Der ADFC-Radlexperte Edi Knödlseder muss aufpassen, weil er unvermittelt vom Fuß- und Radweg auf die Straße wechseln muss.
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Am Kreisel an der Kreuzung Lochhauser/Nordendstraße muss der ADFC-Radlexperte Edi Knödlseder aufpassen, weil er unvermittelt vom Fuß- und Radweg auf die Straße wechseln muss.

Fahrradfreundlichkeit im Test

Der Radl-Check in Puchheim

Wie fahrradtauglich sind die Kommunen im östlichen Landkreis eigentlich? Wir haben einen Radl-Check mit Experten durchgeführt. Heute ist Puchheim dran.

Puchheim – Eine längere Schlange aus Autos hat sich hinter dem Radler auf der Lochhauser Straße gebildet. Trotzdem warten die Autofahrer geduldig, bis der Gegenverkehr vorbei ist – ehe sie mit ausreichend Abstand überholen. „Das war vor zehn oder 15 Jahren noch anders. Da wurde man als Radfahrer noch angehupt und die Fahrzeuge sind dicht an einem vorbeigerauscht“, sagt Edi Knödlseder, Ortssprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Puchheim.

Die Lochhauser Straße

Problemstelle: Auf der Lochhauser Straße müssen Radler gemeinsam mit den Autos die Fahrbahn nutzen.

Doch auch jetzt ist die Situation noch nicht ideal. Die Radler sind durchgehend gemeinsam mit den Autos auf der Fahrbahn unterwegs. Insbesondere bei den Längsparkplätzen müssen sie wegen rangierender Fahrzeuge immer wieder ein Ausweichmanöver hinlegen. „Gerade im Einkaufsbereich sind viele Senioren unterwegs, die sich die Lochhauser Straße nicht mehr zutrauen“, sagt Knödlseder.

Auch die Fahrradbeauftragte der Stadt, Katharina Dietel, sagt: „Ich finde die Lochhauser Straße extrem unangenehm zum Radeln.“ Allerdings sei dort eine größere Umgestaltung angedacht. Weil aber viele Flächen in Privatbesitz sind, könnte das noch dauern. Schnellere Lösung: ein Fahrradstreifen.

„Dafür ist die Fahrbahn allerdings zu schmal“, sagt Knödelseder. „Deshalb würde ich mir parallel eine durchgehende und gut ausgeschilderte Fahrradstraße wünschen. Der Mühlstetter Graben würde sich ideal eignen. Er geht kerzengerade durch und es gibt kaum Einmündungen.“

Doch diesen Vorschlag hatte der Stadtrat vor rund einem Jahr abgelehnt. Fahrradbeauftragte Dietel hält die Route auch so für eine gute Alternative. Es gebe wenig Verkehr und man könne über die Querstraßen von hinten zum AEZ oder zur Eisdiele an der Lochhauser Straße fahren.

Allinger Straße

Größere Verkehrsachsen wie die Gröbenzeller oder die Lagerstraße haben in Puchheim alle keinen eigenen Radweg. Auf der Allinger Straße gibt es zumindest auf einer Seite einen Fahrradstreifen. Er endet allerdings auf Höhe des PUC. „Den könnte man bis zum Altenheim durchziehen“, wünscht sich Knödlseder. Allerdings würden dafür einige Parkplätze wegfallen.

Problemstellen

Sorgenkind: Die Rampe, die von der Pappelallee zur Kreisstraße führt, endet plötzlich auf einem Gehweg.

Wer den Mühlstetter Graben als Alternative zur Lochauser Straße nimmt, steht irgendwann etwas orientierungslos an der stark befahrenen Nordendstraße. Hier fehlen Wegweiser, wo es für Radler weitergeht. Eine Gefahrenstelle dort sind die beiden Kreisel. Kurz vor der Einfahrt münden die Radwege jeweils in die Straße. „Man müsste sichtbar machen, dass die Radler hier auf die Fahrbahn kommen. Die Autofahrer nehmen das nicht wahr. Wenn es farbliche Markierungen gäbe, müsste niemand Angst haben, dass er unter einem Lastwagen landet“, sagt Knödlseder.

Ein weiterer Kritikpunkt für Knödlseder ist der Puchheimer Bahnhof. „Es gibt keinen Aufzug und die Rampen sind relativ steil. Immer mehr Leute haben ein Pedelec, das mindestens 23 Kilogramm wiegt. Da tut man sich relativ schwer, es hochzuschieben.“

Gute Lösungen

Gut gefallen Knödlseder die alte Bahnhofstraße und der Laurenzer Weg, die nur für Fußgänger und Radler freigegeben sind. „Das sind schöne Trassen zwischen Puchheim-Bahnhof und Puchheim-Ort. Sie sind rund fünf Meter breit, sodass Radler nebeneinander fahren und bequem Fußgänger überholen können.“ Lob hat er auch für die Wegführung am Gröbenbach übrig. Allerdings ende sie an den Bahngleisen an einer sehr niedrigen „Abtauchunterführung“.

Radl-Reparatur

Südlich und nördlich des Bahnhofs gibt es je eine Reparaturstation mit Luftpumpe und verschiedenen Werkzeugen. Im Laufe des Jahres soll in Puchheim-Ort eine dritte Station dazukommen.

Das ist geplant

„Wir versuchen unser Möglichstes, um Radfahren attraktiver zu machen“, sagt die städtische Radlbeauftragte Dietel. Dazu habe man vor kurzem mehrere Fahrradstraßen ausgewiesen und biete den Puchheimern kostenlos ein Elektro-Lastenrad zum Ausleihen. Außerdem setze die Stadt nach und nach ein Fahrradkonzept um.

Im Rahmen dessen stellt Puchheim unter anderem mehr Fahrradständer an öffentlichen Gebäuden und Schulen auf und bemüht sich, den Radschnellweg von Fürstenfeldbruck nach München durch Puchheim zu führen. Zudem könnte die Stadt im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von Stadt München, MVG und Landkreis zwölf bis 13 Leihradstationen der MVG bekommen, die sich über das gesamte Gemeindegebiet verteilen. Außerdem werden derzeit die Fahrradwegweiser im Ort erneuert und aktualisiert.

Fazit

In Puchheim mangelt es vor allem an den Hauptstraßen an Radwegen oder –streifen. Allerdings ist der Autoverkehr nicht übermäßig hoch und es gelten immer wieder Tempolimits. Zudem gibt es ruhige Nebenstraßen als Alternativen, die allerdings als Radrouten ausgeschildert werden müssten. Nachbesserungsbedarf gibt es an den Kreiseln an der Nordendstraße. Die Mängel könnten einfach behoben werden.

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Andreas Schwarzbauer

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