Karl Moser war ein Workaholic und ein passionierter Bergsteiger.
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Karl Moser war ein Workaholic und ein passionierter Bergsteiger.

Puchheim

Trauer um Karl Moser

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Von früh um sieben bis abends um sieben im Geschäft, morgens der Erste und abends der Letzte – man muss eine Menge Leidenschaft für seinen Beruf mitbringen, um das jahrzehntelang durchzuziehen. Karl Moser hatte diese Leidenschaft, und zwar reichlich – sogar noch, als er dem Alter nach längst im Ruhestand hätte sein können.

Puchheim - Warum er noch immer jeden Tag ins Autohaus komme, hat ihn mal ein Auszubildender gefragt. „Soll ich vielleicht zu Hause Briefmarken einkleben?“, gab der Senior trocken zurück. Ein Leben ohne seine Arbeit war für ihn nicht vorstellbar.

Dass er handwerklich geschickt war, fiel seinen Eltern früh auf. Moser wuchs mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof in Schöngeising auf und interessierte sich von frühester Jugend an für Autos. Mit 14 Jahren trat er eine Lehre beim Münchner Automobilhändler Mahag an. Dank seines enormen Fleißes ging es rasch bergauf – mit 23 Jahren legte er als einer der Jüngsten in Bayern seine Meisterprüfung im Kfz-Handwerk ab und übernahm in seinem vormaligen Ausbildungsbetrieb diverse Führungspositionen, unter anderem als Betriebsleiter.

Doch Moser hatte andere Ziele – er wollte nicht sein Leben lang Angestellter bleiben. 1968 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete in Germering einen Ein-Mann-Betrieb. Bereits vier Jahre später baute er in Puchheim das Autohaus, das sein Lebenswerk werden sollte. Heute hat der Betrieb über 130 Mitarbeiter und ist im Raum München einer der größten seiner Art.

Sein privates Glück fand der passionierte Bergsteiger, Klarinettist und Akkordeonspieler an der Seite seiner Frau Annemarie, mit der er über 60 Jahre verheiratet war. Dass eines seiner drei Kinder – Sohn Karl Josef samt seiner Frau Doris und der vier gemeinsamen Söhne – mit ins Autohaus einstieg, freute ihn sehr. Er schaffte es, der nächsten Generation das Ruder zu überlassen, obwohl er selbst noch täglich mitarbeitete. „Wir sind gut ausgekommen“, sagt Karl Josef Moser.

Er bedauert, dass sein Vater nicht mehr miterleben wird, wie das neue Audi-Zentrum eröffnet wird, das sich derzeit im Bau befindet. Noch kurz vor dessen Tod schob er den Vater im Rollstuhl durch das halbfertige Gebäude und machte ihm damit eine Riesenfreude.

Der Rollstuhl war die Folge eines Sturzes im vergangenen Jahr, von dem sich der Großvater von neun Enkelsöhnen nie ganz erholte. Mehrere längere Krankenhausaufenthalte und die Corona-Pandemie setzten seinem unermüdlichen Arbeitseifer ein Ende. Nun ist der Puchheimer Autokönig im Alter von 87 Jahren gestorben.

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