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Am Tag danach. Weite Teile des Dachstuhls sind komplett verbrannt.

Halbe Million Euro Schaden 

Bub zündelt – danach brennt das Dach

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Puchheim - Eine halbe Million Euro – so hoch wird der Schaden nach einem Dachstuhlbrand in Puchheim geschätzt. Die Kriminalpolizei ermittelt. Im Fokus: Ein Bub, der auf dem Balkon gezündelt hat.

Frederike Preis, 60, hört am Dienstag um kurz vor 17 Uhr ein Scheppern. So als ob etwas gegen den Balkon ihrer Wohnung im zweiten Stock geknallt ist. Kurz darauf klingelt es plötzlich Sturm. Es ist der Nachbar. Er alarmiert die Bewohner des vierstöckigen Mehrfamilienhauses mit 16 Parteien. „Sofort das Haus verlassen!“, schreit er durch die Sprechanlage. Frederike Preis wirft sich einen Mantel über. Bevor sie aus der Wohnung rennt, bläst sie noch eine Kerze aus. Wenig später steht sie zusammen mit den anderen Bewohnern vor dem Gebäude und starrt fassungslos nach oben. Vom Dachgeschoss aus wabert der Rauch von Stockwerk zu Stockwerk.

Der Dachstuhl des Hauses in der Josef-Schauer-Straße, das 1992 errichtet wurde, ist nicht mehr zu retten. Ausgebrochen ist das Feuer auf dem Balkon einer der beiden Dachwohnungen. Rasend schnell greifen die Flammen auf die Konstruktion aus Holzbalken über. Schuld daran ist der Wind, wie Andreas Gierstorfer, Kommandant der Feuerwehr von Puchheim-Bahnhof, erklärt. Verletzt wird niemand. Die Bewohner könnten sich alle rechtzeitig vor den Flammen retten.

Die Schadenssumme verdoppelt sich

Die Polizei geht erst von einem Schaden von 250 000 Euro aus. Am Tag danach schätzt man bereits das Doppelte. Zudem verdichten sich Hinweise auf eine fahrlässige Brandstiftung. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf einen Buben. Zwölf oder dreizehn Jahre soll er alt sein – also im juristischen Sinn noch strafunmündig. Er lebt zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in einer der beiden Dachgeschosswohnungen, vier Zimmer, geschätzt 100 Quadratmeter.

Die Flammen schlagen auf das Dach über.

Wie ein Sprecher der Polizei mitteilt, hat der Schüler am Dienstagnachmittag auf dem Balkon gezündelt. Dabei bricht Feuer aus. Er versucht selbst zu löschen, möglicherweise indem er es abdeckt. Seinen Eltern verschweigt er die Zündelei.

Eine Stunde später steht der Balkon in Flammen, kurz darauf auch das Vordach, das darüber ragt. Die Eltern können nur noch die Feuerwehr rufen. Die Einsatzkräfte sind ein paar Minuten später vor Ort und bekommen den Brand – trotz des starken Windes – relativ schnell in Griff. Die Bewohner sammeln sich vor dem Gebäude. Einige halten sich in einem Gemeinschaftsraum des Gebäudekomplexes auf, bis sie zurück in ihre Wohnungen können. Die beiden Familien aus den Dachgeschosswohnungen können nicht zurück. Sie verbringen die Nacht laut Polizei im Hotel und bei Bekannten.

„Schau mal! Das ist das Haus, das gebrannt hat.“

Die Nachricht von dem Brand macht in Puchheim rasch die Runde. Am Mittwoch bleiben immer wieder Passanten stehen und schießen Fotos mit ihren Smartphones. Einmal fahren zwei Buben mit dem Radl vorbei. Der eine ruft dem anderen zu: „Schau mal! Das ist das Haus, das gebrannt hat.“

Frederike Preis und Günter Krauthan wohnen in dem Haus.

Das Vordach, das über die Balkone der beiden oberen Wohnungen ragt, und weite Teile des Dachstuhls darüber sind komplett verkohlt. Die Dachziegel sind runtergefallen. Im Treppenhaus hat das Löschwasser der Feuerwehr Spuren hinterlassen. Ruß klebt an Geländer und Stufen. Es riecht nach altem, kalten Rauch. Viele Bewohner haben die Fenster aufgerissen, um zu lüften.

Günter Krauthan, 66, quält sich mit zwei Krücken die Treppen zum Erdgeschoss hinunter. Der Aufzug funktioniert seit dem Brand nicht mehr. Krauthan wohnt im dritten Stock, direkt unter der Wohnung, auf deren Balkon das Feuer tags zuvor ausgebrochen ist. Er hatte Glück. Er war während des Brands nicht zuhause. Sein Enkel hatte Geburtstag. Er erzählt, von dem Unglück habe er erst erfahren, als er am Abend nach Hause kam.

Gerüchte um Explosion

Bewohner, die am Brandabend daheim waren, berichten von einem lauten Knall. Einige sprechen gar von einer Explosion. Hat der Bub vielleicht mit Feuerwerkskörpern gezündelt? Feuerwehr und Polizei weisen das als Gerücht zurück. Kommandant Gierstorfer glaubt, dass vielleicht Dachziegel gegen Balkone gefallen sind und manche den Knall als Explosion wahrgenommen haben.

Claudia S. wohnt mit ihrer Familie neben der Brandwohnung. Am Dienstagnachmittag ist die Familie nicht zuhause. Noch am Abend wird Claudia S. per Telefon informiert. Am Mittwochnachmittag steht sie mitten in der ganzen Bescherung. „Wir räumen auf“, sagt sie. „Unser Balkon ist komplett verbrannt.“ Hinzu kommen die Schäden durch das Löschwasser. Unten im Eingangsbereich sperrt Frederike Preis ihren Briefkasten auf. Sie will zum Einkaufen. In ihrer Wohnung sind keine Schäden entstanden. Das einzige, was noch an den Brand erinnert, sei der Geruch. Sie sagt: „Es stinkt einfach.“

rat

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