Nach Berlin in fünf Stunden: Hellmuth Hirth auf seiner Albatros-Taube im Jahr 1911. 
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Nach Berlin in fünf Stunden: Hellmuth Hirth auf seiner Albatros-Taube im Jahr 1911. 

Altes Flugfeld

Der erste Flug von Puchheim nach Berlin

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Heute wäre das in normalen Zeiten nichts besonderes: Am Flughafen München einsteigen und nach Berlin jetten. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts war gerade diese Strecke der ganze Stolz Puchheims: Der Ort hatte nämlich den ersten zivilen Flugplatz Süddeutschlands.

Puchheim – Der erste zivile Flugplatz Süddeutschlands entstand 1910 in Puchheim. Ein Jahr später flog Helmuth Hirth von dort nach Berlin. Er legte die 535 Kilometer lange Strecke mit zwei Zwischenlandungen in fünf Stunden und 41 Minuten zurück. Dafür kassierte er 50 000 Goldmark, die die Münchner Firma Kathreiner (Malzkaffee) als Preis für den ersten Flug von München nach Berlin ausgesetzt hatte.

Erste Flugversuche auf dem Oberwiesenfeld

Das Flugfeld in Puchheim: Es befand sich dort, wo heute unter anderem der Volksfestplatz und das Sport-/ und Schulzentrum ist. Die Obere Lagerstraße verband das Gelände mit dem Bahnhof. 

Eigentlich war das Flugfeld entstanden, um die damals üblichen Rundflüge durchzuführen. Elf Münchner Bürger hatten 1909 die Akademie für Aviatik gegründet. Deren Ziel war „die Ausübung von Flügen mit Luftschiffen und Flugmaschinen“. Die ersten Flugversuche fanden zunächst auf dem Oberwiesenfeld in München statt. Ein regelmäßiger Flugbetrieb war dort aber wegen der militärischen Nutzung des Geländes nicht möglich. Daher erwarb die Akademie im Frühjahr 1910 in Puchheim eine Fläche von 76 Hektar.

Es ging zunächst vor allem um Wettkämpfe

Sie wurde vor allem für Wettflüge vor zahlendem Publikum geplant. Die Einnahmen sollten den Unterhalt der Anlage finanzieren. Deshalb ließ die Akademie um das ganze Gelände eine 2,50 Meter hohe Betonmauer bauen, die nicht-zahlende Zuschauer fernhalten sollte.

Um das Gelände an den Bahnhof anzubinden, baute die Akademie eine Verbindungsstraße, die heutige Obere Lagerstraße. Zur Unterhaltung des Publikums wurden verschiedene Läden, ein Postamt und vor allem ein großes Restaurant errichtet Für die Unterbringung der Flugzeuge entstanden an der Südseite des Geländes zehn Holzschuppen, auf denen die Namen der jeweiligen Piloten angebracht waren.

Franzose begeisterte das Publikum

Eröffnet wurde das Puchheimer Flugfeld mit der Münchner Flugwoche im Mai 1910, an der fünf bekannte Piloten mit unterschiedlichen Flugapparaten teilnahmen. Sie traten im Distanz-, Höhen- und Schnelligkeitsflug gegeneinander an. Bis 1912 wurden insgesamt vier weitere Flugschauen mit diesen Wettbewerben veranstaltet. Ab 1911 bot die Akademie für Aviatik auch Passagierflüge an. In den Jahren 1913 und 1914 fesselte der Franzose Adolphe Pégoud bis zu 50 000 Zuschauer mit seinem Kunstflugprogramm.

Wettflüge rund um München

Auch längere Strecken legten die Piloten immer wieder zurück. Zwei Jahre nach dem Flug nach Berlin startete Robert Janisch in Puchheim in Richtung Wien. Er erreichte sein Ziel in drei Stunden und 45 Minuten sowie mit vier Zwischenlandungen. Ebenfalls 1913 wurde ein zweitägiger Rundflug um München veranstaltet. Sechs Piloten mussten möglichst schnell Strecken von 90 und 146 Kilometern zurücklegen. Sieger war am Ende Helmuth Hirth.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Puchheimer Flugfeld wie alle anderen privaten Flugplätze geschlossen. Stattdessen wurde auf dem Gelände ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Heute ist auf dem ehemaligen Gelände des Flugfeldes der Stadtteil mit den Bürgermeister-Straßen, das Sportzentrum sowie Realschule, Gymnasium und Volksfestplatz. Nur noch ein Denkmal mit einem Propellerflügel und nun die Geschichtspfadtafel erinnern an die große Vergangenheit.

Die Serie

Im Tagblatt blickt der Kulturverein d’Buachhamer in die Vergangenheit zurück. Basis sind die 22 Stationen des Geschichtspfads.

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