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Zucchini und Zierpflanzen haben bei ihm keine Berührungsängste: Georg Johannes Miller in seinem Garten in der Anlage der Puchheimer Wühlmäuse.

Er will informieren

Donald und Wladimir - Darum gibt ein Puchheimer Gärtner seinen Pflanzen Namen

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Wenn Kunst und Garten zusammentreffen, ist Georg Johannes Miller nicht weit: Der 67-Jährige hat sich in der Krautgartenanlage der Puchheimer Wühlmäuse ein Paradies geschaffen.

Puchheim– Wladimir und Donald – so hat Georg Johannes Miller zwei der Stars in seinem Garten getauft. Wladimir, der Kürbis, begann sein Leben als kränkliches Pflänzchen, hat sich aber mittlerweile ganz schön breit gemacht. Er überwuchert einen der Trampelpfade zwischen den Beeten, liefert sich einen Wachstums-Wettstreit mit der Kapuzinerkresse und ist inzwischen sogar größer als Donald, Salatpflanze der Sorte „Amerikanischer Brauner“.

Millers blaue Augen strahlen, wenn er Besucher durch sein Pflanzen-Reich führt. Der 67-Jährige werkelt täglich auf seiner 50 Quadratmeter großen Parzelle in der Puchheimer Krautgartenanlage „Wühlmäuse“. Und weil der begeisterte Hobbygärtner auch Künstler ist, bezeichnet er seinen Garten „Kunterbunt“ als lebende Installation – nicht nur, weil die Pflanzen Lebewesen sind, sondern weil sich hier im Laufe der Saison einiges verselbstständigt hat.

Immer wieder tauchen Kartoffeln des Vorbesitzers auf

Zwischen frisch gesäten Blumen tauchten im Frühjahr immer wieder Kartoffeln auf, die offenbar noch vom Vorbesitzer der Parzelle stammten. Statt die ungebetenen Gäste hinauszuwerfen, gab Miller ihnen an anderen Stellen des Gartens ein neues Zuhause. „Ab Mitte Mai hieß die Devise: Kommt gut miteinander aus und wachst schön“, erzählt der Betriebswirt, frühere Tourismusexperte und Regionalberater mit besonderem Interesse an ökologischen Themen. Die Devise gilt für alle Pflanzen in seinem Garten.

Bewusst ließ Miller zwischen „Gemüse-Inseln“ Unkräuter stehen und hegte und pflegte sie ebenso wie die Nutzpflanzen. Bienen und andere Insekten danken es ihm mit zahlreichem Erscheinen. Heute stehen blühende Schmuckkörbchen und Zinnien neben Zuckerhut und Zucchini. Salate sprießen üppig, zehn Kilo Johannisbeeren wurden bereits geerntet, und sogar den Tomaten gefällt es bei Miller, obwohl sie kein Dach über dem Kopf haben. „Dabei heißt es, dass Tomaten kein Wasser von oben vertragen“, sagt der 67-Jährige und blickt zufrieden auf seine reich tragenden Pflanzen, auf die heute Vormittag der Regen tropft. Dass er nicht die Zeit gefunden hat, ihnen ein Tomaten-Haus zu bauen, macht offensichtlich nichts.

Miller: „Menschen haben den Bezug zur Herkunft der Lebensmittel verloren“

Millers humorvolle Führung durch sein kunterbuntes Paradies hat einen ernsten Hintergrund. Es treibt ihn um, dass der Mensch den Bezug zur Herkunft seiner Lebensmittel so sehr verloren hat, dass sogar seine eigene Tochter ihn vor einiger Zeit fragte, wie eigentlich die Kartoffeln in die Erde kommen. „Da hast du als Vater wohl etwas falsch gemacht“, dachte sich der begeisterte Fotograf und Maler. „Das passiert dir aber bei deinen Enkeln nicht mehr.“

So nimmt der bewusst ohne Auto, Handy, Fernseher und Radio lebende Gröbenzeller den sechsjährigen Jonas und die vierjährige Elise regelmäßig mit in den Garten. Die beiden wissen jetzt, wie Kartoffeln in die Erde kommen, dass die Blüten der „Cappuccino-Kresse“ (O-Ton Jonas) super schmecken und dass Essiggurken nicht im Glas wachsen. Auch einem Studenten aus Hamburg und einem Mittelschüler (13) aus Puchheim hat Miller die Gelegenheit gegeben, im Garten mitzuarbeiten. Beide waren begeistert von der neuen Erfahrung. „Mir geht es darum, der Generation nach uns aufzuzeigen, dass es außer Handy und Apps noch etwas anderes gibt, dass beispielsweise ‘Natur genießen’ heißen könnte.“

Dasselbe Ziel verfolgt die Vorsitzende des Krautgartenvereins, Sabine Matthies-Kellner, mit ihrem Projekt „Kräuterkinder“. Jahrelang hat sie Gruppen von Sechs- bis 14-Jährigen betreut, die in der Gartenanlage eigene kleine Beete bestellen durften. Doch seit einem Jahr haben sich keine Kinder mehr gefunden, die mitmachen wollten. Matthies-Kellner bedauert das und hofft, dass sich nach den Sommerferien neuer Gärtner-Nachwuchs einfindet.

Führung

Eine öffentliche Führung durch seinen Garten an der Bäumlstraße 12 bietet Künstler Georg Johannes Miller am Samstag, 7. September, um 14 Uhr an.

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