Die Planiesiedlung im Jahr 1973: Hier entstanden gerade neue Hochhäuser, Puchheim wuchs auch in die Höhe.	Fotos: Buachhamer
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Die Planiesiedlung im Jahr 1973: Hier entstanden gerade neue Hochhäuser, Puchheim wuchs auch in die Höhe.

Puchheim

Der Bau-Boom brachte große Probleme

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Ab den 1950er-Jahren ging es in Puchheim-Bahnhof rasant voran mit der Besiedlung. Es sollte schnell und eifrig gebaut werden – doch die fehlende Kanalisation machte schnell einen Strich durch die Rechnung. Es traten sogar Typhus-Fälle auf. Da wurde das Bauen erst einmal verboten.

Puchheim – Trotz Problemen mit dem Grundwasser und maroden Straßen wuchs Puchheim-Bahnhof seit Ende des Zweiten Weltkriegs stetig. Ende des Jahres 1945 lebten dort nur rund 2000 Einwohner. Im Jahr darauf erhielt der Ortsteil die Gemeindekanzlei und wurde dadurch aufgewertet.

Ab dem Jahr 1950 entstand eine neue große Siedlung auf dem Areal des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. Die Gemeinde kaufte eine größere Teilfläche für 52 000 DM vom Bund und erstellte dafür einen Bebauungsplan.

An der Lagerstraße und drei Parallelstraßen – den heutigen „Bürgermeisterstraßen“ – wurden 93 Bauparzellen ausgewiesen und verkauft. Bauwerber mussten sie innerhalb von fünf Jahren bebauen.

Zwei Jahre darauf brach die Bautätigkeit allerdings abrupt ab. Das enorme Wachstum der östlichen Landkreisgemeinden hatte dazu geführt, dass wegen der fehlenden Kanalisation immer mehr Abwasser in den Boden geleitet wurde und auch ins Grundwasser gelangte. In Mammendorf und Maisach wurden Typhusfälle gemeldet. Um eine Verseuchung des Grundwassers zu verhindern, wurde ein Bauverbot ausgesprochen. Puchheim schloss sich daraufhin mit seinen Nachbargemeinden zu Wasser- und Abwasserzweckverbänden zusammen.

Es entstanden für 6,5 Millionen DM ein Tiefbrunnen und ein fast 200 Kilometer langes Kanalnetz. Allein das Puchheimer Netz kostete 1,2 Millionen DM. Nach Inbetriebnahme der zentralen Wasserversorgung wurde die Bausperre wieder aufgehoben. Die Bevölkerung in Puchheim-Bahnhof zählte bis 1960 rund 3000 Einwohner.

Mit der Anzahl der Menschen wuchs auch der Verkehr. Die Hauptstraßen waren allerdings nur mit einer wassergebundenen Kiesdecke versehen und hielten der steigenden Belastung nicht mehr stand. Ihr Zustand war bald miserabel.

Daher beschloss der Gemeinderat im Jahr 1957, die Durchgangsstraßen auszubauen und zu asphaltieren. Ab 1960 wurde die Bautätigkeit wegen der fehlenden Kanalisation erneut gebremst.

Sieben Jahre später wurden jedoch wieder große Baugebiete ausgewiesen. An der Gröbenzeller Straße entstand die Eiwo-Siedlung, an der Tannenstraße Reihenhäuser und an der Nordend- und Bäumlstraße Hochhäuser.

Südlich der Bahnlinie beauftragte Gutsbesitzer Harbeck den Münchner Architekten Ernst Maria Lang mit der Planung eines 50 Hektar großen Quartiers. Ein erster Entwurf sah dort Wohnungen für 19 200 Menschen vor. Nach Überarbeitung der Pläne wurde jedoch nur ein Bereich vom Bahnhof bis zur Zweigstraße mit dem Schwerpunkt der Flächen auf der Planie als Bauland ausgewiesen.

Im Herbst 1970 begannen die Erdarbeiten auf der Planie. Die Hochhausbebauung für etwa 2500 Bewohner hatte die Studentenstadt in München-Freimann als Vorbild.

1970 wurde auch das Gewerbegebiet Puchheim-Nord ausgewiesen, Mitte der 1980er-Jahre folgte die Entwicklung des Gewerbegebiets Süd (Ikaruspark). Die Gemeinde und der Landkreis mussten infolge des enormen Bevölkerungszuwachses (1986: 19 000 Einwohner) mit vielen Infrastruktureinrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Sportanlagen nachziehen.

Die Serie

Im Tagblatt blickt der Kul-turverein d’Buachhamer in die Vergangenheit zurück. Basis sind die 22 Stationen des Geschichtspfads im gesamten Stadtgebiet.

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