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Programm soll Grundkenntnisse vermitteln

Computer-Führerschein für Grundschüler

Kinder sollen in der Schule lernen, sich in der Welt zurechtzufinden. Dass dazu heute auch die virtuelle Welt gehört, macht ein Medienkonzept deutlich, das die drei Puchheimer Grundschulen (auf Wunsch der Stadt) gemeinsam erarbeitet haben.

Puchheim –  Ziel ist, schon die Viertklässler mit Grundkenntnissen über Hard- und Software, Dateien und Programme auf weiterführende Schulen zu entlassen.

Dazu wurde ein „Computer-Führerschein“ erarbeitet. Das Konzept ist eine der Voraussetzungen, um Mittel aus dem bayerischen Förderpaket für das „digitale Klassenzimmer“ zu erhalten. Im Sozialausschuss des Stadtrats wurde es jetzt vorgestellt.

Am Ende der zweiten Klasse sollen die Schüler laut Führerschein beispielsweise Kindersuchmaschinen benutzen und Bilder am Computer gestalten können. Zwei Jahre später könnten sie wissen, wie man Dateien anlegt oder sicher im Internet recherchiert. Im Idealfall können sie dann schon einen Lerncomputer für Kinder programmieren.

Wie Christian Römmelt, neuer Rektor der Grundschule Süd, dem Ausschuss erläuterte, sollen die Kinder eine neue „Kernkompetenz“ gewinnen und „mit Freude an Digitales rangehen“. Der Computer wäre dann keine undurchschaubare und unverständliche „black box“, sondern eine mit logischen Schritten arbeitende Maschine, die man manipulieren kann.

Programmieren Ja, Kopfrechnen Nein

Im Ausschuss gab es unterschiedliche Ansichten über diese schulische Zukunft. Die spielerische Heranführung sei schon in Ordnung, aber ihr falle auf, dass Kinder und Jugendliche heute gar nicht mehr richtig sprechen könnten, meinte Sonja Strobl-Viehhauser (CSU). Kulturpessimistisch klang auch Wolfgang Wuschig (ubp): Das Ganze klinge ja sehr fortschrittlich, aber irgendwann könnten die Kinder programmieren, aber nicht mehr Kopfrechnen. Günter Hoiß (CSU) vermisste Lektionen zur IT-Sicherheit und warnte vor den massiven Auswirkungen der Bildschirm-Schule auf die Sehkraft. „Wir setzen die Kinder nicht fünf Stunden vor den Computer“, versuchte Schulreferentin Sabrina Färber (SPD) zu beruhigen. Weil sie nachmittags fünf Stunden davor verbringen würden, vermutete Hoiß.

Solche Diskussionen gebe es seit der Erfindung des Taschenrechners, meinte Bürgermeister Norbert Seidl. Die Menschheit habe aber seitdem „kognitive Fortschritte“ gemacht und auf „Holzklötzchen“ im Unterricht setzten nur noch wenige pädagogische Ansätze. Ihn trieb eine andere Frage um: „Wie sieht’s mit der Netzleistung aus?“ „Schlecht“, bestätigte der Rektor. Trotzdem sollen die drei Grundschulen (und die Mittelschule) mit neuer Hardware im Gesamtwert von 175 000 Euro ausgestattet werden. Der Freistaat deckt theoretisch bis zu 90 Prozent der Kosten ab.

OLF PASCHEN

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