Auf seinen Feldern bilden sich immer mehr Trampelpfade: Bauernobmann Georg Huber beobachtet täglich Spaziergänger, die nicht auf den Wegen bleiben.
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Auf seinen Feldern bilden sich immer mehr Trampelpfade: Bauernobmann Georg Huber beobachtet täglich Spaziergänger, die nicht auf den Wegen bleiben.

„Ein Unvernünftiger zieht fünf weitere an“

Ausflügler-Ansturm im Lockdown: Spaziergänger zertrampeln Felder - Landwirt mit eindringlichem Appell

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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Nach Wochen der Eiseskälte herrschten in den vergangenen Tagen beinahe sommerliche Temperaturen. Viele zog es hinaus in die Natur. Doch die neu entdeckte Lust der Menschen am Spazierengehen hat auch ihre Schattenseiten. Flora und Fauna ächzen unter dem Ansturm der vielen Ausflügler.

Puchheim – „So viele Spaziergänger wie an diesem Wochenende habe ich noch nie erlebt. Auch nicht im ersten Lockdown“, sagt Georg Huber, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Aber auch: „Ich kann das natürlich nachvollziehen.“ Der 46-jährige Landwirt hat seinen Hof in Puchheim. Seine Felder liegen im am stärksten betroffenen Bereich: der östliche Landkreis, an den das Münchner Stadtgebiet und dessen Randbezirke grenzen. Von dort kämen laut Huber auch die meisten der Ausflügler – zumindest wenn man den Autokennzeichen glauben darf.

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Und mit den Autos fangen die Probleme an. Oftmals werden Feldwege und deren Zufahrten von den Spaziergängern zugeparkt. Für einen großen Traktor bleibt da kein Platz mehr. Huber will aber keine böse Absicht unterstellen. Es fehle bei vielen Menschen einfach das Verständnis für den Alltag in der Landwirtschaft - unter anderem dafür, wie groß die Fahrzeuge tatsächlich sind. Die Arbeit des Landwirts behindert das aber natürlich enorm. „Es ist sogar schon passiert, dass ich nicht mehr aus dem Hof herausgekommen bin“, erzählt Huber.

Mit den Autos muss sich vor allem der Landwirt herumschlagen, aber eine andere Sache betrifft dagegen Tiere und Pflanzen entlang der Feldwege. Huber hat - so wie viele andere Bauern auch - auf eigene Kosten Blühstreifen am Rand der Felder angelegt. Auf einer Breite von rund sechs Metern und einer Länge bis zu 300 Metern werden die Felder dort nicht bestellt. Stattdessen soll an diesen Stellen ein Rückzugsort für Insekten und als Folge daraus auch für Wild entstehen.

Besucher-Ansturm im Lockdown: Spaziergänger zertrampeln Felder von Landwirt

Doch auch für Spaziergänger scheinen diese Bereiche eine fast magische Anziehungskraft zu entwickeln. Es dauere nicht lange, so Huber, und der erste marschiere querfeldein hindurch. Das Problem: „Ein Unvernünftiger zieht immer fünf weitere an“, sagt Huber. Und ehe man sich versieht, ist an der Stelle ein Trampelpfad entstanden. „Der Sinn des Streifens ist dann eigentlich aufgehoben.“

Aber auch hier äußert Huber Verständnis. Für einen Laien sei nicht abzuschätzen, welchen Schaden er anrichtet. Er appelliert deshalb: „Wenn ich mir nicht sicher bin, bleibe ich draußen.“ Das gelte auch für die Anbauflächen auf den Feldern.

Corona-Lockdown: Ausflügler zieht es in die Natur - Landwirt zeigt Verständnis

Denn dorthin ziehe sich das Wild zurück, wenn auf den Wegen Hochbetrieb herrscht, erklärt der 46-Jährige. Und auch wenn es derzeit Temperaturen im zweistelligen Bereich hat, sind die Tiere weiter im Winter-Modus. Das heißt ihr Kreislauf ist heruntergefahren. Jedes Mal, wenn sie vor einem Menschen oder auch dessen Hund flüchten müssen, erzeugt unnötigen Stress für die Tiere. Deshalb hat Huber eine eindringliche Bitte an alles Spaziergänger: „Wir haben so viele gute, hergerichtete Wege. Bleiben Sie auf diesen.“

Die vielen Spaziergänger in den Wäldern machen während der Corona-Krise auch den Jägern das Leben schwer. Und die Corona-Inzidenz im Landkreis Fürstenfeldbruck lief inzwischen nur noch knapp unter 50. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen FFB-Newsletter.

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