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Der markante Aufkleber ist kein Witz: Sabine Schober mit ihrem Biomethan-Auto. Beim Tanken muss man allerdings gut im Voraus planen. In Deutschland gibt es gerade einmal 835 Tankstellen. 

Alternative zum E-Auto

Biomethan im Tank: Dieses Auto fährt mit Gas aus Stroh

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Autos, die mit Erdgas fahren, führen im Vergleich zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen eher ein Schattendasein. Dabei sind auch sie umweltfreundlicher und ressourcenschonend. Darauf will ein Ehepaar aus Puchheim aufmerksam machen.

Puchheim – Stroh im Tank – in großen grünen Buchstaben stehen die Worte auf dem Auto von Sabine Schober. Und das ist kein Witz. Seit Juli vergangenen Jahres fährt die Puchheimerin ausschließlich mit Biomethan als Treibstoff. Als ihr 16 Jahre alter Passat mit Dieselmotor im Unterhalt immer teurer wurde, dachten Sabine Schober und ihr Mann Stephan erst daran, sich ein E-Auto zu kaufen. Ökologisch sollte das neue Fahrzeug sein. Mit dem Thema beschäftigte sich das Puchheimer Paar bereits geraume Zeit. Sabine Schober ist auch Mitglied im Puchheimer Umweltbeirat. „Unser Haus ist komplett klimaneutral“, erzählt Stephan Schober (53).

E-Auto fällt durch

Doch das Thema E-Autos fiel schließlich durch. Alleine die Stromleitung zur Garage hätte 3000 Euro gekostet. „Außerdem gibt es bei E-Autos durchaus auch negative Seiten“, sagt der Puchheimer und verweist auf die Produktion der Akkus, die zur Zeit noch nicht klimaneutral sei. Und so kam es schließlich anders. „Wir erkundigten uns nach Gasautos.“

Dabei ist das Paar auch auf das Thema Biomethan aus Stroh gestoßen. Und drei Monate später stand schließlich der Seat Leon ST TGI vor der Tür. Sabine Schober (56) ist begeistert von ihrem neuen Fahrzeug: „Er fährt sich toll, ich bin mehr als zufrieden.“ Das Auto beschleunigt ähnlich wie ein konventionell betriebenes Fahrzeug. „Man hört den Motor kaum, aber ansonsten gibt es keine Unterschiede zum Benziner oder Diesel“, sagt die Puchheimerin. Außerdem stinke es beim Tanken nicht und es gebe auch keine schmutzigen Finger mehr. Ihr Mann Stephan ergänzt: „Durch das hohe Gewicht auf der Hinterachse liegt er sehr gut auf der Straße.“

Reichweite bis zu 400 Kilometer

Verursacht wird dieses Gewicht vom Tank – eine 200 Kilogramm schwere Konstruktion aus rostfreiem Edelstahl. Nötig ist das, um dem hohen Druck standzuhalten, unter dem sich das Gas im Tank befindet. Vergleichsweise gering ist das Gewicht des Methans, das nicht in Litern sondern kiloweise verkauft wird. Gut 15 Kilo fasst der Tank. Bei einem Verbrauch von rund vier Kilogramm auf 100 Kilometer hat das Auto eine Reichweite von 350 bis 400 Kilometern. Und die reizen Sabine und Stephan Schober auch oft genug aus.

„Unser Sohn studiert in Ulm, unsere Tochter war erst in Ravensburg und ist jetzt in Heidelberg“, erzählt die Puchheimerin. Beim Tanken muss aber gut im Voraus geplant werden. Denn in Deutschland gibt es gerade einmal 853 Tankstellen, die Erdgas anbieten. Bei der Bio-Variante sind es sogar noch ein paar weniger. „Das ist nicht viel, die Tankstellen verteilen sich aber recht gleichmäßig“, sagt Stephan Schober.

Steuervorteil

Er und seine Frau haben es bislang geschafft, ausschließlich mit Biomethan zu fahren. Für den Notfall hat das Auto aber auch noch einen 50-Liter-Benzintank. Finanziell hat sich der Umstieg auf das Erdgasauto für die Schobers auch gelohnt. „Steuerlich wird es wie ein Elektroauto bewertet“, erklärt Stephan Schober. Dazu kommt ein Erdgaspreis von knapp über einem Euro pro Kilo. „Bei Biomethan sind es nochmal rund 15 Cent mehr“, sagt der Puchheimer. Außerdem sei der Preis nicht den typischen Schwankungen des Benzins unterworfen.

Stammtisch

Mit ihrem Erdgasauto fühlen sich Sabine und Stephan Schober ein wenig wie Exoten. „In ganz Deutschland sind gerade einmal 80 000 Fahrzeuge zugelassen“, sagen sie. Immerhin gibt es in München einen deutschlandweit tätigen Club für Besitzer derartiger Autos. Dort sind Sabine und Stephan Schober auch Mitglied geworden und planen zusammen mit dem Club am 3. April einen Stammtisch für die Region München. Und nicht zuletzt hat die Clubmitgliedschaft das Paar auch in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

„Das war der Start in eine TV-Karriere“, sagt Stephan Schober. Auf Vermittlung des Clubs waren bereits mehrfach Kamerateams zu Gast. Stephan Schober erhofft sich einen weiteren Schub für CNG-Autos, die in der Öffentlichkeit im Schatten der E-Autos stehen. Die spielen bei den Schobers dagegen keine Rolle mehr. „Je mehr wir uns mit der E-Mobilität beschäftigt haben, desto mehr haben wir festgestellt, die zum jetzigen Zeitpunkt richtige Entscheidung getroffen zu haben“, sagt Sabine Schober.

So wird Biomethan als saubere Alternative zum Benzin gewonnen

Im Gegensatz zum Autogas, das als Nebenprodukt bei der Erdgas- und Erdölförderung sowie bei der Raffinierung von Erdöl anfällt, wird Biomethan nicht aus fossilen Rohstoffen, sondern aus Biomasse gewonnen. Zwar kommt Methan auch als fossiler Brennstoff (Erdgas) vor. Bei der Bio-Variante wird das Gas aber aus Stroh, Gülle oder Energiepflanzen wie Raps gewonnen. Der Satz „Stroh im Tank“ auf dem Auto von Sabine und Stephan Schober ist damit wörtlich zu nehmen. 

Während Autogas, das hauptsächlich aus Butan und Propan besteht, unter dem Namen LPG (aus dem Englischen Liquefied Petroleum Gas) bekannt ist, wird Erdgas und Biomethan als CNG (Compressed Natural Gas) bezeichnet. Methan verbrennt sauberer als Benzin. Die Kohlendioxid-, Kohlenmonoxid- und Stickstoffemissionen sind dadurch geringer. Bei Biomethan wird nur die Menge Kohlendioxid freigesetzt, die vorher durch die Pflanze gebunden wurde.

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