Ein Bieber
+
Nicht nur beliebt: Dem Biber gefällt’s im Landkreis.

Natur

Der Dorf-Biber von Puchheim-Ort

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
    schließen

Er galt bereits als ausgerottet. Mittlerweile erobert sich der Biber aber wieder seine alten Lebensräume zurück. Von Zweibeinern lässt er sich dabei nicht stören. In Puchheim-Ort geht der Baumeister jetzt mitten im Dorf seinem Tagwerk nach. Das Zusammenleben von Mensch und Biber scheint dort zu funktionieren.

Puchheim-Ort – Mühe, seine Spuren zu verwischen, gibt sich der Biber nicht. Angeknabberte Bäume und Holzschnitzel am Boden zeugen am Kirchwegerl von der Anwesenheit des Wasserbewohners. Unübersehbar sind auch die Bemühungen der Anwohner und des Landratsamtes, den tierischen Baumeister von den an den Gröbenbach angrenzenden Grundstücken fernzuhalten. Dort, wo der Bach durch ein privates Areal mit mehreren Weihern fließt, wurde ein kleiner Elektrozaun aufgestellt. An einer Schnur befestigte Kanister im Wasser sollen als zusätzliche Barriere dienen.

Schutzmaßnahmen am Gröbenbach: Ein Elektro-Zaun und Kanister im Wasser sollen den Biber von den Grundstücken fernhalten.

Gänzlich lässt sich das für seine Sturheit bekannte Tier davon offenbar aber nicht abhalten. „Ein Anwohner hat den Biber bereits auf seiner Terrasse gesichtet“, berichtet Monika Dufner vom Umweltamt der Stadt.

Probleme mit dem neuen Mitbewohner gibt es bislang offenbar nicht, erklärt Anke Simon, Biberberaterin beim Bund Naturschutz. Auch sie war schon vor Ort, um sich das Wirken des Pelztieres anzusehen und die Anwohner zu beraten. Vor etwa einem halben Jahr habe der Biber angefangen, im Gröbenbach einen Damm zu bauen. Das konnte man ihm aber nicht durchgehen lassen – die Barriere wurde entfernt. „Die Ufersicherung muss gewährleistet sein“, sagt Anke Simon.

Das Tier habe aber genügend andere Flächen in der Nähe. Die Biberberaterin vermutet, dass ihr Schützling in einem Tümpel in der Nähe wohnt. Auch an dessen Ufer zeugen eindeutige Spuren von der Anwesenheit des pelzigen Gesellen. „Dort würden wir ihn gerne lassen“, sagt Anke Simon.

Ob sich das Tier dort überhaupt häuslich niedergelassen hat, ist unklar. Es könne sich auch um einen zweijährigen Biber handeln, der von seinen Eltern aus deren Revier rausgeworfen wurde – so wie es die Natur vorsieht. Dann müssen die Biber auf Wanderschaft gehen, bis sie einen eigenen Lebensraum gefunden haben. „Es wird aber immer schwieriger, ein Revier zu finden“, erklärt Anke Simon. Denn mittlerweile seien viele Gebiete bereits besetzt.

Eindeutige Spuren: Angenagte Bäume zeugen von der Anwesenheit des Bibers.

Immer öfter erreichen die Tierschützerin deshalb Meldungen über verendete Tiere – oft mit Bisswunden. Denn Inhaber eines guten Reviers verteidigen ihren Besitz bis aufs Blut. „Die Natur reguliert sich so selbst“, meint Simon. Eine Biberschwemme aufgrund fehlender natürlicher Feinde sei nicht zu befürchten. „Natürliche Feinde waren nie ein Regularium für den Biber.“

Dass die Spuren des Baumfällers jetzt wieder häufiger zu sehen sind, liegt laut Simon schlicht am Hunger der Tiere. Die hätten ihren Winterspeck aufgezehrt und jetzt mächtig Kohldampf.

Anke Simon möchte dabei helfen, ein Miteinander von Mensch und Biber zu schaffen. Deshalb zeigt und erklärt sie Interessierten, wie man Gewächse auf dem eigenen Grundstück vor den scharfen Zähnen des Bibers schützen kann.

Dass man sich arrangieren muss, steht für Manuel Bode von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt ohnehin außer Frage. Denn der Biber steht unter strengem Naturschutz. Damit es keinen Ärger gibt, hat die Behörde auch den kleinen Elektrozaun am Gröbenbach bereitgestellt – obwohl der Schutz von Privatgrundstücken eigentlich Sache der Eigentümer ist. Bodes Fazit: „Das Zusammenleben klappt. Man muss sich eben auf den Biber einstellen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare