Der Starzelbach (hier bei Eichenau) gilt auch als Überschwemmungsgefahr für Puchheimer Gebiete. 

Pucheim

Debatte um neue Hochwasserkartierung

Die Überschwemmungsgebiete werden neu definiert und das dürfte auch Bauherren hoffen lassen. Immerhin unterliegen Bauvorhaben auf Hochwasserareal erheblichen Einschränkungen. Die Puchheimer Grünen forderten nun, die Betroffenen bereits jetzt zu informieren.

Puchheim – Dürfen Bürger, die in einem sogenannten Überschwemmungsgebiet bauen wollen, darauf hingewiesen werden, dass sie möglicherweise bald nicht mehr in einer solchen mit vielerlei Einschränkungen verbunden Zone leben? Ein Antrag der Grünen, die eben dies im Sinne der Transparenz gefordert hatten, stieß jetzt im Stadtrat auf fast einhellige Ablehnung. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) warf den Antragstellern vor, bloße Vermutungen in den Raum zu werfen, CSU-Fraktionschef Thomas Hofschuster sprach von vagen Behauptungen.

Die Grünen hatten dagegen bei einer Konferenz mit Parteifreunden aus den Nachbarkommunen erfahren, dass in anderen Rathäusern gegenüber Bauwerbern offenbar offener Auskunft gegeben werde. Tatsächlich liegt Städten und Gemeinden schon seit November ein überarbeiteter Entwurf zur Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete vor. Der soll allerdings vertraulich behandelt werden.

Kartierung

Vor drei Jahren waren vom Landratsamt auf Grundlage von Berechnungen des Wasserwirtschaftsamtes jene Gegenden festgelegt worden, die bei einem hundertjährigen Hochwasser von Ascher-, Gröben- oder Starzelbach überflutet werden könnten. Damit sind erhebliche Restriktionen beim Bauen verbunden, wenn es überhaupt möglich ist, müssen Ausgleichsflächen gefunden werden. Wie sich zeigte, beruhten Lage und Ausmaß der ausgewiesenen Risikogebiete aber wohl auf unzureichenden Messungen. Die fünf Kommunen Alling, Eichenau, Gröbenzell, Olching und Puchheim, die sich um ein gemeinsames Hochwasserschutzkonzept für die drei Bäche bemühen, ließen von einem Fachbüro ein digitales Geländemodell erstellen, das wesentliche Abweichungen von den Daten des Wasserwirtschaftsamtes zeigte. Die Überschwemmungsgebiete wurden neu berechnet, diese bereits vorliegende Fassung muss noch vom Wasserwirtschaftsamt abschließend akzeptiert werden. Bis Ende März sollen die Kommunen einen gültigen, überarbeiteten Entwurf erhalten.

Für Puchheim eher günstig

Die Grünen bezogen sich in ihrem Antrag auch auf ein Beispiel aus Puchheim, bei dem die alten Überschwemmungszonen schon keine Rolle mehr spielten: das neue Kinderhaus im Wohnpark Roggenstein. Anders als gedacht, mussten für den versiegelten Grund keine Ausgleichsflächen bereitgestellt werden. Eine Messung vor Ort zeigte, dass das Gelände 40 Zentimeter höher liegt als in den Karten des Wasserwirtschaftsamtes angenommen. Dann sei es nur fair, so die Grünen, auch andere Bauwerber auf die fehlerhafte Datengrundlage hinzuweisen. Das Kinderhaus, versicherte jetzt die Verwaltung, sei ein Einzelfall gewesen und habe nichts mit der generellen Überarbeitung der Pläne zu tun. Bauwerber in den kritischen Zonen würden jetzt schon auf die Überschwemmungsgebiete und deren mögliche Neufassung hingewiesen.

Verglichen mit den Unterliegern Gröbenzell und Olching war Puchheim – mit Ausnahme des Stadtteils Ort und etwas größerer Flächen im Süden – noch relativ wenig von den bisherigen Hochwasserzonen betroffen. Ebenfalls anders als in den Nachbarkommunen deckten sich hier die festgesetzten Überschwemmungsflächen zudem weitgehend mit den tatsächlich schon mal überfluteten Gegenden.

Trotzdem, so Bürgermeister Norbert Seidl im Stadtrat, dürfte die Neufassung für Puchheim eher günstig ausfallen. Jedenfalls lasse die Verwaltung keinen „armen Häuslebauer in der Luft hängen“. Man wisse schlicht und ergreifend noch nicht, wo das Bauen dann einfacher oder schwieriger werde. Reine Vermutungen seien angesichts der Unsicherheit und der Sorgen der betroffenen Grundstücksbesitzer jedenfalls keine Hilfe.  

Gröbenzell will informieren, wenn Karten vorliegen

Auch der Gröbenzeller Gemeinderat hat sich mit einem Antrag der Grünen über die wohl bevorstehende Änderung der vorläufigen Sicherung des Überschwemmungsgebietes an Gröben-, Ascher-, und Starzelbach befasst. Martin Runge hatte gefordert, Bürger und vor allem Bauwerber über die Neufassung zu informieren. Er hat von der Staatsregierung die Information erhalten, dass die vorläufige Sicherung der Überschwemmungsgebiete von Januar 2016 großteils fehlerhaft ist. Runge rechnet damit, dass diese noch im ersten Quartal diesen Jahres abgeschlossen ist und das Landratsamt dann nach Übermittlung der neuen Karten innerhalb von drei Monaten eine neue vorläufige Sicherung vornehmen wird. 

Er erwartet, dass Gröbenzell weniger Überschwemmungsgebiete als bisher aufweist. Für so manchen Bauherren hat dies gravierende Folgen. Es muss hochwasserangepasst gebaut und es müssen Ausgleichsflächen gesucht werden. Daher hat Runge beantragt, Bauwerber, die im derzeit festgesetzten Überschwemmungsgebiet bauen wollen, über die voraussichtliche Änderung zu informieren. Doch Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) weigert sich, eine solche Information zum derzeitigen Stand an Bauwerber weiter zu geben: „Ich werde den Teufel tun und den Bauwerbern etwas erzählen, was nicht amtlich ist.“ Die Fraktionssprecherin der UWG, Marianne Kaunzinger, blies in das gleiche Horn und erklärte „wir haben keine Rechtsgrundlage“. Dem Antrag Runges stimmte der Gemeinderat dann aber einstimmig zu. „Wir werden berichten“, kündigte der Bürgermeister an. Und wie er auf Tagblattnachfrage hinzufügte:„Wenn Karten vorliegen.“ (op/sus)

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