzen“ muss. Ein Ernährungsplan schreibt vor, wie oft bestimmte Lebensmittel anzubieten sind, Gemüse oder Salat müssen ohnehin täglich auf den Tisch. „Ob sie es dann essen, werden wir sehen“, meinte der Berater. Außerdem gibt es künftig zwei Menüs zur Auswahl und der gesamte Bio-Anteil muss mindestens zehn Prozent – gemessen am Warenwert – erreichen. Das gesamte Angebot soll durch ein externes Qualitätssicherungssystem laufend kontrolliert werden, außerdem soll ein „Essensgremium“ – mit Schülern, Eltern, Schulleitung und künftigem Dienstleister – den laufenden Betrieb „begleiten“.

Subventionierung durch die Stadt

Billiger wird die bisher von der Nachbarschaftshilfe übernommene, aber jetzt von der sonstigen Mittagsbetreuung getrennte Essensversorgung nicht. Allerdings hat die Stadt Haushaltsmittel zur Subventionierung eingeplant.

Nur im Grundsatz beschlossen wurde das künftige, bargeldlose Bestell- und Abrechnungssystem für die Schülereltern im Internet – hier gibt es noch Diskussionsbedarf. Denn zumindest an einer Puchheimer Grundschule könnte die Abwicklung über Computer Schwierigkeiten machen: „Die Eltern von Süd? Vergiss es,“ meinte die ehemalige Rektorin Ehm. (Olf Paschen)

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