Kontroverse Diskussion im Sozialausschuss

Brauchen Schulen jetzt noch Luftreiniger?

Seit dieser Woche herrscht Selbsttestpflicht in den Schulen – für die Puchheimer Grünen ist das ein Argument auf den Kauf von teuren Luftfilteranlagen im Kampf gegen die Pandemie zu verzichten. Und damit sind sie nicht allein: Das Thema wurde im Sozialausschuss kontrovers diskutiert.

Luftreinigungsgeräte werden im Landkreis Freising nur in vier Räumen zweier Schulen zum Einsatz kommen, in denen nicht gelüftet werden kann.

Puchheim – In Puchheim bleibt es wohl bei der Entscheidung, keine Luftreinigungsgeräte für die städtischen Schulen anzuschaffen. Der Sozialausschuss des Stadtrats sprach sich jetzt jedenfalls dagegen aus, das Thema von der Verwaltung noch einmal gründlich aufbereiten zu lassen und dem gesamten Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen. Das Abstimmungsergebnis fiel anders als im vergangenen Herbst mit jetzt sechs zu fünf Stimmen aber denkbar knapp aus.

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) hatte den Ausschuss um dieses „Meinungsbild“ gebeten. Er selber habe zwar bisher regelmäßiges Stoß-Lüften für ausreichend gehalten, aber nicht mit der Dauer der Pandemie und einer Virus-Mutante gerechnet, die offenbar „besonders auf Kinder losgeht“.

Auch die Nachbarn in Bruck hätten nach anfänglicher Ablehnung umgedacht. und der öffentliche Druck auf die Entscheidungsträger steige. Mit den Worten „Leute macht’s was, lasst uns nicht mit Durchhalteparolen allein“ umriss Seidl die Erwartungshaltung an die Politik. Der tatsächliche Nutzen der Luftfilter werde dabei fast nachrangig. Sie könnten aber auf jeden Fall zusätzlich für Entlastung sorgen.

Deutlich gegen die Anschaffung sprachen sich die Grünen aus. Die Kinder würden vor Schulbeginn getestet und sollten von daher eigentlich virenfrei sein, sagte Barbara Ponn. Und an den Bedingungen in der Schule änderten die Luftreiniger auch nichts: Nach wie vor gelte Abstands- und Maskenpflicht und je nach Inzidenz Wechsel- oder Fernunterricht. „Für viel Geld wenig Nutzen“, war ihr Fazit.

Fraktionskollegin Gisella Gigliotti warnte davor, den Eltern durch eine solche Investition falsche Sicherheit vorzugaukeln. Auch Wolfgang Wuschig (ubp) sprach von einer „Beruhigungspille“ für die Mütter und Väter. Im Übrigen beginne die warme Jahreszeit, die das Fenster-Lüften einfacher mache. Günter Hoiß (CSU) hielt die Geräusch-Entwicklung der Geräte für unzumutbar.

„Das sind unsere Kinder. Da können wir nicht sagen, da machen wir nichts,“ meinte hingegen Dorothea Sippel (SPD). „Wir sollen entscheiden, aber das sind nicht meine Kinder“, stellte wiederum Sonja Strobl-Viehhauser (CSU) fest. Sie würde den jeweiligen Schulleitungen die Wahl lassen. „Wenn sie nicht wollen, werden wir sie nicht zwingen. Wenn schon, werde ich das unterstützen.“

Nach Schätzungen und Berechnungen aus dem vergangenen Winter wären allein für die Klassenzimmer der drei Grundschulen und der Mittelschule mindestens 89 Geräte notwendig. Eine Anschaffung für die Kitas war diesmal nicht Thema.

Trotz staatlicher Förderung müssten rund 300 000 Euro investiert werden, Unterhalt und Wartung kommen noch einmal auf einen fünfstelligen Betrag pro Jahr. Die Lieferfrist beträgt wohl rund drei Monate.

Der Bürgermeister hielt das Meinungsbild aus dem Ausschuss zwar nicht für sonderlich eindeutig, will aber von Verwaltungsseite aus erst mal nichts mehr in der Sache unternehmen. Aber: „Wenn es aus einzelnen Fraktionen noch mal auf die Tagesordnung kommt, dann ist das halt so.“ Im vergangenen November hatte der Stadtrat die Anschaffung von Luftreinigern, damals von FDP-Stadtrat Martin Koch beantragt, fast einstimmig abgelehnt.

von Olf Paschen

Rubriklistenbild: © SymbolFoto: Dittrich/dpa

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