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Der Unfall bei Puchheim-Ort.

Puchheim-Ort

Nach Unfall entbrennt Debatte neu: Darum ist die B 2 hier besonders gefährlich

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Der schwere Unfall mit sieben Schwerverletzten auf der B 2 am Samstag hat die Diskussion um die umstrittenen Einfahrten erneut entfacht. Über das richtige Verhalten auf den Beschleunigungsstreifen herrscht bei Autofahrern nach wie vor oft Unklarheit – dabei gibt es klare Regeln.

Puchheim-Ort – Nur eine eingeknickte Leitplanke und die gelben Striche der Gutachter auf der Fahrbahn erinnern noch an das Drama, das sich am Samstagabend auf der B 2 bei Puchheim-Ort abspielte. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat ein Wohnmobil, das auf die Bundesstraße auffuhr, den schweren Unfall verursacht. Mehrere Fahrzeuge waren dadurch ineinander gekracht. Zwei der sieben schwerverletzten Unfallopfer schwebten gestern noch immer in Lebensgefahr.

Die seit Jahren währende Debatte über die Gestaltung der Auffahrten ist nach dem Crash wieder in vollem Gange. Immer wieder wird dabei kritisiert, dass diese zu kurz und die Autos auf der Bundesstraße zu schnell seien. Und auch über das richtige Verhalten beim Auffahren gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Die Polizei

Bei der Germeringer Polizei hat man allerdings eine klare Meinung. Bei fließendem Verkehr solle man am Anfang der Auffahrten warten, bis sich eine ausreichend große Lücke auftut, und dann auf dem Streifen beschleunigen, rät Vize-Polizeichef Andreas Ruch. Beim so genannten Stop and Go sei es aber ratsam, bis nach vorne zu fahren. „Man ist dann auf das Wohlwollen der Autofahrer auf der Bundesstraße angewiesen“, sagt Ruch.

Dringend rät Ruch davon ab, vor einem auf dem Beschleunigungsstreifen wartenden Auto auf die Bundesstraße zu fahren. „Das ist ein Gebot der Fairness.“ Generell appelliert der stellvertretende Inspektionsleiter an die Autofahrer, Rücksicht walten zu lassen. „Aber das Miteinander auf der Straße nimmt leider immer mehr ab.“

Der Fahrlehrer

Auch der Germeringer Fahrlehrer Matthias Schott weiß um die Gefahr auf den Beschleunigungsstreifen. „Selbst für erfahrene Autofahrer sind das schwierige Stellen“, sagt er. Mit seinen Fahrschülern fährt er etwa bis zur Mitte der Streifen und wartet dort auf eine Lücke im laufnden Verkehr auf der B 2. Sonst laufe man Gefahr, dass von hinten kommende Autos auffahren. Das richtige Verhalten übt Schott immer wieder mit seinen Schülern. „Bis es ihnen zum Hals raushängt“, sagt der Fahrlehrer.

Die Leitplanken

Kritik an der Bundesstraße gibt es auch immer wieder wegen der auf beiden Seiten nahezu durchgehenden Leitplanken zwischen Puchheim-Ort und Alling. Bei nicht wenigen Autofahrern kommt da ein Gefühl auf wie in einem Tunnel – ohne Möglichkeit, bei Gefahr auszuweichen.

Das Verkehrsamt

Karl Stecher, Referatsleiter im Straßenverkehrsamt des Landratsamtes, erklärt, warum die Leitplanken gebaut wurden: Die Bundesstraße durchquert auf diesem Abschnitt ein Wasserschutzgebiet. Die Leitplanken sind Vorschrift, damit keine Schmierstoffe oder andere Verunreinigungen in den Boden gelangen.

Stecher bezweifelt jedoch, dass die Leitplanken die Sicherheit einschränken. „Man kann zwar nicht ausweichen, aber man kann auch nicht gegen einen Baum krachen“, sagt er. Den Gedanken, dass Autofahrer ohne die Leitplanken bei Gefahrensituationen in einen Acker ausweichen könnten, hält Stecher für fragwürdig. Dort könnte sich das Auto schnell überschlagen. Zudem böte die Leitplanke mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger auf dem parallel zur Bundesstraße verlaufenden Weg.

Das Straßenbauamt

Wo Leitplanken installiert werden, wird ganz grundsätzlich in einer bundesweit gültigen Richtlinie geregelt. Auf rund 30 DIN A 4-Seiten ist in dem Werk genau geregelt, wo die Metallbegrenzungen installiert werden müssen, erklärt ein Sprecher des zuständigen Straßenbauamtes in Freising.

So seien etwa Rad- und Fußwege zu schützen. Auch bei Bäumen, Böschungen oder Brücken sieht das Regelwerk Leitplanken vor. Deshalb ist auch der Bereich, in dem es am Samstag so schlimm gekracht hat, von Leitplanken umgeben – dort unterquert der aus Germering kommende Holzbach die Bundesstraße.

Schlimme Unfälle

Auf der B 2 östlich von Fürstenfeldbruck hat es in jüngerer Vergangenheit immer wieder schwerste Unfälle gegeben, bei denen Menschen starben oder sehr schwer verletzt wurden. Der wohl dramatischste passierte im April 2017 bei Germering. Ein Kleinwagen wurde bei der Auffahrt am Gewerbegebiet in den Gegenverkehr gedrängt. Bei dem Zusammenstoß starb ein dreijähriges Mädchen.

Im Mai 2018 krachte es an genau derselben Stelle wie jetzt am Samstag. Weil ein Auto aus der Auffahrt in die Straße ragte, mussten andere Fahrer stark bremsen. Ein Motorradfahrer erkannte das zu spät, fuhr auf, stürzte und wurde auf der Gegenfahrbahn von einem Auto überrollt. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Knapp einen Monat später drängte ein Auto an der weiter östlich gelegenen Auffahrt einen anderen Wagen in den Gegenverkehr. Dabei wurde eine 32-Jährige schwerst verletzt. Die Unfallverursacherin fuhr damals einfach weiter.

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