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Während der Fahrt: Bürgermeister Norbert Seidl (l.). Da sich die drei nicht überall auskennen, müssen sie gut aufpassen. Denn teilweise ist die Haltestellen-Anzeige defekt.

Bus und S-Bahn auf dem Prüfstand

Bürgermeister erfährt seine Stadt - im wahrsten Sinne

Puchheim - Zu spät, zu voll: Über Bus und S-Bahn wird viel geschimpft. Nun machte sich Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl selbst ein Bild: Er testete die Buslinien in der Stadt – und erlebte dabei so manche böse Überraschung.

„Pünktlich wie die Eisenbahn“, meint Norbert Seidl lachend als er am S-Bahnhof Puchheim um 11.32 Uhr in die Buslinie 854 steigt. Ihn begleiten Stadtentwicklungsreferent Reinhold Koch und Karl-Heinz Türkner, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Die drei interessiert vor allem die Linienführung, die Servicefreundlichkeit und die Benutzerströme.

Die ersten drei Etappen ihrer Tour, nämlich mit dem 832 zum S-Bahnhof Gröbenzell, von dort mit der S-Bahn nach Lochhausen und dann wieder mit dem 830 zurück zum Puchheimer Bahnhof haben sie schon hinter sich. Und beinahe hätten sie ihren Bus, den 854, verpasst.

„Fast wären wir zu spät gekommen“, erzählt Seidl auf der Fahrt in die Lohfeldstraße. „Beim 832 war die Anzeige defekt, und der Fahrer hat die Stationen auch nicht angesagt. Da sind wir dann versehentlich eine Station zu weit gefahren.“ Ohne genaue Ortskenntnisse – und die haben die drei Puchheimer in Gröbenzell verständlicherweise nicht – könne es da

schon schwierig werden, die richtige Haltestelle nicht zu verpassen, so Seidl.

An der Haltestelle Lohfeldstraße wollen der Bürgermeister und seine zwei Begleiter aussteigen, um dann mit dem X 845 weiter zum Kriegerdenkmal zu fahren. Doch der Bus hält nicht an, obwohl Seidl gedrückt hat. Die Anzeige blinkt auch. Die Begründung des Busfahrers: „An der Haltestelle will sonst niemand raus.“ Erst nachdem Seidl den Mann darauf hinweist, dass sie gerne aussteigen möchten, hält dieser. Allerdings 200 Meter nach der eigentlichen Haltestelle.

„Es gibt auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf“, sagt Seidl nach seiner Tour mit Bus und Bahn. Beeindruckt zeigt er sich aber von den Express-Bussen: „Also vom Kriegerdenkmal in zehn Minuten Fahrzeit nach Bruck, das ist schon flott.“

Privat benutzt der Rathauschef eigentlich fast nie die Öffentlichen. „Im Sommer nehme ich das Rad, im Winter das Auto“, erklärt er. Umso wichtiger sei für ihn der Austausch mit den Fahrgästen gewesen. Deshalb spricht er auch auf seiner Tour mit Schulkindern über die Pünktlichkeit der Schulbusse und mit Pendlern über die Anschlussmöglichkeiten.

Als Informationsquelle nutzt Seidl auch die MVV-App auf seinem I-Phone. „Besonders verwirrend finde ich, dass es drei verschiedene Apps gibt. Die von MVV, MVG und von der DB“, stellte er fest. Wo die genauen Unterschiede liegen, das habe er nicht wirklich herausfinden können. Er versucht auch, über die App ein Ticket zu kaufen, doch er gibt auf. „Da muss man seine Kreditkarteninformationen hinterlegen, das mache ich jetzt nicht.“ Praktisch sei aber, dass man mit den Apps über einen Code auf den Schildern an den Haltestellen die Abfahrtszeiten direkt aufs Handy laden könne. Von seiner Tour berichtete Bürgermeister Seidl live auf seiner Facebook-Seite und auf Twitter.

Von Marco Gierschewski

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